Der Pikes Peak Renner von VW

VW Pikes Peak I.D. R: Technische Details

I.D. R Pikes Peak: VW stellt Rekord auf

Erfolgreiches Himmelfahrtskommando

Offiziell wollte VW "nur" den E-Rekord knacken. Inoffiziell hoffte man aber auf einen Gesamtrekord beim Traditionsrennen am Pikes Peak.

Jubel bei Romain Dumas über den neuen Rekord beim Traditionsrennen am Pikes Peak.

Auf der französischen Rennstrecke in Alés traf Romain Dumas (40) Ende April zum ersten Mal seinen gerade erst fertiggestellten Rennwagen, den I.D R Pikes Peak. Mit dem Elektrosportler sollte er beim Traditionsrennen am Pikes Peak in Colorado Springs (USA) den bestehenden Rekord für E-Fahrzeuge knacken. "Mr. 100.000 PS" stapfte etwas unbeholfen um das 5,20-Meter-Auto herum, klopfte mal hier, schaute mal da – fehlte nur noch, dass er gegen einen Reifen trat, um den Luftdruck zu prüfen.
Show ist eben nicht sein Ding, schnelles Fahren dagegen schon: Der Mann hat mal eben (wieder) das "Race to the clouds" in Colorado gewonnen – nun zum vierten Mal. Und das mit einer neuen Fabelzeit: 7:57,148 Minuten. Damit brach Dumas nicht nur den bestehen Rekord für Elektroautos (8:57,118 Minuten) von 2016, sondern auch die bisherige Bestmarke von Sébastian Loeb von 8:13,878 Minuten aus dem Jahr 2013. Und: Er ist der erste Mensch, der "America's Mountain" in weniger als acht Minuten bezwang. Auch wenn Dumas inzwischen ein echter Pikes-Peak-Kenner ist, hat er größten Respekt vor dem Berg: "Einige Passagen erinnern an die Nordschleife, aber das Rennen ist eine viel größere Herausforderung."
Nicht weniger fordernd war die Umgewöhnung auf den VW I.D. R Pikes Peak. Dumas: "Das Feedback von einem Elektrorennwagen ist sehr eingeschränkt. Es gibt kaum Geräusche vom Motor oder vom Getriebe. Normalerweise sind das wichtige Indikatoren, um seine Geschwindigkeit zu kontrollieren. Im I.D. R Pikes Peak habe ich nur den Blick nach draußen und meine Anzeige auf dem Lenkrad." Ganz im Gegensatz zum Publikum: Der Veranstalter hatte dem Rennwagen aus Sicherheitsgründen vorgeschriebenen Sound verordnet – und der klang wie die 70er-Jahre-Sirene von Kojak.

Zwei E-Motoren sorgen für 680 PS

Liegt wie ein Brett: der VW I.D. R Pikes Peak.

Das passte nur wenig zum in nur acht Monaten und höchst professionell entwickelten Rennwagen, dessen Aerodynamik von Porsches Le-Mans-Erfahrungen profitiert. Der unter anderem dank einer Karosserie aus glasfaserverstärktem Kunststoff nur knapp 1100 Kilo leichte Allradler wird von zwei Elektromotoren angetrieben, die zusammen 680 PS stark sind. Rund 20 Prozent seiner benötigten Energie produziert das Auto bei seiner Fahrt beim Bremsen selber. Das Herzstück, die Batterie, ist passend zum Wettbewerb nicht auf Reichweite, sondern auf kurzfristig verfügbare maximale Energie ausgelegt.
Größter Vorteil des E-Racers: Seine Motoren verlieren durch zunehmende Höhe keine Leistung – der Otto-Antrieb dagegen schon, weil die Kraftstoffverbrennung auf Meereshöhen-Sauerstoffniveau ausgelegt ist. So verliert ein konventionell motorisierter Rennwagen je 1000 Höhenmeter rund zehn Prozent Leistung.

"Oben fällt das Atmen schwer"

Erfolgreicher Gipfelsturm vor spektakulärer Kulisse am Pikes Peak.

Das macht hier am Berg enorm viel aus. Denn die Starter (diesmal mehr als 60 Autos und 24 Motorräder) schrauben sich von 2842 Metern Höhe über 156 Kurven zur sauerstoffarmen Spitze auf 4302 Meter hinauf. Dumas: "In rund neun Minuten bewältigt man 1440 Höhenmeter. Das spürt man, und es fühlt sich nicht gut an. Es ist wichtig, seinen Körper gut zu kennen und im Bedarfsfall mit zusätzlichem Sauerstoff zu versorgen. Oben ist die Luft so dünn, dass das Atmen schwerfällt, vor allem nach so einer Belastung." Die Beschleunigung von 0 bis 100 km/h in 2,25 Sekunden dürfte ein Übriges tun, um Atem zu rauben.
Aber eigentlich hätte nur noch das Wetter einen Strich durch die Wolfsburger Pläne machen können. Die asphaltierte Piste blieb jedoch weitgehend trocken, leichte Wolkenfetzen störten Dumas nicht, er machte keinen Fehler, die Technik spielt mit. Ergebnis: schnell gewesen mit einem Tempodurchschnitt von 145,132 km/h, Himmelfahrtskommando ausgeführt. Für die Show ist jetzt VW zuständig ...
Autor: Roland Löwisch

Fotos: Hersteller

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