Hybrid-Tour durch die USA (7. Tag)

Hybrid-Tour durch die USA (7. Tag)

— 24.03.2005

Von Salt Lake City zur Hilton Ranch

Hinter uns versinkt Amerika im Wetterchaos, vor uns liegen mehr als 900 ungewisse Kilometer. Das Ziel: eine Farm im Nirgendwo, deutlich grer als das Saarland.

Ein fauchender Trumm aus Mlheim

Reden wir ber Kaffee. Kaffee trinken gehrt zum amerikanischen Leben wie Burger futtern und Cola sffeln. Die rosa-wei bekleideten Kellnerinnen, die in Pulp Fiction und anderen Streifen durchs Lokal streifen und kostenlos nachschenken, habe ich bislang nicht ausmachen knnen. Dafr jede Menge Maschinen und Apparaturen. Die bislang eindrucksvollste der Tour steht im Coffee Shop "Salt Lake Roasting Co". Ein fauchender Trumm von 1955, schwarz wie die Bohnen, die sie rstet, gebaut in Mlheim, Deutschland.

Bedient wird sie von Thorsten Mckel. Der 33jhrige lebt seit zehn Jahren in Salt Lake, der Liebe wegen. "Meine Frau kommt von hier", sagt er mit hessisch gefrbtem american Accent. Franzsische Rstung liegt heute morgen an. "Schwarz wie Kohle mu die sein", doziert Thorsten, der hauptberuftlich Videospiele programmiert und nebenbei fr die Roasting Company Bohnen brunt. Zwlf bis 13 Minuten braucht die "Ideal Rapid Gothot", um aus der blassen Frucht eine schwarze Delikatesse zu machen. 1,95 Dollar wird sie als Espresso kosten, 2,25 bis 2,80 Dollar als Cafe Latte. Der beste Schluck Kaffee, den ich seit dem Abflug in Hamburg getrunken habe. "Der beste seit dem Start in New York", meint Toyota-Mann Peter Wandt, "und das ausgerechnet bei den Mormonen."

Die Delikatesse in dieser und weiteren Rstereien der ehemaligen Olympia-Stadt lt die Mitglieder der Glaubensgemeinschaft nmlich kalt. "Mormonen drfen kein Koffein zu sich nehmen, sonst wandern die direkt in die Hlle", erklrt uns Thorsten. Das dann lieber nicht. Salt Lake ist schlielich ein durchaus schnes Fleckchen Erde. Schneebedeckte Gipfel rundherum, fantastische Restaurants an jeder Ecke, eindrucksvolle Bauten, groartige Ski-Bedingungen. Bld, da wir nur eine kurze Nacht hier waren. Da wre mehr drin gewesen als guter Kaffee.

Abenteuer-Spielplatz fr Erwachsene

Den nchsten Bohnen-Drink werden wir beim Tank-Stopp einwerfen. Womit wir bei der Kaffee-Automaten-Kultur Amerikas wren. "Robust" oder "Decaf" (koffeinfrei) sind die gngigen Geschmacksrichtungen, zum Selbstzapfen aus riesigen Bottichen. Milchdschen in allerlei Geschmacksvarianten stapeln sich in Stndern daneben, verschiedene Sorten Zucker und Zuckerersatz, Rhrhalme und Kaffeeweier, Styroporbecher in allen erdenklichen bergren. Das Ganze auf einer Flche, die in Deutschland in der Regel Zeitschriftenregalen vorbehalten ist. Wer will, kann sich eigene "french cream"-Varianten kreieren und in der Mikrowelle auf die gewnschte Temperatur bringen. Wird die cup of coffee zu hei oder gert die Mischung zu stark, hlt der gewiefte Amerikaner den Becher kurz unter die Eiswrfelmaschine. Dann pat das wieder.

