Hybrid-Tour durch die USA (8. Tag)

Lexus-Hybrid-Challenge durch die USA Lexus-Hybrid-Challenge durch die USA

Hybrid-Tour durch die USA (8. Tag)

— 25.03.2005

Von der Hilton Ranch nach Reno

Fluchende Cowboys, durchdrehende Räder und die Erkenntnis: Kleine Verwechslungen bringen richtig Würze ins Leben.

Er hatte es uns ja versprochen: "Diesen Tag werdet ihr so schnell nicht vergessen." Er selber wohl auch nicht, unser Frank Franke. Dabei fing alles so schön an: Sonnenaufgang bei den fetten Rindern und ihren süßen Kälbchen, fluchende Cowboys in action ("get the hell out of here!"), zauberhaftes Licht, perfekte Motive. Der Preis dafür: Aufstehen um halb fünf. Der Lohn: american breakfast vom Feinsten, knapp vier Stunden später. Im rustikalen Eßzimmer der Hilton Ranch nimmt das Verhängnis dann seinen Lauf: Nicht Rubys selbstgemachte Himbeermarmelade landet auf Franks Pfannkuchen, sondern Marias selbstkreierte Salsa. Vorausgegangen war die mißverständliche Bitte: "Reich mir mal das rote Zeug da." Fingerdick aufgetragen, kann einem das den Tag durchaus versauen.

Leichte Fehlgriffe, schwere Fehltritte

Ob es einen Zusammenhang gibt zwischen dem bedauerlichen Fehlgriff am Tisch und dem anschließenden Fehltritt am Berg, wissen wir nicht. Nur wie es dazu kam: Nach gezwiebeltem Rührei, gewürfelten Bratkartoffen, frischem Obstsalat und einer Extraportion Pfannkuchen ging es in die Berge, mit unserem Lexus RX 400h und dem von Ranch-Manager Ted geborgten GMC Suburban, der dicken Stollenreifen wegen. Ziel ist Bodie, die Vorzeige-Geisterstadt Nevadas. Der Weg entpuppt sich als üble Matschtunke. Mit einer tückischen Kule. Der vorausfahrende Suburban kommt mit Ach und Krach durch. Lexus-Fahrer Wandt winkt ab: "Käse. Durch geht vielleicht noch, weiter nicht." Also umdrehen. Nix mit Geisterstadt.

Frank Franke und Volker Corell, unsere Bildkünstler, fotografieren den GMC-Schlammtanz, am Steuer dirigiert Medizinmann Börner. Dann passiert es: Auf einem Hügelchen rutscht Franke aus. "Das war wie Schnee", staunt er noch Stunden später, "wie Schnee, so weich war die Erde." Die lehmverschmierte Hose – halb so wild. Das kurze Aufditschen des 300-Millimeter-Objektivs samt Kamera – Schwamm drüber. Nur das Knie, das spielt abends auf dem Weg nach Reno plötzlich verrückt. "So was gibt es, hat der Doktor gesagt." Hoffentlich ist es nichts Schlimmes. Noch sind wir schließlich nicht am Ziel.

Showtime – der Rancher schwebt ein

Daß wir es (technisch) unbeschadet erreichen werden, steht für alle Beteiligten außer Frage. Das Hybrid-SUV fährt souverän und klaglos. Mittags gönnen wir uns den kleinen Spaß eines Beschleunigungsrennens auf Hiltons Landebahn. Auf den ersten zwei Metern liegt der Yukon in Front, dann geht dem 5,4-Liter-V8-Trumm die Puste aus. Der Lincoln, ebenfalls mit acht Zylindern und rund 300 PS unterwegs, gewinnt auf den US-Konkurrenten deutlich Boden. Gleichwohl hat der Lexus am Ende des Runway gut eine halbe Pistenlänge Vorsprung, auf den Yukon sogar zwei Drittel. Die Kraft der drei Herzen. Oder Überlegenheit der Technik?

