Hymer Van 314 im Wohnmobil-Test

Hymer Van 314 Hymer Van 314 Hymer Van 314

Hymer Van 314: Wohnmobil-Test

— 08.01.2016

Kürzer wohnen

Innen größer als außen: Das muss man erst mal hinkriegen. Dem Hymer Van 314 scheint das kleine Raumwunder zu gelingen.

Zu kurz springen, zu kurz kommen, zu kurz denken. Länge läuft im Leben eben doch. Und jetzt noch kurz wohnen? Ja, denn beim Campen kann's vielen Käufern nicht kompakt genug sein: Weil bei aller Landlust auch die Städte locken. Bei Hymer kennen sie den Trend und reagieren mit dem neuen Van 314. Der bringt auf 5,45 Metern ziemlich alles unter, was der Wohnmobilist zum Glück braucht. Die Oberschwaben sprechen blumig vom Zweitmobil, tatsächlich wird der Kompakt-Van aber auch manchen Kastenwagenkunden ins Grübeln bringen. Dann jedenfalls, wenn nicht mehr als zwei miteinander verreisen wollen.
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Gegen körperliche Nähe sollten Doppelbett-Schläfer nichts haben

Blick zum Panorama-Fenster: Die Luke ist mechanisch zu öffnen und kostet 1190 Euro.

Doch der Reihe nach, fangen wir im Wohnbereich an. Die viersitzige Dinette sieht schon mal nicht nach Millimeterfeilscherei aus. Allerdings steht die nicht verstellbare Sitzbanklehne steil wie die Eiger-Nordwand und verhindert so eine allzu lässige Haltung bei Tisch. Unter der Sitzfläche tut sich ein geräumiges Schubfach auf. Gegen Aufpreis kann dieser Bereich mit einem Zusatzpolster zum Bettchen fürs Enkelkind verwandelt werden, das nicht größer als 1,40 Meter sein sollte. Auch das Badezimmer ist komplett. Clou der Nasszelle: Das flache Kunststoff-Waschbecken ist klappbar und lässt senkrecht fixiert mehr Platz beim Duschen. Damit die Feuchtigkeit raus- und Licht reinkommt, gibt's serienmäßig eine kleine Dachluke. Die Kombüse gegenüber hält einen Zweiflammen-Gaskocher bereit, integriert in der Spüleneinheit, das reicht für die kleine Mahlzeit zwischendurch. Eins tiefer ist neben einer Schublade der Kühlschrank angeordnet, der in der Basis 65, gegen Aufpreis empfehlenswertere 85 Liter Stauvolumen offeriert. Und jetzt wird's doch noch knapp: Im Heck liegt das Quer-Doppelbett, über eine steile Leiter erreichbar und nur für Paare geignet, die sich auch körperlich noch nah sind. Denn: Die durchaus bequeme Matratze wird am Fußende – weil das Badezimmer eben wertvolle Zentimeter kostet – recht schmal. Und auch viel Kopffreiheit ist da oben nicht, denn unter dem Bett liegen der (recht kleine) Kleiderschrank und die große Heckgarage, die beidseitig beladen werden kann.

Enge Altstadtgassen sind für den 314 kein Problem

Handlich: Der Hymer Van 314 verhält sich beim Spurwechsel unproblematisch und gefällt mit seinem kleinen Wendekreis.