Kaffee ist wichtig, wenn man quer durch die USA cruist. Das stoische Geradeausfahren ermdet, die kurzen Nchte sowieso. Heute sind wir um fnf Uhr raus. Fotos machen, sobald es hell wird, denn die heutige Etappe ist die lngste der ganzen Tour. Gut 930 Kilometer stehen auf dem Programm. Ziel ist die Hilton Ranch in der Wste Nevadas, wo wir am frhen Abend aufschlagen sollten, sonst wird es schwierig, das Refugium zu finden. "Der Weg dorthin ist nicht ganz einfach, erst recht nicht im Dunkeln, aber es lohnt sich", verspricht Tour-Organisator Frank Franke seit Tagen. "Das werdet ihr so schnell nicht vergessen."

"Den Hilton kenne ich schon seit 26 Jahren", verrt er beilufig. Die Fliegerei hat sie zusammengebracht. Beide fahren Ballon und sind Bewunderer historischer Flugzeuge. Hotel-Mogul Hilton (74) besitzt diverse Doppeldecker. Damit er die unkompliziert bewegen kann, gibt es unweit des Hauptgebudes eine Landebahn. Alle zwei Jahre ldt er internationale Segelflug-Champions zu sich ein. "Beim Hilton-Cup dabeizusein, davon trumt jeder Segelflieger", meint Prof. Martin Brner, unser Team-Arzt. Geld gbe es fr den Sieger zwar nicht, aber einen unvergelichen Aufenthalt auf dem grten Abenteuer-Spielplatz fr Erwachsene. Die Ranch ist 1,5 Mal so gro wie das Saarland. Und thermisch der Hammer.

Der Mix der Autos wird wieder bunter

Brner und Franke sind Grndungsmitglieder von "Luftfahrt ohne Genzen", ein gemeinntziger Verein, der weltweit Menschen in Not medizinisch untersttzt, zuletzt die Flutopfer in Banda Aceh. Prsident ist Ex-Astronaut Ulf Merbold, die grten Sponsoren sind der Airbus-Konzern EADS, der Frankfurter Flughafen und die Hilton Foundation. Rund 650 Kinder haben sie im vergangenen Jahr weltweit operieren lassen, meistens vor Ort. Auch uns untersttzt der gute Barron Hilton mit einem Nachtlager in seinen Wstengemchern. Morgen um 13 Uhr soll der Grovater von Jetset-Gre Paris hchst persnlich einschweben, in Begleitung von Milliardrs-Kollege (und Rekord-Sammler) Steve Fossett, so heit es. Hoffentlich spielt das Wetter mit: Hinter uns versinkt Amerika in Schnee und Unwetter.

In Utah und Nevada sieht es nicht viel besser aus: Regen scheint heute unser stndiger Begleiter zu sein. Die riesigen Salzlaken, die den Highway Richtung Westen sumen und Kulisse fast aller bislang aufgestellten Speed-Rekorde sind, gehen nahtlos ber ins Grau der Wolken, des Asphalts und der Gischt der Trucks. Deren Fahrer mchte ich hier mal ausdrcklich loben: Total relaxed reien die ihre Kilometer ab. Kein pltzliches Ausscheren, keine hektische Lichthuperei, kein dichtes Auffahren. Gemessen daran kommt mir der Kleinkrieg auf deutschen Straen noch schwachsinniger vor.

Fahren und fahren lassen, das ist das Motto. Je weiter wir den klassischen mittleren Westen hinter uns lassen, desto bunter wird der Mix auf den Straen (wieder). Jede Menge japanische Autos, kaum noch Mega-SUV, allerdings auffallend wenige deutsche Wagen, von ein paar VW Jetta (bei uns Bora) und einem alten Mercedes 200 D (W 123) in Salt Lake City mal abgesehen. Der war sogar wei. Das ist derzeit trendy in Amerika. So gesehen sind wir ganz schn hip mit unseren Eisbr-farbenen Begleitwagen. Auf zum Opa von Paris!

Autor: Ralf Bielefeldt

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