Geisterfahrt im Nebel auf der A5 endet mit sechs Toten

Horrorunfall auf der A5

Sechs Tote nach Geisterfahrt

Ein Geisterfahrer richtete in Südbaden ein Desaster an. Insgesamt kamen  sechs Menschen ums Leben. Die schockierten Helfer stellen sich die Frage nach dem "Warum".
(dpa) Blaulichter scheinen im Nebel auf, die Autobahn A5 bei Offenburg gleicht auf 100 Metern Länge einem Schlachtfeld. Den Helfern bietet sich ein unvorstellbar grausiger Anblick. Überall auf der Fahrbahn liegen Leichenteile und die Trümmer von vier Autowracks. Was ist passiert? Erst ein paar Stunden später hat die Polizei Gewissheit: Ein 20 Jahre alter Geisterfahrer hat mit seinem weißen BMW gegen 6.00 Uhr morgens einen voll besetzten VW Touran mit hoher Geschwindigkeit frontal gerammt. Die traurige Bilanz: Der Falschfahrer und die fünf Insassen des Minivan sind tot.

Albtraum Geisterfahrer

Wie oft gibt es Geisterfahrer?

Laut ADAC werden im Jahr bundesweit 2800 Fälle gemeldet, davon 2000 auf Autobahnen. Die allermeisten gehen glimpflich aus. Geisterfahrer verursachten gerade einmal drei Prozent der tödlichen Unfälle auf Autobahnen.

Was treibt Geisterfahrer an?

Den typischen Geisterfahrer gibt es nicht. Es gibt verschiedene Ursachen, warum jemand dazu wird. In einigen Fällen sind es Selbstmordabsichten, oft ist es aber auch ein reines Versehen oder Zerstreutheit, dass jemand in falscher Richtung auf eine Autobahn fährt oder dort wendet. Manchmal sind auch Drogen oder Alkohol im Spiel. Der Auto Club Europa (ACE) weist darauf hin, dass manche Auffahrten einfach auch schlecht beschildert sind.  

Kann man Geisterfahrer verhindern?

Der ACE sieht in einer besseren Beschilderung an Auffahrten die einzige Stellschraube, mit der man etwas verbessern könne. Auch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) erwägte zuletzt, durch neongelbe Warnschilder die Auffahrten besser zu kennzeichnen. Es gibt auch Forderungen, an den Auffahrten Krallen zu installieren, die Fahrzeuge, die in falscher Richtung auffahren wollen, stoppen würden. Das wäre aber sehr aufwendig und teuer.  

Was tun, wenn vor einem Geisterfahrer gewarnt wird?

Die Automobilclubs raten dazu, sich rechts zu halten, langsamer zu fahren und im Ernstfall auf dem Seitenstreifen anzuhalten. Damit man die Warnung überhaupt mitbekommt, ist es natürlich wichtig, im Auto den Verkehrsfunk zu hören.

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Der Wagen des Geisterfahrers steht total deformiert an der Leitplanke. Der junge Mann war sofort tot. Der Motorblock des Kleinbusses wurde bei der Kollision herausgerissen. Zwei Frauen im Alter von 23 und 36 Jahren sowie drei Männer von 26, 27 und 30 Jahren wurden teilweise aus dem Wagen herauskatapultiert. Auch sie alle erlagen sofort ihren schweren Verletzungen. Eine 37-Jährige, die als erstes mit ihrem Auto zur Unfallstelle kam, wollte helfen und parkte ihren Wagen auf dem Standstreifen. Doch dann passierte das nächste Unglück: Ein Autofahrer übersah die Frau im Nebel und überrollte sie. Ein weiteres Fahrzeug prallte daraufhin in die ungesicherte Unfallstelle. Die Helferin kam schwerst verletzt ins Krankenhaus, wird aber wohl überleben. Die Insassen der beiden anderen Autos wurden glücklicherweise nur leicht verletzt.

Chronologie der Geisterfahrten

1. Januar 2013

Ein betrunkener Lkw-Fahrer wendet auf der A1 bei Bremen seinen 40-Tonner. Mehrere Fahrzeuge können nicht ausweichen, zwei Menschen kommen ums Leben. Der Fahrer flüchtet und wird nach rund 25 Kilometern von der Polizei gestoppt.

30. Dezember 2012

Auf der A52 kommt eine 58 Jahre alte Fahrerin und ihr ein Jahr älterer Beifahrer bei einem Zusammenstoß mit einem Geisterfahrer ums Leben.

18. November 2012

Sechs Menschen sterben auf der A5 nahe Offenburg, als ein Kleinbus im Nebel frontal mit dem Wagen eines Geisterfahrers zusammenstößt.

21. Oktober 2012:

Ein 24-Jähriger fährt in Selbsttötungsabsicht in falscher Richtung auf der A46 im Sauerland. Bei Meschede rast er in ein entgegenkommendes Auto mit vier Insassen. Sie und der Unfallverursacher sterben.

15. Oktober 2012:

Zwei Kinder und ihr 31 Jahre alter Vater werden beim Zusammenstoß mit einer Geisterfahrerin auf der A1 bei Rivenich (Rheinland-Pfalz) getötet. Die 60-Jährige überlebt schwer verletzt.

2. Oktober 2012:

Eine 31-Jährige, die nackt am Steuer sitzt, sowie ihre beiden Töchter kommen ums Leben, als die psychisch verwirrte Falschfahrerin auf der A73 bei Bamberg in ein Auto prallt. Auch dessen Fahrer (25) und Beifahrer (54) sterben.

6. November 2011:

Auf der A96 rammt im Unterallgäu ein 82 Jahre alter Geisterfahrer frontal das Auto einer 49-Jährigen, die ebenfalls stirbt. 

5. November 2011:

Ein 48-Jähriger wendet nachts auf der A3 bei Idstein (Hessen). Danach rast er frontal gegen ein Auto, dessen 56 Jahre alter Fahrer stirbt. Der Falschfahrer flieht zu Fuß und stellt sich erst einen Tag später der Polizei. 

18. September 2011:

Ein 81-Jähriger baut als Geisterfahrer auf der A14 von Leipzig nach Dresden einen schweren Unfall, bei dem drei Menschen sterben.
    

Feldversuch: Schilder warnen vor Geisterfahrten

Erst gegen 8.00 Uhr, als die Morgensonne den wabernden Nebel durchdringt, wird den Feuerwehrmännern, den Helfern des Roten Kreuzes und den vier Notärzten das ganze Ausmaß des Unglückes bewusst. Die Leichen liegen auf etwa hundert Metern Strecke in einem dichten Teppich aus Fahrzeugteilen. Zwei Sachverständige und eine Gerichtsmedizinerin stehen darin und versuchen den Unfall zu rekonstruieren. Noch am Mittag sind nicht alle Opfer zweifelsfrei identifiziert. Ein Polizeihubschrauber versucht am Vormittag zweimal vergeblich Übersichtsaufnahmen aus der Luft zu machen. Erst gegen 13.00 Uhr lichtet sich der Nebel, und die Aufnahmen können gemacht werden.      Die A5 ist stundenlang komplett gesperrt. Auch die nicht betroffene Gegenfahrbahn ist abgeriegelt, um mögliche Gaffer zu vermeiden. Mit ernsten Gesichtern stehen die Polizeibeamten auf der Fahrbahn und stellen sich die Frage nach dem "Warum". Es kann sich keiner von ihnen an einen ähnlich schlimmen Unfall in der Gegend erinnern.

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