IAA 2007, Teil 7

IAA, Teil 7: Messe-Hostessen IAA, Teil 7: Messe-Hostessen

IAA 2007, Teil 7: Messe-Hostessen

— 14.09.2007

Schön und schlau

Bislang haben wir Ihnen aus Frankfurt ausschließlich von motorisierten Exponaten berichtet. Damit ist – zumindest in diesem Beitrag – Schluss! Denn es gibt auf der IAA noch viel mehr zu sehen.

Am Anfang ein Albtraum: die IAA ohne Hostessen. Eine Show aus Blech. Interessant, aufregend, faszinierend. Aber prickelnd? Und gleich danach: das Ende eines Klischees. Dass die jungen Damen vor, neben und halb auf den Autos kaum mehr sind als blondes Beiwerk. Lange Beine vor B-Säulen, dralle Dekolletés neben dem Diesel-Hybrid. Das genügt längst nicht mehr. Denn die Hostess von heute ist selbst ein Hybrid-Modell. Angetrieben von Körper und Köpfchen. Wie zum Beweis folgt der Auftritt Rosa Kilinskis. Die 22 Jahre alte Rosa steht an der kargen Wand eines Seminarraums in einem Hotel im Industriegebiet von Frankfurt-Mörfelden. Sie trägt einen dünnen schwarzen Pullover, einen blauen langen Rock, Stöckelschuhe und das zarte Rot der Jugend auf den Wangen. An die Wand heftet sie kreisrunde Pappen auf die sie MT-5 und AT-4 geschrieben hat. Danach legt sie los: "Also, der neue Opel Agila kann jetzt auch mit Vierstufen-Automatikgetriebe bestellt werden", und dann zählt sie die Vor- und Nachteile auf, bis ihre Mitschüler klatschen und Trainer Guido Baum mit dem Unterricht fortfährt.

Gratwanderung zwischen Hightech und High Heels

Es ist Tag sieben der zehntägigen Schulung von IAA-Hostessen und männlichen Hosts, die auf der Messe die Produkte von Opel präsentieren. Es sind 124 junge Menschen da, zwei Drittel Damen. Opel lässt sich die Ausbildung der "Produktberater" einen hohen sechsstelligen Betrag kosten. Kompetenz und kurze Röcke sollen keinen Widerspruch darstellen. Die hübsche Rosa Kilinski doziert derart kompetent über die technischen Details des neuen Mini-Vans, dass der Zuhörer gar nicht anders kann als zu denken, das Mädchen mit dem zauberhaften Lächeln verkaufe hier den neuen Opel Lolita. Rosa studiert in Gießen Medizin im vierten Semester und bewarb sich auf eine Anzeige in der Zeitung. Jetzt lernt sie in den zehn Tagen nicht nur, richtig zu lächeln (nicht zu schüchtern, nicht zu keck), sondern auch Common Rail von Pumpe-Düse zu unterscheiden. Es sind drei Wochen zwischen Hightech und High Heels. Neben Rosa sitzt Hannah Strempel (25) aus Berlin, die sich ihr Studium der Kulturwissenschaften so finanziert. Hannah hat hochgesteckte Haare, eine leicht gebräunte Haut, aber keinen Führerschein. Hat nie einen besessen. "Ich komme aus einer ökologisch bewussten Familie", sagt sie und lächelt.

Allein unter Frauen: Trainer Björn Wierskalla erklärt den Hostessen das Navisystem.

Dass die IAA 2007 eine Art Grüne Woche auf vier Rädern wird, kommt ihr entgegen. Sebastian Dreher hilft Hannah bei den Technikfragen. Für den 24-jährigen angehenden Wirtschaftsingenieur ist es bereits die sieb- te Automesse. Die meisten Aufgaben der Trainingswoche kann er auswendig: die Geschichte von Opel, die Firmenphilosophie, den Umgang mit den Besuchern. "Ich bin ein guter Zuhörer", sagt Sebastian von sich. Er kann das, was für Trainerin Evelyn Steiche das Wichtigste in dem Job ist: "Dem Besucher das Gefühl geben, willkommen zu sein, fast schon daheim." Wenn eine süße Studentin von Anfang zwanzig mit einem zauberhaften Lächeln alle Pluspunkte eines Kindersitzbefestigungssystems aufzählt, dann ist Papa beim Messebummel ganz hingerissen und sieht den neuen Agila plötzlich in einem völlig anderen Licht. Und wenn jemand so etwas schafft, dann Dunja Hahn.

Die 23-jährige BWL-Studentin aus Wetzlar wurde vor zwei Jahren zur inoffiziellen "Hostess der IAA" gewählt. Sie stand damals beim Opel Signum und um sie herum stets eine Menschentraube. "Ich kannte dieses Auto in- und auswendig", erzählt sie. Es ist nun ihre sechste Opel-Messe, sie ist zur Teamleiterin aufgestiegen. Sie hat sich an die blöden Sprüche gewöhnt, an die Fotos, die die Männer von ihr schießen, und an die Rückenschmerzen. "Ich hab mich im Fitnessstudio auf die IAA vorbereitet." Sie Fährt privat einen 3er-BMW und ein Suzuki-Motorrad. Dunja weiß, was auf sie zukommt. "Es wird nicht so schlimm wie in Essen", sagt sie. "Damals schlichen ständig Typen um mich rum, bis ich irgendwann merkte, dass sie die ganze Zeit nur meinen Po in Großaufnahme fotografierten."

So werden Sie Messe-Hostess

Autohersteller arbeiten in der Regel mit Personalagenturen wie zum Beispiel MTC in Eschborn zusammen. Dort bewirbt man sich am besten auf der Internetseite (www. mtc-agentur.de) mit einem Ganzkörper- und einem Porträtfoto. Das Alter der "Produktberater" sollte zwischen 20 und 30 Jahren liegen. Die Mindest-Körpergröße beträgt 180 Zentimeter (Männer) und 170 Zentimeter (Frauen). Damen sollten eine Konfektionsgröße bis 38 haben. Sichtbare Tätowierungen und Piercings sind verboten. Hosts und Hostessen, die auf internationalen Messen arbeiten, sollten gut Englisch sprechen. Der Verdienst liegt für Einsteiger bei zehn, später bei rund elf Euro in der Stunde.

Die volle Ladung (schlauer) Messe-Beauties gibt es in der umfassenden Bildergalerie. Klicken Sie sich durch!

Autor: Hauke Schrieber

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