Hybrid-Tour durch die USA (1. Tag)

Hybrid-Tour durch die USA (1)

— 18.03.2005

Von New York nach Cleveland

Aufbruch nach New Jersey. Mit Hindernissen. St. Patrick's Day in NY City. Mit Elektrokraft rollen wir durchs Gewusel aus Manhattan.

Lautloser Start in den Feiertags-Stau

Es ist frh, sehr frh, als Projektleiter Frank Franke zum Aufbruch drngt. Um 6.45 Uhr sitzt die Testmannschaft vollzhlig in den Autos und startet die Motoren. Die beiden US-Gefhrte tun das mit deutlich hrbarem V8-Gebrummel. Vllig ungewohnt dagegen der Lexus RX 400h. Er bleibt still, obwohl ich den Schlssel umdrehe. Erster Gedanke: Wegfahrsperre! Mu sie noch irgendwie deaktiviert werden? N, daran liegt es nicht, da der Lexus keinen Laut von sich gibt. Zweiter Gedanke: Starterbatterie alle! Aber auch das ist es nicht. "Er luft doch", gibt Toyota-Sprecher Peter Wandt Entwarnung. Mit einem triumphierenden Lcheln zeigt er auf das linke der drei Rundinstrumente. "Ready", steht dort, und ready heit fertig. Es kann losgehen.

Erste Erkenntnis: Einen RX 400h zu fahren ist anders; anders jedenfalls als bei normalen Autos. Beim Starten springt kein Verbrennungsmotor an, sondern die Schlsselumdrehung bringt nur die beiden E-Motoren in Bereitschaft. Ich drcke leicht aufs Gas. Fast vllig lautlos fhrt das silberne SUV an. Das Abrollgerusch der Reifen ist lauter als das vornehme Summen der E-Triebwerke. Toll: Die ersten Meter geht es nur mit Elektrokraft vorwrts. Dann stehen wir schon wieder. Die Ampel ist rot. Mit einem sprbaren Vibrieren springt pltzlich der Benzinmotor an. Fragende Blicke: Warum das, wenn wir stehen? "Mu er machen, um den Katalysator vorzuwrmen", erklrt Hybridspezialist Wandt. Er lchelt noch immer. Oder schon wieder? Egal, man sieht ihm die Freude ber den RX 400h an. Der Toyota-Mann ist von seinem Produkt begeistert und prophezeit dem Elektro-Benzin-Mischantrieb eine gute Zukunft, und das nicht weil er bei der japanischen Autofirma arbeitet, sondern weil Wandt ein berzeugungstter ist.

8.15 Uhr: Wir haben vielleicht drei Kilometer geschafft und sind immer noch mitten in Manhattan. Grund: Am heutigen 17. Mrz ist St. Patrick's Day und die New Yorker feiern den irischen Feiertag mit groen Tam-Tam. Darum besteht AUTO BILD-Fotograf Volker Corell auch darauf, unseren Testwagen mit einer Paradegruppe zu fotografieren. Was wie ein aussichtsloses Unterfangen anmutet, gelingt tatschlich. Bereitwillig scharen sich festlich gekleidete Polizisten und kostmierte Irland-Touristen um den Lexus und wnschen gute Fahrt. Anschlieend heit es bye bye New York, bye bye Stau, San Francisco wir kommen. Durch den Holland-Tunnel rollen wir nach New Jersey. Im Rckspiegel verschwindet die imposante Skyline des Big Apple.

USA, die Uniformed States of America

Doch bevor wir wirklich mit dem Meilenfressen beginnen, ist noch ein Tankstop ntig. Ganz wichtig: Akribisch wird der Meilenstand notiert und die Tanks aller drei Autos identisch gefllt. Weiter gehts und Amerika verndert schlagartig sein Gesicht. Statt Wolkenkratzern gibt's Wald, statt lautem Hupkonzert idyllische Holzhuser. Dazwischen immer wieder die obligatorischen McDonald's-, Burger-King- und Kentucky-Fried-Chicken-Filialen. Egal wo man ist, vieles sieht gleich aus. USA knnte auch fr "Uniformed States of America" stehen.

