Hyundai i30/VW Golf: Test

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Hyundai i30/VW Golf: Vergleich

— 15.11.2011

Wer baut den besseren Golf?

Nach nur vier Jahren schickt Hyundai einen komplett neuen i30 ins Rennen. Bei der ersten Ausfahrt trifft der kompakte Koreaner auf den Wolfsburger Bestseller VW Golf.

Natürlich funktioniert diese Geschichte auch ohne das IAA-Filmchen. Doch erst mit dem YouTube-Streifen erreicht sie eine Brisanz, die keiner hätte besser inszenieren können. Wenn's ums Detail geht, kann Martin Winterkorn von geradezu erschütternder Penetranz sein. Und dass sich der VW-Lenker für seine unfreiwillige Filmkarriere ausgerechnet den Hyundai i30 auserwählt hat, ist alles – nur eben kein Zufall. Hyundai, der Koreaner, der Emporkömmling, der so ein unglaubliches Tempo vorlegt, der gefühlt im Wochentakt neue Produkte präsentiert und noch lange nicht satt ist, liegt den Wolfsburgern wie eine späte üppige Mahlzeit schwer im Magen. Ob der neue i30 den VW-Oberen zu Recht schlaflose Nächte bereitet, haben wir bei der ersten gemeinsamen Ausfahrt mit dem Golf überprüft.

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Optisch vorne: Die coupéhafte Linie des i30 wirkt dynamischer als beim Golf.

Nach nur vier Jahren degradieren die Koreaner also ihren Kompaktstar schon zum Altmetall. Keineswegs wegen Misserfolgs. Gerade hat der Korea-Golf mit europaweit über 115.000 Verkäufen 2011 sein stärkstes Jahr hingelegt, muss er auch schon einem komplett neuen Blechkameraden weichen. Modell-Konstanz sieht anders aus. Besitzer aktueller i30 fahren auf einmal einen Youngtimer. Die Dynamik Hyundais überholt Kunden und Handel gleichermaßen. Ab März wird der Novize aus dem tschechischen Werk Nošovice auf unsere Straßen rollen. Technisch sowie optisch stark am i40 orientiert – und deutlich gewachsen. Mit 4,30 Metern streckt er sich um zehn Zentimeter länger als ein Golf, der Radstand legt auf 2,65 Meter zu, 7,2 Zentimeter mehr als beim Wolfsburger. Bei nahezu gleichbleibender Höhe tendiert das Design allerdings eher in Richtung Opel Astra. Die coupéhafte Linie wirkt dynamischer als beim Golf. Der Klassiker wiederum unterwirft seine optische Souveränität keinem modischen Diktat, sondern bleibt seiner – wenn auch konservativen – Linie treu. Mögen viele diese Konstanz mit Langeweile gleichsetzen, die Design-Politik der ruhigen Hand hat gleichwohl praktische Vorteile. Hinten im Golf sitzen selbst größere Passagiere aufrecht und ohne Angst vor einem Dachschaden.

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Ganz neue Qualität: Die Fortschritte bei Material und Verarbeitung sind beachtlich.

Der Hyundai bietet gefühlt mehr Beinfreiheit, doch der Himmel kommt einem hier schon deutlich näher, vor allem, wenn wie im Testwagen ein riesiges Panoramadach den Innenraum mit Licht durchflutet. Was das gläserne Firmament dort erhellt, sind ungeahnte Lichtblicke. Zumindest für ein Auto made in Korea. Folgten die Asiaten bislang eher der preiswerten Lehre des Pragmatismus, zeigt der neue i30 plötzlich eine geradezu verschwenderische Lust am Luxus. Hyundai hat ins Wohlfühlen investiert und einen Feinschliff in Funktion und Form erreicht, der fast schon beängstigend ist – zumindest was Qualität und Tempo angeht. Da sind Steppnähte plötzlich doppelt gestickt, Pedale mit Metall beschlagen, Leder riecht nach Leder und sieht auch so aus, Tasten wie Regler fühlen sich nicht mehr an, als seien sie gerade aus dem Überraschungsei geschlüpft. Chefdesigner Thomas Bürkle, ein Ex-BMW-Mann, verrät, dass es sein Ziel war, einen Schuss Noblesse und Anmutung der Bayern-Marke in den i30 zu bekommen. Nun ja, da ist sicherlich noch der Wunsch Vater des Gedankens. Aber tatsächlich fühlt sich der i30 schon wieder ein Stück reifer an als der eben gerade erst vorgestellte i40. Ja, wo wollen die denn noch hin.

