Hyundai Matrix: Gebrauchtwagentest

Hyundai Matrix Hyundai Matrix

Hyundai Matrix: Gebrauchtwagentest

— 25.11.2009

Designerware von der Stange

Hollywoods Schuh-Guru entwirft Pumps für H&M, Star-Designer Pininfarina den Hyundai Matrix. Ist das eine Qualitäts-Garantie oder doch nur stylisch verpackte Normalo-Technik?

Hat Ihre Frau neulich auch die Nerven verloren? Samstagmorgen, es nieselt, es ist kalt, vor H&M tobt der größte Zickenkrieg der Stadt. Hunderte Frauen wollen Pumps von Jimmy Choo, für 99 Euro. Klappergestelle aus den Klatschspalten wie Victoria Beckham tragen so was. Nun auch Ihre Frau? Schicke Designerware von der Stange. H&M kennt sich damit aus. Schon Karl Lagerfeld und Roberto Cavalli entwarfen Kollektionen, die der schwedische Moderiese zum Dumping-Preis verkauft hat. So was gibt’s auch im Autobau. Glauben Sie nicht? Nehmen wir mal Pininfarina. Die italienische Designschmiede hat Herz-Schmerz-Autos wie den Ferrari 612 Scaglietti entworfen oder den Maserati Quattroporte. Und auch – jetzt kommt’s – den Hyundai Matrix.
Technische Daten Hyundai Matrix
Motor Vierzylinder/vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2
Hubraum 1599 ccm
kW (PS) bei U/min 76 (103)/5800
Nm bei U/min 141/4500
Höchstgeschwindigkeit 170 km/h
0-100 km/h 12,1 s
Abgasnorm Euro 4
Getriebe/Antrieb Fünfgang manuell/Vorderrad
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 55 l/Normal
Kofferrauminhalt 354-1284 l
Leergewicht/Zuladung 1330/470 kg

Gewöhnungsbedürftig: Armaturentafel mit Kombiinstrument in Wagenmitte.

Matrix? Genau, das ist der kleine rote Kerl, der da vor H&M parkt, direkt neben dem stylishen Jimmy-Choo-Schuh. Wir müssen Ihnen den Wagen so zeigen, denn nur so sehen Sie die unverwechselbare Linie des Koreaners. Pininfarina muss das Modellauto im Studio mit der Laubsäge bearbeitet haben, auf jeden Fall erinnert der Matrix mit der tiefen Einkerbung zwischen A- und C-Säule irgendwie an eine Badewanne. Da können Sie sagen, was Sie wollen. Von 2001 bis 2008 haben die Koreaner den Matrix so gebaut. Dann, im März letzten Jahres, kam der Nachfolger. Dunkle Folie kaschiert die Stufe in der Seitenfensterlinie. Pininfarina steht nicht mehr drauf. Was der Matrix nach einigen Jahren so taugt? Auf jeden Fall ist er günstig, schon für weniger als 3000 Euro gibt’s den kleinen Familienvan. Er spielt in der Opel-Mariva-Liga, in der die Autos vier Meter kurz sind, um die 100 PS haben und eine verschiebbare Rückbank für mehr Flexibilität. Bleibt zu klären, ob der Hyundai auch so gut ist wie der Opel.
Kosten für die empfohlene Motorvariante 1.6 (103 PS)
Unterhaltskosten
Testverbrauch-CO2 8,8l N/100 km-204 g/km
Inspektion 120 bis 350 Euro
Haftpflicht (17)* 558 Euro
Teilkasko (16)* 72 Euro
Vollkasko (17)* 543 Euro
Kfz-Steuer (Euro 4) 108 Euro
*Onlinetarif der HUK24-Versicherung, Zulassung in Hamburg, Fahrer: Versicherungsnehmer und Partner (25 Jahre alt), jährliche Fahrleistung 15.000 km, Beitragssatz 100 Prozent für die empfohlene Motorvariante 1.6 (103 PS)
Ersatzteilpreise**
Lichtmaschine 460 Euro
Anlasser 480 Euro
Wasserpumpe 315 Euro
Zahnriemen 320 Euro
Endschalldämpfer 265 Euro
Kotflügel vorn, lackiert 690 Euro
Bremsscheiben und -klötze vorn 310 Euro
**inklusive Lohnkosten und 19 Prozent Umsatzsteuer

Die Probefahrt von AUTO BILD

Dauerläufer: Der 1.6er hält – aber auf Zahnriemen achten.

Unser Testwagen: Er ist rot und glänzt wie eine Speckschwarte: Den Matrix 1.6 GLS aus Baujahr 2003 finden wir im Autopark Hamburg. 106.000 km stehen auf der Uhr, die Service-Intervalle wurden eingehalten, als Extra hat sich der Erstbesitzer das Klimapaket inklusive Fernbedienung für die Zentralverriegelung gegönnt. Winterreifen auf Stahlrädern, Sommerreifen auf Alu und ein Navi sind im Preis von 4950 Euro enthalten. Unser Fahreindruck: Erst mal das Sitz-System ausprobieren. Die Rückbank lässt sich um knapp 20 Zentimeter verschieben – falls Mama im Kofferraum mal etwas mehr Platz braucht. Klappt man die Sitze komplett nach vorn, schluckt der Hyundai zwei Kinderfahrräder. In Sachen Materialanmutung ist er ein Vertreter der 80er-Jahre: viel unansehnliches Hartplastik. Dafür fährt er nach sechs Jahren immer noch ordentlich, federt komfortabel. Leider ist die Schaltung hakelig, das war sie aber schon 2003, und auch damals konnte man die 103 PS nicht wirklich spüren. Egal: Als kleiner Familientransporter kann der 4,03 Meter lange Koreaner Großes bewegen. Eine interessante Alternative zum Opel Meriva. Der Vertreter aus Fernost ist ein unterschätzter Minivan.

Das macht Ärger

Die Bremsen: Beim TÜV schlägt sich der Matrix eigentlich recht wacker. Aber viele Exemplare haben ein und dieselbe Schwachstelle: korrodierte Bremsleitungen. Spätestens bei der dritten Hauptuntersuchung, dann ist der Matrix sieben Jahre alt, macht sich hier die braune Pest breit. Und dann lässt auch die Wirkung der Fußbremse zu wünschen übrig. Und noch mal Rost: Viele der verbauten Schrauben und Blechteile machen keinen guten Eindruck, in einigen Blechfalzen macht sich erster Flugrost breit. Nicht dramatisch – aber auch nicht schön. Erhöhte Aufmerksamkeit gilt auch den Antriebswellen, die verschleißen relativ schnell. Zu großes Lenkungsspiel ist ein anderes Problem beim TÜV-Termin. Im AUTO BILD-Kummerkasten sind zudem Schäden am Verdichter der Klimaanlage verzeichnet. So richtig Ärger machen beim Matrix aber die Diesel. Vor allem in der Anfangszeit gab es Motorschäden wegen versagender Hochdruckpumpen oder undichter Einspritzpumpen. Ein Preisbeispiel: Ist die Hochdruckpumpe defekt, kostet der Ersatz etwa 750 Euro.
Andreas May

Andreas May

Fazit

Das Design des Matrix gefällt nicht jedem, sorry, Herr Pininfarina. Aber der kleine Koreaner ist ein brauchbarer Minivan inklusive verschiebbarer Rückbank, zahlloser Ablagen, guter Rundumsicht. Und der Preis stimmt. Wer 5000 Euro hat und dafür ganz viel Auto will, fährt mit dem Matrix gut, Design hin oder her.

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