Schnell spulen wir 200 Meilen auf den Tacho. Die Tanknadel des Lexus lt das unbeeindruckt. Nur zgerlich wandert sie von links nach rechts und steht noch immer in der Nhe der F-Markierung, F wie "full". Ein erstes Indiz fr die Verbrauchsvorteile des Hybrid-SUV? Dabei kann er auf dieser Art Streckenprofil seine Vorzge nur teilweise ausspielen. Der Interstate 80 (I 80) schwingt mit der Landschaft leicht auf und ab, und unser Test-Trio gleitet mit 60 bis 80 Meilen pro Stunde (etwa 100 bis 130 km/h) konstant gen Westen. Ziemlich zgig fr US-Verhltnisse, meinen wir und werden eines Besseren belehrt. Wenn wir langsamer als 70 werden, donnern dicke Laster gnadenlos an uns vorbei und fordern volle Konzentration. Und das sind nicht nur ein oder zwei Wahnsinnige.

Nein, der zweispurige Highway ist proppevoll mit den typischen US-Trucks von Peterbilt, Mack, Whitestar, Kernworth und Freightliner. Kein Wunder: Die I 80 ist fr Amerika das, was fr Deutschland die A2 ist eine der wichtigsten Ost-West-Tangenten des Landes. Und in diesem Bereich verbindet sie die bevlkerungsreiche Ostkste mit den Industrieregionen rund um die Groen Seen. Erstaunlich wenige Pkw sind hier unterwegs. Nur vereinzelt verstecken sich einige Ford, Buick und Chevys in den Lcken der Brummi-Kolonne.

Stunde der Wahrheit an der Zapfsule

17 Uhr, der nchste Tankstop naht und die Spannung steigt. Eine BP, 50 Meilen vor Cleveland (Ohio), wird es an den Tag bringen: Wie sparsam ist der Wunder-Lexus wirklich? Als erstes rollt der GMC Yukon an die Zapfstelle. Sein Tageskilometerzhler zeigt exakt 328,3 Meilen an. Der Sprit luft und luft und luft ..., dann macht die Zapfpistole ihr metallisches Klick. 18,71 US-Gallonen hat er sich genehmigt, also 70,82 Liter fr 528,35 Kilometer. Peter Wandt zckt den Taschenrechner und verkndet erwartungsfroh: "13,41 Liter auf 100 Kilometer." Gar nicht mal so bel fr einen V8-Giganten. Als nchstes ist der Lincoln Navigator dran. Bei ihm stoppt die Zapfpistole bei 19,98 Gallonen. Umgerechnet ist sein Verbrauch noch einen Schluck schlechter: 13,61 Liter auf 100 Kilometer.

Und der Lexus? Bei ihm sprudelt der Sprit sprbar krzer in den Tank. Schon bei 13,5 Gallonen schaltet die Pistole ab. Rechenknstler Wandt ermittelt einen 100-Kilometer-Verbrauch von 9,7 Liter. Noch deutlicher wird der Unterschied an der Kasse. Whrend fr den Yukon 43 und fr den Navigator 46 Dollar fllig werden, kostet der Lexus-Sprit fr die gleiche Strecke 31 Dollar. Okay, die ganz groe Offenbarung ist das sicherlich nicht. Doch die Verbrauchsdifferenzen sind erheblich. "Und wenn wir wie bald in Chicago mehr durch de Stadt mssen, wird der Unterschied noch viel gravierender", ist sich Wandt sicher.

Ob gravierend oder nicht, so viel steht nach der ersten Etappe jetzt schon fest: Toyotas Hybridtechnik hat ihre Reize, vor allem technische, aber auch eine ordentliche Portion Fahrspa. Was den RX 400h so spannend macht, lesen Sie in der zweiten Folge des Hybrid-Tour-Tagebuchs.

Autor: Jrg Maltzan

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