Hybrid-Tour durch die USA (2. Tag)

Hybrid-Tour durch die USA (2)

— 19.03.2005

Von Cleveland nach Chicago

In Ohio finden wir den Gegenentwurf zu unserer technisierten Welt: Die "Amish people" in Berlin leben ohne elektrischen Strom.

Ein Abstecher nach Berlin, Ohio

Ohne Kaffee geht heute morgen nichts. Gestern wurde es spt. Obwohl die Testmannschaft erst gegen 23 Uhr ins Hotel eincheckte, wollte anschlieend keiner aufs Dinner im "Longhorn" verzichten, ein typisches US-Steakhaus. Yeah, schlielich sind wir hier im "Cattle-Country" dem Rinder-Land und das ist bekannt fr seine groen, saftigen Steaks.

Statt direkt auf der I 80 weiter nach Westen zu fahren, ist heute ein Abstecher nach Berlin geplant. Der Ort Berlin in Ohio ist eine von zwlf Stdten, die den gleichen Namen wie unsere Hauptstadt tragen und von deutschen Einwanderern gegrndet wurde. Unser Ziel hat noch eine andere Besonderheit: In und um Berlin, Ohio, leben besonders viele "Amish people". Diese Glaubensgemeinschaft stammt ursprnglich aus dem deutsch-schweizer Grenzgebiet und zeichnet sich durch eine besonders enthaltsame Lebensweise aus.

In ihren Husern gibt es keinen Strom, kein Fernsehen, kein Licht. Statt elektrischen Lampen leuchten Kerzen und Gaslaternen. Mnner tragen blaue Arbeitskluft, Hut und einen langen Bart, Frauen Stiefel, Rock und eine weie Haube im Haar. Urlaubsreisen sind genauso verpnt wie Konsum jeder Art. Autos natrlich auch. "Amish people" fahren Kutsche.

Sechs Kaltblter statt 200 PS

Ein groteskes Bild: Whrend rustikale Pick-Ups und glnzende Limousinen ber den Highway donnern, zuckeln schwarze Kutschen am rechten Straenrand entlang. Gezogen werden sie von einem Pferd und sind erstaunlich schnell unterwegs. Was auf den ersten Blick befremdlich wirkt, wird beim nheren Hinsehen doch sympathisch. Denn die Lebensweise dieser Leute ist kologisch und nachhaltig. "Darum pat der Lexus gut hierher", meint Projektleiter Frank Franke und organisiert einen Besuch auf einer Amish-Farm.

Dort sind die Bewohner weitgehend autark, leben von selbsterzeugten Milchprodukten und Viehwirtschaft. Gepflgt werden die Felder nicht mit Traktoren, sondern per Hand. Drei oder sechs Kaltblter ziehen wie vor 100 Jahren einen Pflug durch die Scholle. Was mit einem Ackerschlepper einen Tag dauert, braucht so viele Wochen. Mit nachdenklichen Gesichtern verlassen wir die puristische Farm und diskutieren lebhaft. In unser hektischen High-Tech-Welt wirkt der entschleunigte Alltag wie ein Alternativentwurf zum Glcklichsein.

Was fr ein Statement gegen die Globalisierung. Und was fr ein Kontrast zu unserem Auto mit Hybridantrieb. Trotz und gerade wegen seiner hochtechnisierten Komponenten appelliert auch der Lexus ans kologische Gewissen. Aber nicht nur das: Anders als der bereits seit Jahren erhltliche Toyota Prius, der in Deutschland den Status des teuren komobils inne hat, hilft der Lexus RX 400h nicht nur beim Spritsparen, sondern vermittelt auch berraschend viel Fahrspa.

Noch spannender als Gasgeben ist Bremsen

Mit welcher Vehemenz er jedesmal von der Ampel wegzieht, begeistert mich immer wieder. Vor allem die Art und Weise, wie die komplexe Hybridtechnik die Maximalleistung von 272 PS in Vortrieb umsetzt, ist erstaunlich. Aus dem Stand schiet der Lexus los, wie es sonst nur ein V8-SUV kann. Grund: Bei E-Motoren liegt das maximale Drehmoment schon im Stand an. Wenn alle drei RX-Maschinen mit anpacken, betrgt das Drehmomenthoch gewaltige 750 Newtonmeter. Bis Tempo 100 geht es tatschlich blitzschnell vorwrts. Dabei entwickelt der Hybrid-Lexus eine ungewhnliche Geruschmischung aus Summen und Surren der E-Motoren, das bei Vollags von einem typischen V6-Fauchen berlagert wird.

Der Benziner klingt kernig und angemessen fr ein Sport-SUV: "Knapp acht Sekunden von null auf 100 km/h", verspricht Peter Wandt fr die Serienversion. Bei hherem Tempo lt die Durchzugskraft subjektiv allerdings nach. 120, 140, 150,160 km/h wre es nicht verboten, ich wre gern auf dem Gas geblieben. Aber 130 statt 65 Meilen pro Stunde kann in der amerikanischen Provinz mit Knast bestraft werden. Also lassen wir das. Peter Wandt seufzt erleichtert. Da der RX 400h Spitze 200 km/h luft, glaube ich ihm gern.

Noch spannender als Gasgeben ist Bremsen. Denn mit jedem Tritt aufs linke Pedal speist der E-Motor Strom in die Antriebsbatterie, und das ist eine wichtige Kunst der Toyota-Hybridtechnik. Das System arbeitet regenerativ. Heit: Vortriebsenergie wird beim Bremsen und Bergabfahren nicht einfach vernichtet, sondern bis zu 90 Prozent recycelt. Ein Schaubild auf dem Monitor im Armaturentrger zeigt permanent, was gerade in den elektronischen Eingeweiden des Lexus passiert. Das Kraftfludiagramm ist derart spannend, da ich kaum den Blick davon lassen kann. Was alles zu erkennen ist und wie es von Chicago aus weitergeht , lesen Sie in Folge drei des Hybrid-Tour-Tagebuchs.

Autor: Jrg Maltzan

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