Im Auto über die Beringstraße

Beringstrassen-Überquerung Beringstrassen-Überquerung

Im Defender über die Beringstrasse

— 30.10.2008

Landy ahoi!

So spart man das Ticket für die Fähre: Die Briten der Expedition Cape to Cape sind als Erste im Auto von Sibirien nach Alaska gefahren. Ihr Defender verfügt allerdings über reichlich abgefahrene Sonderausstattungen.

Die Beringstraße zwischen Russland und Alaska ist die meiste Zeit des Jahres zugefroren. Sie gilt als unpassierbar, jedenfalls mit dem Auto. Selbst die beinharten Pioniere der Marathonrallye New York - Paris von 1908 nahmen da lieber das Schiff. Als Erster will der deutsche Extremoffroader Matthias Jeschke in diesem Jahr die Meerenge mit einem Jeep Wrangler überwinden. Doch er kommt zu spät. Das britische Team um den Rinderzüchter Steve Burgess (53) aus Yorkshire und den Überrollkäfig-Fabrikanten Dan Evans (38) hat die Passage in diesem Sommer gemeistert. Ihr kühner Plan: vom Kap der Guten Hoffnung (Südafrika) zum Kap Hoorn an der Südspitze Südamerikas – alles auf dem Landweg machbar, bis auf diese 85 Kilometer übers Meer. Beschwerlich ist bereits der Weg nach Uelen am Ostzipfel Sibiriens: Da die Gegend im Sommer zum Sumpf wird, gehen die Briten die Landpartie im Winter an. Also: Räder runter, Kettensätze dran – gebaut von Evans' Firma Protection & Performace Ltd. unter Verwendung von Pistenbully-Teilen. Die bringen den Landy auf 30 km/h – fast doppelt so schnell wie ein ähnlicher Prototyp von Land Rover selbst.

Der Defender wird mit wenig Aufwand zum Katamaran

Die Pistenbully-Ketten bewährten sich nicht. Eisbildung lässt ein Antriebsritzel immer wieder klemmen.

Eisbildung aber lässt ein Antriebsritzel immer wieder klemmen. Der Landy steckt fest. Anderswo mögen russische Panzer Angst und Schrecken verbreiten – den Briten sind sie hochwillkommen! Die Schwimmausleger kommen aufs Panzerdach, der wieder auf Straßenpneus rollende Landy an den Haken. So geht es im Schlepptau nach Uelen – Pause bis zur eisfreien Zeit im Sommer. Die Inspiration für den Schwimm-Defender holte sich Steve im Heritage Motor Museum in Gaydon, das einen Schwimm-Landy von 1989 ausstellt. Rallyeprofi Dan baut eine verbesserte Version mit gesteckten Auslegern, die den Defender wie ein monströses Spinnentier aussehen lassen. Die Kraftabnahme am Zentraldifferenzial lässt sich bestens zum Antrieb einer Schiffsschraube nutzen. Dan legt eine zweite Kardanwelle nach hinten, befestigt die Schraube an der Hängerkupplung. Vorn noch einen Schwallschutz angeschraubt, fertig ist das Motorboot.

Die Inspiration für den Schwimm-
Defender holte sich Steve im Heritage Motor Museum in Gaydon.

Tests in der Irischen See verlaufen ermutigend: Das Landy-Amphibium lässt sich mit bloßen Rädern halbwegs präzise lenken. Vorsichtshalber montiert Dan auch ein hydraulisch betriebenes Ruder. Zurück in Uelen, stellt sich am 7. Juli das ersehnte ruhige Wetter ein. Ab ins Wasser. Steve gegenüber AUTO BILD ALLRAD: "Das geht so: Ich fahre im ersten Gang und Untersetzung ins Wasser, schalte die Kraftabnahme zu – Räder wie Schraube sind angetrieben. Untersetzungsgetriebe auf Neutral, dann drehen sich die Räder nicht mehr. Dann schalte ich hoch bis in den vierten Gang, und die Schraube bringt uns auf zehn km/h Fahrt." Das Auto: ein älterer Defender 110 Tdi, mittels Militärdichtungssatz seewasserfest gemacht. Bei der Überfahrt driftet das Auto stark nach Süden ab. Die Insel Little Diomede, ein bereits zu den USA gehörender Granitfelsen mit 140 Einwohnern, kommt stetig näher. Genau wie die Entscheidung, um 4.30 Uhr dort anzulanden.

8. August, 0.50 Uhr: Es ist geschafft – im Auto von Sibirien nach Alaska!

"Wenn wir die Überfahrt nicht unterbrochen hätten, stünde ich jetzt nicht hier – kurze Zeit später bauten sich neun Meter hohe Wellen auf", sagt Sveve Die Einwohner räumen am Strand ganze Felsbrocken weg wie Obelix, damit der Defender hinauffahren kann. Eigentlich will das Team die Überfahrt auf der entlegenen Insel nur "für ein paar Stunden unterbrechen" (Steve) – es soll ein ganzer Monat daraus werden. Den nächsten Versuch bricht die Crew am 13. Juli frustriert ab – der Wind kommt plötzlich aus Süden. Steve: "Wir wären am Nordpol gelandet." Erst am 7. August sehen die Briten eine Chance, zum Festland weiterzufahren. Trotz dichten Nebels wagen sich Steve und Dan um 12:00 Uhr mittags ins Wasser – schließlich hat man GPS, und die See ist ruhig wie selten. Nach sechseinhalb Stunden landen sie wohlbehalten in Wales/Alaska – geschafft! Derzeit kämpfen sich die Briten weiter Richtung Süden. Wer die Tour verfolgen will: capetocape, ppcages.

Die Behringstraße

Die Beringstraße trennt als nur rund 85 Kilometer lange Meerenge Russland von den USA. Dazwischen liegen die Inseln Ratmanov oder Big Diomede (zählt zu Sibirien) und Little Diomede (Alaska). Da man oft von einem Kontinent zum anderen schauen kann, wirkt die Beringstraße harmloser, als sie ist: Die geringe Wassertiefe (30 bis 50 Meter) lässt die Meerenge wie eine Düse wirken und beschleunigt die Strömung. Die Überfahrt per Amphibium ist nur in der eisfreien Zeit (Juli bis September) möglich. Der deutsche Abenteurer Matthias Jeschke will als Nächster mit einem Jeep Rubicon hinüber – im Winter. Mehr dazu auf der Internetseite pny2009.

Autor: Rolf Klein

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