"Ich bin selbst ein bißchen erstaunt, wie souverän die Kombination aus Hybrid- und Allradtechnik arbeitet", sagt Peter Wandt. Vor allem der Auftritt bei den Fotoaufnahmen auf besagter Bodie-Piste hat den Toyota-Techniker überzeugt: "Ich habe zuhause einen 78er Landcruiser, mit rein mechanischem Allradantrieb. Der kann im Gelände echt 'ne Menge, wenn man alle Sperren einsetzt. Die hat der 400h gar nicht, kriegt das aber genauso gut hin." In Sekundenbruchteilen entscheidet die Software, wieviel Kraft auf welche Achse und auf welches Rad verteilt wird. Und woher die Antriebskraft stammt. Nur Benzinmotor, Benziner plus Elektromotor vorn, Benziner plus Elektromotor hinten – oder alle drei zusammen.

Kurz nach dem Rennen ist dann Showtime: Unser Gastgeber schwebt ein. Freunde und Personal versammeln sich neben der erstaunlich flächendeckend geflickten Landebahn. Dem Business-Flieger entsteigt ein recht kleiner Mann; weißes Haar, grauer Anzug, orangefarbene Krawatte, dicke Zigarre. Im Schlepp hat er zwei Mittvierzigjährige mit deutlich älteren Ehemännern. Großes "how are you", "glad to see you" und "nice to meet you". Der Amerikaner begrüßt Fremde bekanntlich wie seine besten Freunde. Das ist ein, zwei Tage lang amüsant, dann nervt es. Selbst wenn eine lebende Legende diese Attitüde pflegt.

Ordnung mag er, Gebimmel nicht

1958 hat Barron Hilton die Ranch gekauft. Anfangs gehörte sie ihm und einer Handvoll Freunde, war als Refugium für Männer-Wochenenden gedacht, fürs Fischen und Jagen und Fliegen. Inzwischen ist das gigantische Anwesen sein Privatvergnügen – und bei Zeiten wohl auch das seiner acht Kinder samt Nachwuchs: Eine Million acres (rund 405.000 Hektar) umfaßt Hiltons Privatreich. "Das entspricht in etwa der Größe von Rhode Island", erklärt Patrick Barry ("Pat"), Barrons PR-Mann. "Größer als das Saarland", rechnet Franke um. Oder gar "so groß wie Hessen"? Anyway, riesig jedenfalls. Und größtenteils geleast, für'n Appel und Kuhfladen, wie alle Ranches mit Rinderzucht.

Das Haupthaus und die darum verteilten Gäste-Bungalows sind penibelst aufgeräumt. "Er mag es sauber", verrät Pat. Sonst bringt man es als Hotelier wohl auch nicht weit. Der Rasen vorm Haus sieht aus wie gesaugt, der Teppich im Haus ist so weich und tief, daß man eher hindurch- als drübergeht. Technik mag er auch: Im Wohnzimmer läuft auf einer gigantischen Leinwand Tag und Nacht TV, alle Räume sind mit WLAN ausgestattet, Handys bleiben bewußt aus – kein Netz, kein lästiges Gebimmel. Das mag er nämlich nicht.

"Mein Freund Caroll meint, Lexus baut die besten Autos. Ich glaube ihm, er versteht was davon", sagt der Hotel-Fürst. Die Rede ist von Caroll Shelby, US-Autokonstrukteur und Vater der legendären Cobra. Hilton selbst steht eher auf deutsche Technik: In der Ranch-Garage parken unter anderem eine M-Klasse und ein VW Touareg V8. In Beverly Hills, wo der 74jährige die meiste Zeit des Jahres residiert, bevorzugt er derzeit Bentley Continental. "Ein tolles Auto, auch wenn es nicht besonders viel Platz bietet." Umsteigen auf die viertürige Variante Flying Spur will der Flug-Narr aber nicht: "Ich fahre lieber Zweisitzer. Die kommen besser bei den Mädchen an."

Autor: Ralf Bielefeldt

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