Honda FR-V im Test

Honda FR-V Honda FR-V

Honda FR-V im Test

— 06.01.2005

Das Sechser-Pack

Neu ist die Idee nicht, doch die Erfolgsaussichten sind diesmal besser: Der Honda FR-V tritt bei den Kompaktvans mit drei Sitzen in der ersten Reihe gegen die konventionelle Konkurrenz an.

Kompaktvan mit 'nem Schuß Dynamik

Beim Knobeln zählen sechs Augen auf dem Würfel am meisten. Und auch bei den Kompaktvans bekommt die Sechs so langsam einen höheren Stellenwert. Wem sieben Sitze in einem Opel Zafira zuviel, fünf wie bei der Mehrzahl der anderen Vans aber zuwenig sind, findet ab sofort im Honda FR-V eine Alternative.

Dabei war alles schon einmal dagewesen. Denn mit dem Fiat Multipla kam bereits Ende der Neunziger der erste Kompaktvan mit einem vergleichbaren Konzept auf den Markt. Zu früh für seine Zeit, oder war es das abschreckend skurrile Design, das einen durchschlagenden Erfolg des Italieners verhinderte?

Zumindest über sein Äußeres gibt es beim Honda wenig zu mäkeln. Dank der relativ niedrigen Höhe von 1,61 Meter und einer passablen Breite von 1,81 Meter wirkt der Van noch nicht wuchtig. Die schmalen Scheinwerfer sowie die zum Heck ansteigende Gürtellinie sorgen gar für einen Schuß Dynamik.

Der FR-V läßt den Stream alt aussehen

Der Clou ist natürlich der Mittelsitz in der ersten Reihe. Der läßt sich zwecks Vergrößerung der Beinfreiheit in sieben Stufen bis zu 27 Zentimeter nach hinten verschieben. Und damit man dann seinem Hintermann im Fond nicht zu nah auf die Pelle rückt, kann der gleichzeitig um 17 Zentimeter nach hinten ausweichen. Als Erwachsener sitzt man allerdings ziemlich eingequetscht zwischen den jeweiligen Außenplätzen, so daß diese Option am besten für Kinder (ab vier Jahre) geeignet ist, die aber vorn nur auf einem eigenen Kindersitz mitfahren dürfen.

Aber nicht allein als Sitzgelegenheit ist der Mittelplatz nutzbar. Nach vorn umgeklappt, verwandelt er sich in einen Ablagetisch samt integriertem Staufach. Und da wir schon einmal beim Thema Variabilität sind: Kein anderer Van in diesem Segment läßt sich müheloser in einen Kleintransporter verwandeln. Einfach die Kopfstützen einschieben, Rücksitze umklappen, fertig. Im Handumdrehen wächst so das Kofferraumvolumen von 439 auf 1600 Liter – bei völlig ebener Ladefläche. Dazwischen liegen etliche Variationsmöglichkeiten – vom Transport einer sechsköpfigen Familie bis zum Urlaubsmobil für zwei oder drei Personen plus gigantischer Ladekapazität.

Fast stellt sich die Frage nach der Daseinsberechtigung des Honda Stream: Wird der fast 30 Zentimeter längere Fünftürer als Siebensitzer genutzt, schrumpft das Kofferraumvolumen auf 158 Liter. Zudem ist der Aufenthalt in der dritten Sitzreihe ziemlich unbequem. Mehr Alltagstauglichkeit offeriert jedenfalls der FR-V, dessen Einstiegspreis gerade mal um 800 Euro höher liegt.

Hoher Wohlfühlfaktor im Cockpit

Sehr gelungen sind Ergonomie und Materialauswahl im FR-V. Der Schaltknauf sitzt wie ein Joystick zentral und griffgünstig plaziert im Armaturenbrett, das mit übersichtlich angeordneten Instrumenten und Bedienelementen einen tadellosen Eindruck hinterläßt. Hochwertige Oberflächen, weder Knarzen noch unangenehme Kunststoffausdünstungen – hier fühlt man sich auf Anhieb wohl.

Daran hat die reichhaltige Ausstattung erheblichen Anteil. Klimaautomatik, vier elektrische Fensterheber, Stereo-Radio samt CD-Spieler sowie Zentralverriegelung sind schon beim Basismodell serienmäßig. Und das Fahrwerk mit aufwendiger Einzelradaufhängung rundum sowie gelungenem Abstimmungskompromiß zwischen komfortabel und straff ist für jede Situation gerüstet.

Doch es gibt auch Schatten. Da wäre einerseits der etwas kurzatmige 1,7-Liter-Basismotor mit 125 PS, dessen fehlendes Durchzugsvermögen das kurz übersetzte Fünfganggetriebe kaschieren muß. Damit einher geht ein erhöhtes Drehzahlniveau, das sich ab Tempo 140 auch in einer entsprechenden Geräuschkulisse bemerkbar macht. Ärgerlich auch, daß Honda einmal mehr dem jeweiligen Basismodell einer Baureihe ESP (heißt bei Honda VSA) vorenthält.

2,2-Liter-Diesel kommt im Sommer

Erst im Zweiliter-Benziner kommt dann so richtig Freude auf. Drehfreude und Laufruhe sind seine Stärken. Zwar liegt das maximale Drehmoment von 192 Newtonmeter erst bei hohen 4000 Umdrehungen an, doch kann der vibrationsarme Vierzylinder seine Kraft über ein Sechsganggetriebe an die Vorderräder abgeben.

Klar, daß dieser Motor mehr Reserven bietet. Ob beim Beschleunigen von der Ampel, mit mehr Höchstgeschwindigkeit oder besserer Elastizität beim Zwischenspurt – überall hat der Zweiliter die Nase vorn. Allein beim Verbrauch schneidet der 1,7-Liter besser ab. Mit 7,5 Liter Super im EU-Verbrauch bleibt er knapp einen Liter unter dem stärkeren Triebwerk.

Wer hier noch mehr sparen will, muß bis zum Sommer auf den Diesel warten. Der 2,2-Liter hat sich bereits im Accord erste Meriten verdient und schmückt sich dort mit dem Prädikat "leisester Diesel seiner Klasse". Mit 140 PS und 340 Newtonmeter Drehmoment dürfte er in Fahrleistungen und Verbrauch beiden Benzinern das Wasser abgraben.

Preise, Zeugnis und Technische Daten

Ganz billig wird das Dieselvergnügen nicht. Denn auf den Kaufpreis des 150 PS starken 2.0 Comfort (22.700 Euro) dürften sich weitere 2000 Euro addieren. Und die muß man erst einmal wieder einfahren.

Fazit und Ausstattungen

Fazit von AUTOMOBIL TESTS-Redakteur Michael Iggena Schade, Fiat Multipla. Aber der neue, multi-variable Honda FR-V kann's einfach besser. Sechs Sitze und dazu ein passables Stauvolumen sind eine überzeugende Lösung. Was uns nicht schmeckt, ist das fehlende ESP für die Basisversion. Hier sollte Honda noch mal nachbessern.

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