Nissan Micra gegen Hyundai i10

Hyundai i10/Nissan Micra: Test

— 11.03.2014

Nissan Micra nur noch mickrig

Altmeister gegen Emporkömmling, Routine gegen Courage, Japan gegen Korea: An Spannung mangelt es nicht beim Treffen zwischen Nissan Micra und Hyundai i10.

Er war mal eine richtig große Nummer. Ein Frauentyp, knuffig, süß, charmant. Und ein ernst zu nehmender Gegner für den VW Polo. So war das damals, als die zweite Generation des Nissan Micra unsere Straßen bevölkerte. Vorbei. Jetzt, in der vierten Auflage, möchte er ein Weltauto sein. Also eines, das zwischen Thailand und Mexiko gefallen soll. Man könnte sagen, brav und unauffällig geformt. Oder auch blass und nichtssagend.

In Sachen Design gehen i10 und Micra unterscheidliche Wege

Video: Hyundai i10 vs. Nissan Micra

Micra nur noch mickrig

Ganz anders verlief die Entwicklung im Fall des Hyundai i10. Dort begann es 1998 mit dem Atos, einer unansehnlichen, kastenförmigen Konstruktion, die ihre Fortsetzung im unbeholfenen Atos Prime fand. Auch das vorbei. Und am Endpunkt steht jetzt der i10. Ein erfreulicher Anblick, der das aktuelle Hyundai-Design trägt: schwungvoll, fröhlich und ein bisschen verspielt. Innen genauso: farbenfrohes Cockpit, ordentliche Kunststoffe, solide Verarbeitung. Nach Kleinstwagen sieht das Ganze wirklich nicht aus, sondern vor allem nach guter Laune. Dazu verfügt der i10 vorn über deutlich mehr Platz als der Micra und die komfortableren Sitze. Die sind groß, gut ausgeformt und relativ stramm gepolstert. Nissan hat sich bei der Inneneinrichtung sicht- und spürbar weniger Mühe gegeben. Die freudlosen Kunststoffe, das angejahrte Design und die nachlässige Verarbeitung fallen gerade im direkten Vergleich mit dem Koreaner auf. Die Sitze sind für Europäer zu klein, besitzen kaum Kontur und sind zu schwammig gepolstert.

Einen vierten Zylinder vermisst man in beiden Autos nicht

80 PS aus einem 1,2 Liter großen Dreizylinder machen den Micra zum Sieger in Sachen Beschleunigung.

Im Fond bietet der Micra dann zwar einen Hauch mehr Platz als der i10 – zum Beispiel etwas mehr Raum für die Beine – aber auch hier stören die schwammigeren Sitze. Ungemütlich. Zu viel Platz sollte in beiden Autos übrigens niemand erwarten, wir reden hier über Kleinstwagen, für Erwachsene wird es in den Fonds doch ziemlich eng. Angetrieben werden Nissan und Hyundai von Dreizylinder-Motoren. Im Nissan werkelt ein 1,2-Liter mit 80 PS und macht seine Sache ganz gut. Er läuft mit dem leicht heiseren, typischen Dreizylinder-Knurren, hängt lebhaft am Gas und fährt dem Hyundai beim Sprint ziemlich deutlich davon. Einen vierten Topf wird hier niemand vermissen. Auch der Einliter mit 67 PS im i10 knurrt heiser bis freundlich und bleibt, abgesehen von ganz hohen Touren, bemerkenswert leise. Er dreht freudig und lebendig, wirkt aber etwas aufgeregter als der Nissan: Klar, Hubraum, Leistung und Drehmoment sind kleiner.

Abgestimmt ist der Hyundai mit klarer Ausrichtung auf den Komfort. Er federt erstaunlich ruhig und harmonisch, nimmt nur Querfugen leicht poltrig. Die Servolenkung liefert etwas zu wenig Rückmeldung, bleibt ansonsten aber ebenso unauffällig wie die leichtgängige Schaltung. So entpuppt sich der i10 als sehr langstreckentauglich – und das wiederum ist erstaunlich für ein Auto dieser Größe.

