Im Bann des Airbrush-Gurus

Im Zeichen des Scrawls, Episode 2 Im Zeichen des Scrawls, Episode 2

Im Bann des Airbrush-Gurus

— 08.12.2005

Im Zeichen des Scrawls, Teil 2

In der letzten Ausgabe von AUTOTUNING stellten wir Euch die Arbeitsweise von Tommy Scrawls alias Thomas Weber, den Micra und den organgefarbenen Golf III vor. Seitdem quillt Tommys E-Mail-Fach vor lauter Anfragen über.

Wer Tommy ruft, will Pokal mitnehmen

Ehre, wem Ehre gebührt – dachte sich das AUTOTUNING-Team und ließ euch in Ausgabe 11/2005 erstmals hinter die Kulissen von Tommy Scrawls heiligen Hallen blicken. Grund dafür sind die vielen Meisterwerke, mit denen er regelmäßig auffällt. Nahezu jedes automobile Kunstwerk, das sich unter seiner Airbrushpistole oder seinen Schwertschlepperpinseln veredeln ließ, stellten wir schon in unseren Heften vor. Daß der Nachschub auch weiterhin gewährleistet ist, steht fest, denn schrille Farben und ausgefallene Airbrusharbeiten sind zur Zeit in der Tuning-Szene extrem angesagt.

Die alte amerikanische Kunst des Pinstriping schwappt nun auch immer mehr zu uns herüber und wird demnächst immer häufiger in der deutschen Tuning-Szene zu sehen sein. Tommy Scrawls wächst mit seinen Aufgaben, und sein Name tut es ihm gleich. Wer Tommys Arbeiten noch nicht kennt, hat vermutlich die letzten Jahre verschlafen. Auch er verarbeitet schon länger Pinstripes in seinen Werken. Ganz besonders im Osten Deutschlands ist der Name Scrawls ein Begriff. Hier wohnen die meisten seiner Kunden.

Wer sein Auto von Tommy bearbeiten läßt, der will auffallen und Pokale mit nach Hause bringen. Kein Problem – bisher kam noch keiner ohne Kelch zurück. Wenn man ein neues Werk von Tommy sieht, kann man dies schon direkt als einen "echten Scrawls" bezeichnen. In dieser Ausgabe zeigen wir Euch zwei weitere Gölfe.

Schwager Stefan steht auf Oldschool

Stefan Förster ist der Schwager von Tommy Scrawls und fand dessen Arbeiten schon immer erste Sahne. Da lag es doch nahe, daß er sich seinen Wagen von ihm veredeln lassen würde. Doch zuerst mußte dafür ein Auto her. Nach längerer Suche fand man einen 90er Golf II Fire and Ice. Da der Wagen in einem sehr guten Zustand war, konnte sich Stefan direkt auf die Veredlung des Wolfsburgers konzentrieren. Man kann es auch Rückrüstung nennen, denn die GL-Stoßstangen und Plastikverbreiterungen demontierte man, um den Wagen auf die abgespeckte CL-Ausstattung zu stylen.

Grund dafür ist der Oldschool-Look, den Stefan an seinem persönlichen automobilen Traum verfolgt. Stoßleisten, Embleme, Schlösser, Wischerdüsen, Antenne und Abschlepphaken fielen der Cleaning-Kur zum Opfer. Sie wurden ebenso wie die Dehnungsfugen unter den Rückleuchten und die Scheibenwischer entfernt. Diesen Dienst verrichtet jetzt ein Einarmwischer.

Im letzten Jahr fuhr der Breitenbacher noch verchromte Porsche-C2-Räder. Diese tauschte er gegen BBS-Felgen vom Jubi-GTI Golf III und verchromte sie nachträglich. Für die kollisionsfreie Unterbringung der 16-Zöller in den Radhäusern wurden diese hinten um jeweils 20 Millimeter geweitet. Die Originalkante trennte er vorher ab und zinnte sie nach erfolgreicher Weitung wieder an. Für eine breitere Spur wurden zusätzlich 20-Millimeter-Distanzscheiben rundum zwischen Achse und Felge gesteckt. Die Tiefe erreicht man mittels KW-Gewindefahrwerk. Der Auspuff, Marke Eigenbau, endet mit zwei abgeschrägten 70er Endrohren.

Bei der Lackierung entschied man sich zusammen mit Schwager Tommy für den "Taxi-Stil". Auch hier blieb man dem VW-Konzern treu. Die untere Wagenhälfte versah man mit Taxibeige von VW und die obere mit Nimbusgrau von Audi. Abgesetzt wird das ganze von einem Tribal, in dessen Mitte sich 3500 Karos tummeln. Unter den hinteren Seitenfenstern befindet sich auf jeder Seite eine schwarze Billard-Kugel mit der Nummer 8. Umrandet werden die Karo-Tribals von orangeroten Outlines.

Custom-Lenkrad zu schade zum Anfassen

Und wie es sich für ein professionelles Airbrush von Tommy Scrawls gehört, wurde das Meisterwerk bis in die Türinnenkanten und den Tankdeckel gezogen. Damit gibt es auch keine bösen Überraschungen, wenn man die Türen öffnet. Nicht, daß noch einer auf die Idee käme "außen hui, innen pfui!".

