Hummer H3 mit Raupenantrieb

Hummer H3 mit Raupenantrieb Hummer H3 mit Raupenantrieb

Hummer H3 mit Raupenantrieb von Geiger

— 02.03.2010

Hummer à la Geiger

Winterschlaf am Nürburgring. Alles ruht, nur einer lässt es krachen: AUTO BILD-Autor Wolfgang Blaube im Raupen-Hummer bei einem etwas anderen Track-Test auf der Nordschleife.

Nun bin ich ja absolut kein Anhänger hipper Trendsportarten. Weil ich weder trendig noch sportlich bin. Vor allem aber zu konservativ für derart irre Ideen. Skysurfing zum Beispiel: Da werfen sich die Freaks – mit Fallschirm hintendrauf und Snowboard untendran – aus dem Flieger, um ein paar Steilkurven in die Atmosphäre zu fräsen. Es gibt Leute, die das genial finden. Ich finde es einfach nur gaga. Und jetzt? Jetzt finde ich mich in einer Lage wieder, die mich nötigt, meine Worte zu fressen. Die Nürburgring-Nordschleife: seit Wochen unbefahrbar, weil tief verschneit. Der Anruf von Karl Geiger aus München: Er habe gerade, jubelt der Tuning-Spezialist für US-Autos, einen Hummer zum Raupenfahrzeug umgebaut, damit könne man ja mal ...

Überblick: Alle News und Tests zu Hummer

Vier Raupen sorgen für eine Auflagefläche von 2,4 m². Zum Vergleich: Standardreifen müssen mit knapp 0,2 m² auskommen.

Ich addiere: Tiefschnee plus Nordschleife plus Gummischleifen statt Geländereifen – schon habe ich die neueste Trendsportart erfunden. "Nordic Schleifing". Bleibt zu prüfen, wie sie funktioniert. Und ob überhaupt. Ortstermin in der Eifel. So lange so viel Schnee, das gab es hier noch nie, erzählen mir ältere Eingeborene. Seit Neujahr döst die legendäre Piste friedlich unter der weißen Decke. Die gut einen halben, in Verwehungen sogar mehr als einen ganzen Meter dick aufträgt. Rock am Ring? Nicht im Februar 2010. Der Wachmann, aus dem Winterschlaf geholt und insofern nur mäßig gelaunt, schließt mir verständnislos das Tor zur Strecke auf.

Verkauf geplatzt: Hummer vor dem Aus

Ja nicht festfahren, knurrt er; der Bergetrupp hätte erstens Urlaub und zweitens sowieso kein Fahrzeug, das zu mir vordringen könnte. Ach ja, und Vorsicht am Abschnitt Breidscheid: Dort wird gerade eine Lärmschutzwand gebaut. Geht klar, Chef. Hohe Tempi sind eh nicht drin. Obenrum ist der Hummer H3 serienmäßig. V8-Benziner, 5,3 Liter und 305 PS, Vierstufenautomatik. Aber das, was er im Erdgeschoss bietet, ist reine Exotik. Statt Alus mit 265er-Reifen sind an den werkseitigen Radaufnahmen seltsame Gebilde montiert, die an das Geläuf von Planierraupen erinnern. Sie verhindern, dass der Baby-Hummer hilflos im Schnee radiert – sagt Geiger.

Das SUV hält, was er verspricht

Sein Raupen-Rambo hält eindrucksvoll Wort: Ein Gasstoß, schon verbeißen sich die Gummiketten im weichen Schnee, schlupffrei stürmt der stattliche SUV voran. Kein Wunder: Jede der vier Walzen liegt 40 Zentimeter breit und 1,50 Meter lang auf. Ergibt eine totale Angriffsfläche von 2,4 Quadratmetern. Dazu die Lamellen, die wie Baggerschaufeln am Firn zerren. Mal so gesagt: Gegen übliche Offroad-Reifen wirkt diese Extrembesohlung wie rustikale Wanderstiefel im Kontrast zu stöckeligen High Heels. Weniger herzhaft gibt sich die Lenkung. Mit wachsendem Speed verkommt der Einschlag am Steuer zur vagen Fahrtrichtungsempfehlung, der der Hummer lieber gar nicht erst folgt.

