Honda Stream 1.7 ES

Fahrbericht Honda Stream 1.7 ES Fahrbericht Honda Stream 1.7 ES

Honda Stream 1.7 ES

— 27.02.2002

Einladend anders

Kompakte Raumwunder sind der große Hit - und alle irgendwie ziemlich ähnlich, dachte sich Honda und bringt jetzt den Stream.

Flacher als die Konkurrenz

"Den praktischen Nutzen eines Kombis, den Komfort einer Limousine und die Agilität eines Coupés", all das verspricht der neue Stream - sagt zumindest Honda. Ganz schön vollmundig. Hört sich ja an, als ob die Japaner den Van neu erfunden haben. Nun, zunächst fällt die ungewohnt niedrige Karosserie auf und das rund zulaufende hintere Seitenfenster. Der Stream ist gut zehn Zentimeter flacher als die vergleichbare Konkurrenz vom Format Toyota Picnic, Renault Espace oder VW Sharan. Doch wer denkt, jetzt müsste das Haupthaar gleich am Himmel scheuern, irrt.

Die Ingenieure konstruierten die Bodengruppe so geschickt, dass reichlich Raum für die Insassen bleibt. Zur Not sogar für sieben, denn die Bestuhlung teilt sich auf in 2+3+2. Nach dem Opel-Zafira-Prinzip gibt es im Heck eine dritte Bank, die sich im Handumdrehen flach legen lässt und gleichzeitig eine topfebene Ladefläche schafft, ohne störende Kante. Ersparen Sie mir das Wie - dieser patente Mechanismus lässt sich nicht in Worte fassen, geht aber nach einiger Übung ruck, zuck und kinderleicht.

Die zweite Reihe ist für drei Personen gedacht, doch nur zwei finden ausreichend Platz, sowohl für den Kopf als auch für die Knie. Der Mittelsitz dient mehr der Statistik. Wer sich dort niederlässt, muss schmal sein wie ein Suppenkasper nach dem fünften Tag und obendrein mutig. Honda spendiert für die passive Sicherheit lediglich einen Beckengurt.

Priorität: dynamisches Fahrverhalten

Zur besseren Variabilität lässt sich die Bank in zwei Teilen vor- und zurückschieben sowie sich jede der drei Rückenlehnen umklappen. Sie sind aber mit der flach gelegten dritten Bank nicht auf dem gleichen Niveau. Hier hätten wir uns etwas mehr Pfiffigkeit versprochen, etwa herausnehmbare Rücksitze und kleine Schwenktische in den Lehnen der Vordersitze oder gar eine klappbare Beifahrersitzlehne für den Transport von längeren Utensilien.

Doch gibt Honda-Entwicklungschef Yutaka Fujiwara zu, bei der Entwicklung mehr Priorität auf dynamisches Fahrverhalten gelegt zu haben. Der Blick ins Cockpit mit dem praktisch in die Mittelkonsole integrierten Schalthebel bestätigt dies. Honda-typisch flutscht er exakt und knackig.

Dabei muss der kurze Knüppel im Alltag gar nicht oft berührt werden. Der 1,7-Liter-Vierzylinder mit 125 PS zeigt sich so angenehm elastisch, dass man selbst im dritten Gang mit 20 km/h noch wunderbar hochbeschleunigen kann, ohne dass der Motor den Eindruck machen würde, er fühle sich nicht wohl. Für die Stadt bilden Motor und Getriebe eine perfekte Kombination. Hierzu trägt auch die ausgeklügelte Technik der variable Ventilsteuerung (VTEC) bei. Weiterer Lohn: ein Verbrauch, den Honda mit nur 7,7 Litern angibt.

Doppellippig für mehr Ruhe

Ebenso überzeugend wirkt der Stream auf Landstraße und Autobahn. Willig und leicht dreht der Motor hoch, wird selbst im Bereich der Höchstgeschwindigkeit (190 km/h) nicht aufdringlich laut. Die Designer widmeten den so genannten NVH-Eigenschaften viel Aufmerksamkeit. NVH steht für Noise, Vibration und Harshness (Lärm, Vibration und Rauheit). So erhielt der Stream doppellippige Türdichtungen, Schallreflektoren unter den vorderen Kotflügeln sowie spezielle Füllungen fürs Armaturenbrett und die A-Säulen.

Sportlich-komfortabel gelang die Abstimmung von Federn und Dämpfern. Auf zu schnell angegangene Kurven reagiert der Stream zwar mit quietschendem Schieben über die Vorderräder (Untersteuern), dreht aber bei plötzlichem Gaswegnehmen (Lupfen) wieder gutmütig ein. Die hydraulische Servolenkung (Honda betont, bewusst keine elektrische einzusetzen) könnte um die Mittellage etwas mehr Gefühl vermitteln.

Sie ist variabel ausgelegt, so dass beim Einparken maximale Hilfe zur Verfügung steht, bei höheren Geschwindigkeiten dagegen nimmt die Unterstützung für mehr Lenkpräzision ab. Auffällig aber ist der recht große Wendekreis von elf Metern. Beim Rangieren wirkt der Van nicht so handlich, wie man vermuten würde.

Motoren und Ausstattung

Im Fahrverhalten erreicht der Stream fast die Qualitäten seines kleineren Bruders, des fünftürigen Civic. Zu merken ist lediglich die etwas größere Trägheit aufgrund des längeren Radstands (plus 40 cm) und der insgesamt größeren Außenlänge (plus 29 cm). Neben dem 1,7-Liter-Motor treibt den Stream noch ein Zweiliter mit 156 PS an, der in Deutschland Premiere feiert. Mit ihm führt Honda erstmals die i-VTEC-Technik ein.

Das "i" steht für intelligente Steuerung der Ventil-Einlasszeiten, liefert mehr Drehmoment (jetzt 192 Nm), was einem Plus von 20 Prozent im Vergleich zum bisherigen Zweiliter entspricht. Auch Schadstoffausstoß und Spritverbrauch (8,6 Liter) sollen geringer sein. Der i-VTEC erfüllt die Abgasnorm D4. Nur er kann übrigens mit einer Fünfgangautomatik mit Tiptronic-Modus geordert werden (Aufpreis 2700 Mark). Dem kleinen 1,7-Liter bleibt lediglich das manuelle Fünfganggetriebe.

Die Ausstattung ist für die Klasse guter Durchschnitt. So zählen Zentralverriegelung mit Fernbedienung, elektrische Fensterheber, Seitenairbags und Bremsassistent bereits im Grundmodell LS zum Serienumfang. Preis: ab 37.970 Mark. Wir fuhren die Version ES für 40.170 Mark, die zusätzlich Gepäckraumabdeckung und Klimaanlage enthält.

Technische Daten

5000 Stream will Honda jährlich in Deutschland absetzen und hauptsächlich Zafira- und Scénic-Kunden gewinnen. Angesichts der rund 100.000 Stück, die Opel und Renault von ihrem Kompakt-Van verkaufen, kein ernst zu nehmender Angriff. Denn in der Summe ist der Stream keine Neuerfindung, sondern ein Van wie jeder andere. Er schwimmt eben auch nur mit dem Strom.

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.