Hybrid-Tour durch die USA (3)

Lexus-Hybrid-Challenge durch die USA Lexus-Hybrid-Challenge durch die USA

Hybrid-Tour durch die USA (3)

— 20.03.2005

Von Chicago nach Des Moines

Die Nachricht des Tages: Der amerikanische Spritpreis erreicht neue Rekordhöhen. Kein Problem für unseren Hybrid-Lexus.

Der Lexus erzieht zu neuem Fahrstil

Die Nachricht des Tages steht heute morgen in "USA Today". Amerikas größte Tageszeitung berichtet auf der Titelseite, daß die Benzinpreise in den USA auf ein neues Rekordhoch geklettert sind. Das zeigt, wie aktuell unser Testmarathon mit dem Hybrid-Lexus ist. Bislang war hoher Benzinverbrauch bei der Kaufentscheidung der US-Neuwagenkunden kein wichtiges Thema. Doch mit Preisen permanent über zwei Dollar pro Gallone und dem überraschenden Erfolg des Toyota Prius (in vier Jahren wurden über 100.000 Exemplare verkauft), scheint sich diese ignorante Einstellung langsam zu ändern. Verrückt: "Preisschilder für Tankstellen mit der Ziffer zwei sind inzwischen sogar Mangelware. Die Hersteller der Plastikzahlen kommen mit der Produktion nicht nach", berichtet "USA Today" weiter.

Kein Wunder, denn die landesweite Durchschnittsnotierung liegt bei 2,055 Dollar die Gallone. Für die nächsten Wochen erwarten Experten einen Anstieg um weitere 20 Cent. In Kalifornien liegt der Gallonenpreis heute schon bei 2,24 Dollar. Im Vergleich mit Deutschland – eine Gallone würde bei uns aufgrund der hohen Steuern umgerechnet 5,83 Dollar kosten – ist das zwar immer noch sehr billig, doch das Interesse an Hybridantrieben wird in den USA immer größer. Und da könnte Toyota mit seinem Lexus RX 400h goldrichtig liegen.

Von Illinois fahren wir weiter nach Iowa. Die Landschaft rechts und links der I 80 wird schnell langweilig: Felder und Farmen. Darum ist heute ein guter Tag, um sich mit Technik und Eigenheiten des Hybrid-Modells zu befassen. Mit jedem Gasgeben und mit jedem Bremsen habe ich zwangsläufig den Benzinverbrauch im Kopf. Dieses Auto erzieht zu einem neuem Fahrstil. Verantwortlich dafür ist vor allem das bunte Kraftfluß-Diagramm auf dem Infomonitor im Cockpit. Dort wird angezeigt, was mit den drei Motoren, dem Generator und der Antriebsbatterie gerade passiert.

Bis zu 167 PS liefern die Elektromotoren

Bei normaler Gleitfahrt zeigt eine rote Linie den Kraftfluß aus dem V-Sechszylinder zur Frontachse, hin und wieder blinkt kurzzeitig eine gelbe Linie aus dem E-Motor-Symbol zu den Vorderrädern. "Dann fließen bis zu 123 Kilowatt (167 PS) aus dem E-Motor an die Vorderachse und unterstützen maßgeblich die Vortriebsarbeit", erklärt Toyota-Technikexperte Peter Wandt. Auf diese Weise läuft der Benziner fast immer im ökonomischen Betriebsbereich und spart Sprit.

Außerdem lädt das Ottotriebwerk den Nickel-Metall-Hydrid (NiMH)-Akku, der wiederum das E-Motoren-Duo mit Strom versorgt. Beim Anfahren und starkem Beschleunigen schießt eine gelbe Linie vom zweiten E-Motor (50 kW, 68 PS) an die Hinterachse und liefert zusätzliche Antriebskraft. Dagegen wird beim Bergabfahren und Bremsen Strom erzeugt und durch grüne Linien, die von den Achsen zur Batterie verlaufen, kenntlich gemacht.

Im Schiebbetrieb ist ein leichtes Surren zu hören, das sich beim Tritt auf Bremspedal noch verstärkt. Irgendwie hört es sich an wie bei einem Omnibus. Wandt: "Wenn es surrt, erzeugt der Generator Strom und lädt die Batterie." Der komplexe Motorenmix ist vorn über ein Planetenradgetriebe mit der Vorderachse verbunden. Hinten sitzt er direkt am Differential. Klingt kompliziert, ist es auch, funktioniert aber ausgezeichnet.

Fahrleistungen wie ein Achtzylinder-SUV

Der RX 400h unterscheidet sich im Fahrbetrieb kaum von einem normalen Auto. Nur das extrem leise Anfahren mit E-Motor verrät, daß hier eine besondere Technik am Werke ist. Und die verwöhnt auf Wunsch auch mit Fahrleistungen, die für einen Hybriden bislang nicht möglich waren. Bei schwerem Gasfuß ähnelt der Lexus einem Achtzylinder- oder kräftigem Diesel-SUV.

Wenn ich an der Ampel das rechte Pedal voll durchtrete, schießt der RX 400h nachdrücklich nach vorn. Wie bei einem starken Nur-Benziner setzt die Drehmoment-Spitze verzögert ein. Ab etwa 50 km/h geht es extrem kraftvoll nach vorn. Bravo: So wird die Hybridtechnik auch für Fahrspaß-Käufer interessant. Für Spritsparer und Umweltbewußte ist sie es ja schon.

Als wir das Tagesziel Des Moines, die Hauptstadt des Staates Iowa erreichen, wird es wieder spannend: Bei den heute errechneten Verbrauchswerten liegt der RX 400h erneut rund 30 Prozent besser als die beiden US-Modelle mit ihren durstigen V8-Motoren. Bei jedem unserer Tankstops wird es klarer: Detroit muß umdenken. Und das vielleicht schon bald: Bei den Herstellern für Spritpreis-Ziffern, so "USA Today", seien schon erste Bestellungen für die "3" eingegangen. Alles perfekt also am Lexus RX 400h? Von wegen. In einigen Details gibt es noch Entwicklungsbedarf. Wo und was, das lesen Sie im vierten Teil des Hybrid-Tour-Tagebuchs.

Autor: Jörg Maltzan

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