Manövrierfähig wie ein Motorboot

Gas weg – das fühlt sich schon eher nach Wunschkurve als nach ungestümem Schub über die Vorderfüße an. Unterm Strich lässt sich der Tiefschnee-Titan ähnlich manövrieren wie ein Snowmobil. Oder – für alle, denen dieser Vergleich mehr sagt – wie ein Motorboot. Nur ohne entsprechende Kurvenlage – noch. Die erwarte ich erst kurz nach Kilometer 13 ... Billig ist der Spaß, den Geiger in Deutschland und die Firma Track Systems (Österreich) europaweit für alle 4x4-Autos anbieten, natürlich nicht. Er startet bei 8300 Euro, der hier montierte Satz kostet rund 26.000 Euro. Straßenzulassung? Befindet sich in Vorbereitung.

Weiße Idylle statt Grüne Hölle

Die Nordschleife kenne Wolfgang Blaube im Schlaf - und doch ist heute alles anders.

Hatzenbach, Hocheichen, Flugplatz: Die Sektionen der sagenhaften Nordschleife kenne ich im Schlaf. Nur in rasanterer Abfolge – mehr als 65 km/h sind mit dem Kettenkämpfer nicht drin. Und mit mehr Verkehr – die sonst lärmende Grüne Hölle in himmlischem Weiß und endloser Stille, das schafft schon eine spezielle Stimmung. Von anderen Streckennutzern zeugen nur stumme Spuren. Quer vor mir: müsste Feldhase sein. Dort drüben: sieht nach Reh aus – oder Wildschwein? Pardon, Paarhufer sind mir halt weniger geläufig als Twinturbos. Aber die frischen Eindrücke im Abschnitt Fuchsröhre kenne ich genau: Langlaufski, geschuppter PVC-Belag, rund 80 Kilo Anpressdruck.

Raupen-Hummer in der Steilkurve

Metzgesfeld fliegt vorbei. Dann der verdatterte Langläufer. Kurz darauf Kallenhard, Wehrseifen. Und ein Tempo-30-Schild: Baustelle Breidscheid. "Achtung, Lärmschutzwand-Belastungstest", rufe ich den Arbeitern zu und lasse den V8 zornig aufbrüllen. Sie glotzen, als sei ein Ufo auf dem Lidl-Parkplatz gelandet. Kommt, Jungs, ist doch nur Spaß – irgendwer muss in diesem Wintermärchen schließlich den Fiesling spielen. Kilometer 13. Hier kommt es endlich, das Motorboot-Feeling: ab in die Steilkurve des berühmten Karussells. Tief rein, in der Schräge halten, mit Vollgas flach raus. Gelernt ist gelernt. Anders ist heute nur der Speed, die Asphalt-Farbe, die spritzenden Flocken – irgendwie alles.

Eine neue Spaßdimension

Nach dem Zieleinlauf hinter der Döttinger Höhe stoppe ich die innere Zeitnahme. Seit meinem Start vor 21 Kilometern ist eine runde Dreiviertelstunde vergangen. Eine neue persönliche Bestzeit ist das nicht. Aber eine neue Spaßdimension allemal. Danke, lieber Karl Geiger, für dieses unglaubliche Gefährt. Danke, liebe Nürburgring GmbH, für so viel Verständnis. Und bitte schön, liebe Trendsportler, für eine brandneue Idee. Nordic Schleifing – müsst ihr euch merken. Was denn, ihr wollt mehr? Okay, gebt mir ein Paar Einspur-Rollschuhe und eine vertikale Felswand – dann gebe ich euch das "Extreme Inline-Freeclimbing". Oder lasst euch einfach die Ski klauen und geht nur mit den Stöcken nach Hause. Ach, das gibt es schon? Heißt Nordic Walking? Ist ja echt voll megatrendy.

Autor: Wolfgang Blaube

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