Vorstellung Honda Jazz

Honda Jazz Honda Jazz

Honda Jazz

— 24.02.2002

Sooo groß kann klein sein

Im Gegensatz zu VW setzt Honda das Polo-Motto konsequent um. Mit dem Jazz fahren die Japaner in eine neue Kleinwagen-Dimension.

"Fiter" Nachfolger des Logo

Alles ist geheimnisvoll miteinander verwoben. Tut die Hand weh, kann das am Zeh liegen. Verliert die Näherin in Nicaragua ihren Job, wurde in Chengdu/China eine Textilfabrik aufgemacht. Und beim Honda Jazz - und damit sind wir beim Thema - kann man mit ein, zwei Griffen die Rücksitze sehr schön umklappen und kriegt einen ebenen Laderaum, der alles in seiner Klasse in den Schatten stellt.

Warum? Weil der Motor eine Doppelzündung hat. Die Welt ist eben komplex. Die Doppelzündung soll für niedrigen Verbrauch sorgen, der für einen ziemlich kleinen Tank. Der passt dann wiederum unter die Vordersitze, weshalb die Rücksitze nicht mehr auf/vor/hinter Hügeln stehen, unter denen ein Tank haust, weshalb der Konstrukteur endlich eine wirklich einfache Lösung fürs Sitze-Umklappen findet, weshalb der Jazz in Japan (wo er "Fit" heißt) für ein halbes Jahr ausgebucht ist, weshalb wir ihn erst im Frühjahr 2002 kriegen.

Man kann das ewig fortsetzen, aber wir wollen erst mal näher auf den Motor des neuen Jazz gucken, des Nachfolgers vom Logo, der sich dadurch auszeichnete, dass er sich durch nichts auszeichnete. Da das auf Dauer keine gesunde Geschäftsbasis ist, zeichnet sich der Jazz durch mehrere schöne Besonderheiten aus. Zum Beispiel einen Motor namens i-DSI.

Doppelzündung für Miniverbrauch

Der i-DSI ist ein 1,4-Liter-Benziner mit 83 PS, vier Zylindern, zwei Ventilen, und er hat keine Direkteinspritzung, obwohl das ja gerade der globale Trend ist. Sozusagen die Wunderwaffe der Zukunft gegen den bösen Spritverbrauch, wie im VW Lupo FSI. Yasutoshi Ito, der 40-jährige Projektleiter des Honda-Motors: "Benzin-Direkteinspritzung ist nicht allein selig machend. Seine sinnvolle Grenze liegt bei etwa 1,4 Liter Hubraum. Bei kleineren Motoren funktioniert das nicht mehr so gut."

Ito zündet sein Gemisch daher mit einer sequenziellen Doppelzündung. Jedoch funken die beiden Kerzen nicht gleichzeitig wie beim Alfa oder Smart, sondern zeitversetzt, um das Gemisch noch perfekter, sprich schneller und vollständiger, abzufackeln. Dann ist der Verbrauch am geringsten, die Leistung am größten und das Abgas am harmlosesten.

Resultat der Bemühungen ist (laut Honda) mit manuellem Fünfganggetriebe ein Verbrauch von 5,5 Litern, während es mit einem CVT-Getriebe(ab Sommer 2002) unter fünf Liter sein sollen. Und für Ende 2002 spricht man bei der abgespeckten 72-PS-Version (1,2 Liter) von gar nur 4,3 Litern. Das neue i-DSI-Triebwerk ist außerdem sehr kompakt, was ebenfalls dem Entwicklungsziel des Wagens dient: außen klein (3,83 m lang, also wie der Audi A2), innen ungewöhnlich groß. Honda schickte Mitarbeiter in die Welt, um die Bedürfnisse der Autofahrer der Länder aufzuspüren. Heraus kam, dass der Kunde einen niedrigen Verbrauch wünscht, gutes Fahrverhalten, Geräumigkeit und hohe Qualität. Wer hätte das gedacht?

Außen nett, innen hübsch

Entwickelt wurde eine Art Kompakt-Van, ein gleichwertiger Konkurrent zur Mercedes A-Klasse und zum Audi A2, wenn auch deutlich preiswerter. Das Basis-Modell soll grob kalkuliert 25.000 Mark kosten. Selbst das Styling, bislang bei den Japanern logischerweise meist ein Kind des bei uns ungeliebten Ostasien-Geschmacks, kommt halbwegs europäisch daher. Kein Wunder, denn es entstand in Kooperation mit dem Europa-Entwicklungszentrum in Offenbach, und die Japaner haben ausnahmsweise mal zugehört.

Zwar folgt der Jazz dem neuen Honda-Hausgesicht namens Zenshin, dennoch wirkt er nicht hausbacken, auch wenn das Audi-A2-Design viel mehr Charakter besitzt. Honda möchte gern oben dazugehören, hat aber das Image in Europa nie genügend hochgestemmt. Jahraus, jahrein vergab das Management die Chance, als größter, vielleicht bester Motorenbauer der Welt und als x-facher Formel-1-Weltmeister ein klares Profil zu zeigen, bei dem man sagt: Mensch, klasse, ein Honda. Stattdessen hört man eher: Na ja, ein Honda. Sehr gut gemacht, aber am Herzen vorbeigezielt. Vielleicht definiert man sich zu sehr über Drehzahl und zu wenig über Sinnlichkeit und Groove.

Das ist die gewagte Überleitung zurück zum Jazz. Außen ist der Neue also nett geworden, drinnen geht es angenehm weiter. Hübsche Oberflächen, ein noppiges Lenkrad, riffelige Mittelkonsolen, geschmackvolle Instrumente, feine Fugen, durchdachte Details (zum Beispiel drei Rast-Stellungen der Türen), viele Ablagen und eine großzügige Architektur.

Und klappt und klappt und klappt

Der Klein-Van ist innen luftig hoch, man sitzt auf allen Plätzen bequem, hat viel Beinfreiheit - und nun noch mal der Clou: Man schiebt den Vordersitz ganz nach vorn und legt die Rücksitzlehne einfach nach vorn um, bis zur Horizontalen. Ohne dass man die Kopfstütze abfummeln muss, ohne dass etwas geknautscht wird. Dann holt man den Vordersitz zurück. Das Gleiche auf der anderen Seite, schon hat man eine völlig glatte, 1,74 Meter lange Laderaumfläche und ein Ladevolumen von 1321 Litern.

Klappt man die hintere Lehne wieder hoch, dann hebt sie sich nicht allein, sondern dann klammert sich die Sitzfläche an sie dran, womit man hinter den Vordersitzen einen schmalen, aber hohen Laderaum mit 1,28 Meter Höhe (zum Beispiel für zwei Mountainbikes oder Friedas Yuccapalme) bekommt. Oder man klappt die Sitzfläche sofort runter, dann hat man wieder ganz normale Sitze. Das ist alles sehr pfiffig und vor allem so überraschend simpel, dass man sich zu den Konkurrenten fragt: Warum machen die alles so umständlich? Ach klar: Denen fehlt ja die Doppelzündung.

Technische Daten

Vierzylinder, vorn quer • Hubraum 1339 cm3 • kW/PS: 61/83 bei 5700/min • Drehmoment 119 Nm bei 2800/min • Frontantrieb • Fünfganggetriebe • Einzelradaufhängung • Scheiben- und Trommelbremsen (v/h) • el. Servolenkung • Tank 42 l • Kofferraum 380 l • Verbrauch: 5,5 l/100 km • L/B/H 3830/1675/1525 mm • Radstand 2,45 m

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