Sparsam und umweltfreundlich – was traditionell den Studien vorbehalten war, ist heute Pflichtprogramm. Was also bleibt als Vision für die Zukunft? Nichts wirklich Bewegendes.
Von Boris Pieritz Was waren das noch für Zeiten, als die Hersteller mit ein paar Taschenspielertricks und genialen Designkniffen Autos zauberten, die keiner je zuvor sah – und die sich "in echt" auch keiner vorstellen konnte. Extrem sparsam, extrem sauber, extrem schnell, futuristisch verpackt. Jo, so war das mal. Weltbewegend Neues bieten die Studien des Jahrgangs 2007 so gesehen nicht. Zu sehr ist die einstige Vision von Öko-Antrieben längst in den automobilen Alltag eingezogen. Hybride im Premium-SUV-Segment, made by
Porsche, unterstützt von der deutschen Premiumliga – kalter Kaffee, gibt es bei
Lexus längst in Serie. Elektromotoren in Zwergen wie dem
Mitsubishi i-EV – schön und gut, doch der kommt so eh nicht sondern 2009 als 1.0 Benziner. Autonome Elektroantriebe mit Onboard-Diesel-Ladestelle (Opel Flextreme) – das klingt plausibel, vermag den kleinen Technikfreund in uns zu begeistern. Nur: An die zeitnahe Umsetzung mag man nicht recht glauben. Ups! Schließt sich da etwa ein Kreis?
Knallige Farben erregen deutlich mehr Aufsehen als abstruse Techniken
Schrille Farben helfen immer, hier stimmt aber auch das Konzept: Renault schrumpft den Kangoo zum Dreitürer mit hohem Spaß- und Freizeitfaktor.
Zum Hingucker wird so gesehen Seriennahes unter dem Pseudonym "Concept", zum Beispiel das
VW Polo Cabrio von Karmann, das schon ganz nah an der Serie dran ist und eigentlich nur eine Freigabe braucht. Gleiches gilt für den
Renault Kangoo Compact, ein frech-buntes Sparmobil für die unternehmungslustige Klein-Familie, so sie den mit zwei Türen auskommt. Zu guter Letzt erlebt ein alter Bekannter eine wundervolle Renaissance: Der Modellautohersteller Herpa will den Trabant bauen. Nein, nicht als Modell, sondern als reale Reinkarnation der Renn-Pappe. Ei verbibbsch! Dass auch fürs holprige Gelände immer wieder nachgelegt wird, belegen zahlreiche SUV-Studien und sonstige Zukunfts-Kletterer.
Seat präsentiert den Tribu, der vorgibt, wie die neue Designlinie der Spanier aussieht: äußerst kernig! Doch das der gelbe
Crossover so oder ähnlich in Serie geht, ist sehr fraglich. Auch Frankreich zieht in diesem Segement mit. Renault stellt in der Main-Metropole noch einmal die Genf-Studie
Koleos aus, die in der ersten Jahreshälfte 2008 in Serie gehen soll. Er wird sich in diesem Segment dann mit dem
Ford Kuga und dem
VW Tiguan messen müssen. Mitsubishi zeigt das Concept-cX, ein Kompakt-SUV unterhalb des
Outlander mit 1,8-Liter-Diesel, Euro 5 und vielen verbauten Öko-Materialien.
Ambitionierte Motorenmixe, historische Bauformen, stilsicheres Design
Kia legt unter dem neuen Design-Chef Schreyer richtig los. Nächster Streich: das Sportcoupé Kee.
Honda präsentiert das bildschöne Kombi-Concept
Accord Tourer, das zeitnah mit einer Reihe von fortschrittlichen und umweltschonenden Motoren zu kaufen sein wird.
Hyundai haut mit dem Coupé
Veloster und dem Brennstoffzellen-Auto iBlue gleich zwei tragfähige Studien raus.
Suzuki und
Kia zeigen mit dem Kizashi und dem Sport-Coupé Kee, wie sich Kraft und Schönheit zeitnah perfekt vereinen werden.
Nissan hingegen will mit seiner verspielt-technischen Kleinwagen-Studie Mixim die Jungendlichen von ihrer Computerspielsucht befreien. Welch gewagtes Vorhaben! Aber technisch betrachtet nicht so ambitioniert wie der Mix aus zwei Motoren. Den präsentiert Mercedes mit der Studie F700. Die lange und flache Schwaben-Flunder blickt drein wie eine V12-Rennmaschine mit gut 500
PS, soll aber dank DIESOTTO- und Hybrid-Antrieb (siehe Teil 1) nur so viel Sprit verbrauchen wie ein Kompaktwagen. Ganz ohne Täuschungsmanöver kommt der Stadtflitzer
up! von
VW daher: Die Kleinwagen-Studie, Arbeitstitel "New Small Family", setzt auf Heckmotor à la Käfer, ausbaubares Gestühl und Platz für vier Personen auf 3,45 Meter Länge. 2011 soll der Kleine kommen, für weniger als 8000 Euro. In die gleiche Kerbe – smarter Stadtbummler für kleines Geld – schlägt
Ford mit dem Konzept "Verve", dem Vorboten des neuen
Fiesta.
Zwei leckere Zukunfts-Bonbons bietet
Citroën mit dem C5-Vorläufer Airscape (Cabrio) und dem C-Cactus (Hybrid), die beweisen, dass die Franzosen designtechnisch wieder voll da sind. Beide gehören fraglos mit zu den auffälligsten, schönsten Exponaten dieser Messe. Spannende Alternativ-Antriebler sind auch der
Panda Aria, der mit einem Kraftstoffgemisch aus 70 Prozent Erdgas und 30 Prozent
Wasserstoff befeuert wird und so nur 69 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen soll. Und besagter
Opel Flextreme: Der soll mit seinem E-Motor und dem zusätzlichen 1.3-Diesel lediglich 40 Gramm CO
2 gen Himmel schicken.
Mehr über die Öko-Offensive auf der IAA erfahren Sie in der Bildergalerie, die laufend aktualisiert wird. Über alle weiteren Highlights hält Sie rund um die Uhr
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