Wer sperriges Sportgerät verstauen möchte, wählt die optionale wie praktische Heckklappe – dann lässt sich extralanges Transportgut leicht mitnehmen, weil eine Tür unterm Bett das Durchladen bis in den Wohnraum ermöglicht. Weniger smart: Die beiden 11-Kilo-Gasflaschen müssen über die linke Seitenluke der Garage in ein separates Abteil gewuchtet werden. Auch gut erhaltene Bandscheiben würden sich über eine Außenklappe freuen. Und wo wir schon bei den weniger praktischen Seiten sind: Wer das Schmutzwasser ablassen will, muss sich zur Betätigung des Ablassventils breitbeinig wie Westernheld John Wayne in die rechte Heckgaragenluke beugen. Sonst holt er sich nasse Füße. Mehr Spaß macht natürlich das Fahren mit der neuen Kurzware. Weil sich der Van so handlich gibt. In engen Altstadtgassen, wo schon lange Kastenwagen kämpfen müssen, zirkelt der 314 mit seinem kleinen Wendekreis lässig auch in engste Kehren. Dabei ist der Aufbau mustergültig leise, und die Windgeräusche halten sich selbst bei höheren Geschwindigkeiten in Grenzen. Die Verarbeitung ist markengerecht solide, Klappen und Auszüge der Schubladen machen einen durablen Eindruck. Weniger gut: Die Beifahrer- und die Wohnraumtür des Aufbaus können aneinandergeraten, weil sie sich geöffnet überlappen. Hier sind im Alltag Lackschäden programmiert.

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Die Aufpreisliste kann für schlechte Laune sorgen

Der Testwagen kam mit dem optionalen 130-PS-Motor, den wir gern empfehlen. Er hat es nicht schwer mit dem Van, aber der Aufpreis gegenüber der 115-PS-Basis mit Fünf- statt Sechsganggetriebe tut sparsamen Menschen weh: 2680 Euro! Überhaupt, die teilweise robust kalkulierten Aufpreise: Ein hölzerner Lattenrost in der Duschwanne kostet 145 Euro, das Fenster in der Eingangstür mit Verdunkelungsrollo liegt bei 195 Euro, ein passendes Fliegenschutznetz kostet nochmals 370 Euro. Aber eine bei Wohnmobilen beliebte Anhängekupplung – beispielsweise für Fahrradträger – findet sich gar nicht in der Werks-Aufpreisliste. Sie muss offensichtlich nachträglich im Zubehör gekauft und montiert werden. Dennoch: Der Hymer-Van bleibt ein reizvolles Wohnmobil für Solisten oder zwei Verliebte. Solche, die nicht vergessen haben, dass Platz in der kleinsten Hütte ist.
Fahrzeugdaten: Hymer Van 314
Motorisierung Fiat Ducato Mjet II 2.3
Motor/Bauart/Zylinder/Einbaulage Vierzylinder, Reihe, vorn quer
Hubraum 2287 cm
kW (PS) bei U/min 96 (130)/3600
Nm bei U/min 350/1500–2700
Höchstgeschwindigkeit 142 km/h
Getriebe Sechsgang manuell
Antrieb Vorderrad
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 215/70 R 15
Reifentyp Michelin Agilis Camping
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 90 l/Diesel
Anhängelast gebremst/ungebremst 2000/1650 kg
Länge/Breite/Höhe 5450/2220/2770 mm
Radstand 3150 mm
Außenmaterial Wand/Heck/Dach/Boden Alublech/GFK/Alublech/GFK
Isoliermaterial Wand/Heck/Dach/Boden Pual/Styrofoam
Wandstärke Wand/Heck/Dach/Boden 35/35/35/41mm
Fenster 5
Dachhauben 4
Max. Innenhöhe/Innenbreite 1980/2050mm
Bettenmaß Front (L x B)
Bettenmaß Mitte (L x B) 1400 x 720 mm (Option)
Bettenmaß Heck (L x B) 2000x 1450/1300mm
Herd 2Flammen
Kühlschrank/Frosterfach 85 l
Modell Toilette Thetford Kassette
Sitzplätze/ mit Dreipunktgurten 2+2
Heizung Truma Combi 4
Steckdosen 12/230 V 3/5
Leuchten 8
Aufbaubatterie 95Ah
Frischwassertank 130l
Abwassertank 90l
Gasvorrat 2x11kg


Autor:

Stefan Diehl

Fazit

Machen wir's kurz! Hymer ist ein kleines Kunststück gelungen: Der 314 bietet alles, was das Mobilisten-Herz begehrt. Für zwei, die sich gern haben, ist der Van eine interessante Alternative zum Kastenwagen. Was uns fehlt? Eine Außenklappe fürs Gasflaschen-Fach.

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