Zudem zieht jede Menge aktuelle Technik in den i30. Vom Spurhalteassistenten über Start-Stopp-System bis zur Rückfahrkamera, die elegant aus dem hinteren Emblem klappt. Den Beweis der Langlebigkeit allerdings muss Hyundai trotz Fünfjahresgarantie erst noch antreten. Im Gegensatz zum Volkswagen, der mit dem Selbstbewusstsein des ewigen Tabellenführers im Innenraum eine unantastbare Souveränität ausstrahlt – und meint, auch weiterhin mit nur zwei Jahren Garantie das Volk auf seiner Seite zu haben. Zu sicher sollten sie sich nicht sein, die Herren in der Trutzburg des Wolfs. Denn im direkten Vergleich wirkt das Layout des Bestsellers doch ein wenig streng, sehr deutsch, strahlt viel Klasse, aber wenig Frische aus.

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Besser abgestimmt: Beim Fahrwerk zeigt der Golf etwas mehr Finesse als der i30.

Der i30 hingegen drängt sich mit dem jugendlichen Elan des frechen Angreifers auf die Einkaufszettel der Wechselwilligen. Ein seriöser Abgleich der beiden Protagonisten nach Punkten verbietet sich zum jetzigen Zeitpunkt. Noch im Stadium des Prototyps lässt unser Testwagen höchstens sein Potenzial erahnen. Der Komfort ist ordentlich, erreicht allerdings noch nicht die Finesse des Golf. Die elektrohydraulische Lenkung führt aufmerksam auf allen Wegen, die Sechsgangschaltung hakelt noch bei schnellen Gangwechseln. Keinesfalls wie ein Provisorium fühlt sich der Motor an. Dieser neue 128-PS-Diesel mag vielleicht kein temperamentvoller Draufgänger sein, aber gute Manieren hat er. Leise ist er, laufruhig, und er brummt nicht so kernig wie der 105 PS starke TDI im Golf. Beide beanspruchen für sich, die 100-Gramm-CO2-Grenze zu knacken, was Verbrauchswerte um vier Liter bedeuten würde.

Beim Geld hört die Harmonie wieder auf. Hyundai will sich zwar nicht mehr als Billigheimer verstanden wissen, preislich aber stets rund zehn Prozent unter der Konkurrenz bleiben. So wagen wir am Ende die Prognose, dass dieser i30 in Christbaum-Ausstattung knapp 20.000 Euro kosten dürfte. Nicht wenig für einen Koreaner, nicht zu viel für einen Golf-Jäger, den keiner mehr unterschätzen sollte. Martin Winterkorn weiß das nicht erst seit der IAA.
Tomas Hirschberger

Tomas Hirschberger

Fazit

Was der Hyundai i30 wirklich kann, liegt noch im Nebel. Der Prototyp deutet aber bereits an, wie schnell die Koreaner gelernt haben. Ob es bereits reicht, den Golf zu schlagen – das glaube ich nicht. Der ruht in seiner Souveränität. Aufpassen aber müssen ganz andere. Was früher die Japaner waren, ist heute Hyundai. Unglaublich lernfähig, schnell in der Umsetzung, zielgerichtet. Das merken heute schon die Franzosen und die Italiener. Aber auch Opel und Ford müssen sich vor diesem Korea-Golf in Acht nehmen. Sie sind es, die massiv um ihre Kunden kämpfen müssen. Nicht so sehr VW.

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