Auch preislich fährt der i10 deutlich vorweg

Besser ausgestattet, fünf Jahre Garantie und billiger: An der Kasse schlägt der i10 den Micra deutlich.

Verglichen damit hat der Micra hier deutlich das Nachsehen. Er fährt sich durchaus flink und wendig, aber angefangen bei der holzigen – gefühlt 20 Jahre alten – Lenkung über die kratzige Schaltung bis zur unruhigen Federung vermissen wir hier genau das, was eigentlich den Koreanern bisher fehlte: Feinschliff. Erstaunlich auch, dass der Micra als Acenta stolze 14.350 Euro kostet, aber gleichzeitig ziemlich sparsam ausgestattet ist. Der Hyundai kommt mit 12.480 Euro nicht nur viel günstiger, er hat auch die komplettere Ausstattung. Und nicht zu vergessen fünf Jahre Garantie. Wie gesagt, der Nissan war mal eine große Nummer. Damals.
Fahrzeugdaten Hyundai Nissan
Motor Dreizylinder, vorn quer Dreizylinder, vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb Kette Kette
Hubraum 998 cm³ 1198 cm³
kW (PS) bei 1/min 49 (67)/5500 59 (80)/6000
Nm bei 1/min 95/3500 110/4000
Vmax 155 km/h 170 km/h
Getriebe Fünfgang manuell Fünfgang manuell
Antrieb Vorderradantrieb Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Trommel
Testwagenbereifung 175/65 R 14 T 185/55 R 16 V
Reifentyp Continental EcoContact 5 Continental PremiumContact 2
Radgröße 5,5 x 14'' 6 x 16''
Abgas CO2 108 g/km 115 g/km
Verbrauch* 6,0/4,0/4,7 l 6,1/4,3/5,0 l
Tankinhalt 40 l/Super 41 l/Super
Kältemittel R1234yf R134a
Vorbeifahrgeräusch 71 dB (A) 68 dB (A)
Anhängelast gebr./ungebr. keine keine
Kofferraumvolumen 252–1046 l 265–1132 l
Länge/Breite/Höhe 3665/1660–1970**/1500 mm 3825/1665–1865**/1525 mm
Testwagenpreis 12.480 Euro 14.350 Euro
* innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km; ** Breite mit Außenspiegeln
Messwerte Hyundai Nissan
Beschleunigung
0–50 km/h 4,3 s 3,7 s
0–100 km/h 14,7 s 12,4 s
0–130 km/h 29,6 s 21,8 s
Elastizität
60–100 km/h 15,0 s (4. Gang) 14,4 s (4. Gang)
80–120 km/h 25,6 s (5. Gang) 24,8 s (5. Gang)
Leergewicht/Zuladung 987/433 kg 1007/418 kg
Gewichtsverteilung v./h. 60/40 % 59/41 %
Wendekreis links/rechts 10,2/10,2 m 10,2/9,8 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 37,4 m 37,2 m
aus 100 km/h warm 36,5 m 36,0 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 59 dB (A) 61 dB (A)
bei 100 km/h 67 dB (A) 70 dB (A)
bei 130 km/h 73 dB (A) 76 dB (A)
Testverbrauch – CO2 6,2 l S – 147 g/km 6,8 l S – 161 g/km
Reichweite 645 km 600 km
Dirk Branke

Dirk Branke

Fazit

Entscheidungen können manchmal ganz einfach sein. Wie in diesem Fall: Hyundai i10 heißt unser Sieger. Nur im AntriebsKapitel muss er sich knapp geschlagen geben. Kein Wunder: 67 Hyundai-PS kommen nur schwer gegen die 80 PS des Nissan an. Ansonsten spricht alles für den Koreaner. Der i10 ist außen kleiner als der Micra, innen aber nicht. Er bietet mehr Komfort, hat das bessere Fahrwerk, die angenehmere Lenkung, kostet weniger und fährt billiger. Wie gesagt: Manchmal können Entscheidungen ganz einfach sein.

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