Um dem weiterhin entgegenzuwirken, zog in den Innenraum Leder in Beige und Braun ein. Die Säulenverkleidung tauschte man gegen braune aus. Der graue Teppich im Volkswagen stammt aus einem 88er Jetta und die Schaltkulisse von Isotta. Geschaltet wir mit einer umfunktionierten Billard-Kugel. Am meisten Spaß beim Fahren dürfte Stefan an seinem 33er Custom-Lenkrad mit selbstgefräster Nabe haben. Fast zu schade zum Anfassen, denn passend zum Außendesign hat Scrawls es gleich mitlackiert.

Wie Stefan die Geschwindigkeit und Drehzahl auf seinen verchromten Tachoscheiben abliest, wird wohl sein Geheimnis bleiben. Da gibt er uns schon eher preis, daß das Käfer-Radio nicht im Schacht sitzt, weil kein Geld mehr für was Besseres übrig war, sondern damit der Oldschool-Look deutlicher zur Geltung kommt. Das Alpine-Radio versteckte er ganz einfach im Handschuhfach. Tiki-Türpins, Käfer-Fensterkurbeln, die selbstgehäkelte Klopapierabdeckung, ein Picknickkorb auf der Rückbank und Holzkugel-Sitzauflagen runden den neu erfundenen Oldschool-Look ab. Stefan mit seiner Fliegerbrille will sich da seinem Fahrzeug standesgemäß anpassen.

"Wollten keine Plastikbomber bauen"

Der letzte im Bunde unserer vier Fahrzeuge aus dieser Scrawls-Episode ist der Golf III von Sebastian Schwalbe. Auch er fährt die dezente, spoilerlose Schiene, wie die restlichen drei auch. "Die anderen Jungs und ich wollten ganz bewußt keine Plastikbomber bauen." Das einzige, was an dem Volkswagen aus GFK ist, sind die Stoßstangen. Sie durften nur Einzug halten, weil sie dem Look des Golf V entsprechen und ganz besonders clean aussehen.

Um das obligatorische "Cleaning" wollte auch Sebastian keinen Bogen machen und setzte das Schweißgerät an den hinteren Türgriffen des Fünftürers an, um diese mit Blech zu verschließen. An den vorderen Türen schloß man nur die Griffmulde. Alle Embleme, Griffleisten und die Seitenblinker fanden den Weg in die Ersatzteilkiste. Auf der Motorhaube verschwanden die Wischdüsen und auf dem Dach das Antennenloch samt "Ukw-Peilstab". Die Original-Spiegel durften sich ebenfalls vom Acker machen und bieten nun Platz für richtig edle Talbot-Spiegel in verchromter Ausführung.

Wenn man diesen Golf sieht, geht es einem nicht anders als bei den restlichen vorgestellten Autos. Zuerst einmal fällt einem sofort die Lackierung ins Auge. Dann staunt man nicht schlecht und nähert sich dem Fahrzeug. Beim Rundgang um das Auto stolpert man über die bereits angesprochenen Umbauarbeiten. Wenn man mit Sebastian ins Gespräch kommt, erfährt man auch, wie er auf die Idee mit dem Design gekommen ist. Spätestens dann fällt der Name Tommy Scrawls. "Wenn man sich mit ihm zu einem Brainstorming zusammensetzt, dann kommt so etwas dabei heraus", wird er einem sagen.

Markenzeichen an der Heckstoßstange

Und aus der Masse wollte natürlich auch Sebastian herausstechen. Bei seinem Golf wurde das allseits beliebte Beige als Grundpfeiler für die Dreifarblackierung verwen- det. Den oberen Teil deckt ein Sommelierrot-Perleffekt ab, übergehend in ein Flammendesign. Dazwischen schlängelt sich ein nimbusgraues Tribal den Weg Richtung FK-Kristall-Rückleuchten. An der Heckstoßstange findet man Tommys Markenzeichen wieder, das Iron Cross. Umgeben wird es von düsteren Totenschädeln in 3D-Optik.

Ganz und gar nicht düster, sondern eher wie eine helle Lichtgestalt wirken die verchromten Oxigin-1-Räder in den Dimensionen 7,5x17 Zoll. Da diese Platz brauchten, bearbeitete Sebastian die Kotflügel und zog sie nach außen. Ohne "Feindkontakt" mit den 205er Reifen ließ sich das KW-Gewindefahrwerk der Variante 2 nun in einen alltagstauglichen Zustand versetzen. Ganz besonders gut kommen die verchromten Bremssättel und Naben durch die Fünfspeichen-Felge zum Vorschein.

Im Innenraum geht es noch eher gemächlich zu. Für die bessere Optik und den sicheren Schutz hielt ein auf Hochglanz polierter Wiechers-Überrollkäfig Einzug in den Golf. Zusätzlich kamen noch ein Kreuz, eine H-Strebe und ein Flankenschutz hinzu. Das gebrushte 28er Momo-Lenkrad bekam Sebastian von Stefan (siehe Golf II von oben).

Soundtechnisch zeigt sich ein Rockford-Radio und eine Axton-Endstufe samt Woofer für den besseren Klang verantwortlich. Der nächste Winter steht schon vor der Tür und somit ist der Golf bereits wieder in der Garage verschwunden, um für die nächste Saison weiter aufgewertet zu werden.

Autor: Sebastian Schulz

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