Im Kleinwagen nach Südfrankreich (2)

Yaris-Urlaub an die Côte d'Azur Yaris-Urlaub an die Côte d'Azur

Im Kleinwagen nach Südfrankreich

— 20.09.2006

Yaris-Urlaub an der Côte d'Azur

Zwei Wochen Camping an der französischen Mittelmeerküste. Ein Mann, eine Frau und ein kleiner Toyota. Hier die weibliche Sicht der Reise.

In Sachen Sommerurlaub waren wir uns in einem Punkt einig: Ab in den Süden! Die weitere Spezifikation allerdings bedeutete Kampf. Ich wollte es klassisch. Ibiza. Eine nette kleine Ferienanlage. 14 Tage faulenzen. "Och nee … Lass mal lieber campen – ist doch viel billiger! Außerdem will ich an die Côte d’Azur", maulte Jan, der Mann an meiner Seite. Um es kurz zu machen: In der anschließenden Diskussion versagten die vermeintlichen Waffen einer Frau angesichts unserer eigentlich leeren Urlaubskasse. Okay, vielleicht bekommt man ja in Cannes einen echten Star zu sehen. Brad Pitt, Colin Farrell oder sonst ein Geschoss. Frohen Mutes schichten wir unser Gepäck am Abreisetag vor der kleinen "Lola" auf. Den Namen verdankt der Yaris dem für unsere Autos obligatorischen sexy Hula-Kranz am Rückspiegel und Barry Manilow: "Her name was Lola, she was a show girl ..." Als wir mit dem Turmbau fertig sind, sind wir mehr als skeptisch, aber das Toyota-Mädel zeigt Kampfgeist: Immer wieder offenbart es uns, zusätzlich zum Kofferraumvolumen von 275 Litern und umgeklappter Rückbank, weitere freie Nischen. Die Tasche mit den Straßenkarten passt locker neben das Reserve-Rad – und da vergessen wir sie für den Rest des Urlaubs auch.

Endlich geht's los! Über Luxemburg, Macôn (mit Übernachtung) und Lyon tuckern wir gen Süden. Das Geschirr klappert und von hinten fällt mir der Proviant immer wieder über die Schulter. Urlaubsgefühle machen sich breit. Alles wäre noch entspannter, wenn Jan seine Aversion gegen Klimaanlagen überwinden könnte, und wir bei einer Außentemperatur von 35 Grad etwas Kühlung im Auto bekommen würden. Kann er aber nicht: "Was meinst du, wie schnell man da ein Schnupfen bekommt! Dann können wir gleich wieder umdrehen." Also ist schwitzen angesagt. Und stinken.

Zehn Meter zum Meer, wir feiern mit Rotwein

In St. Tropez bleibt die Kirche im Dorf – und wird immer wieder von uns fotografiert.

Nach 1500 Kilometern erreichen wir müffelnd und triefend, aber bester Laune das Mittelmeer. Lola steuert zielsicher den ersten Campingplatz an, der es in unsere TOP 5 der möglichen Plätze geschafft hat. Reservieren wollten wir im Vorfeld lieber nichts, um uns notfalls alle Fluchtwege offen zu halten. Aber unsere Vorsicht war unbegründet. Auf dem Platz Camp du Domaine, etwa 40 Kilometer westlich von St. Tropez gelegen, finden wir all unsere Wünsche erfüllt: In einem riesigen, Schatten spendenden Pinienwald beziehen wir breit grinsend ein lauschiges Plätzchen und genießen anschließend eine kalte Dusche. Das Meer ist nur zehn Fußminuten entfernt. Perfekt! Das Ganze gibt es für 25 Euro pro Nacht. Unseren ersten Abend verbringen wir mit reichlich Rotwein vor unserem Zelt. Über uns leuchten die Sterne, das allgegenwärtige Zirpen der Zikaden ist von den Rufen einer Eule abgelöst worden, und von der Campingplatz-Kneipe hören wir deutschen Jubel, als Klinsis Jungs ins Halbfinale der Fußball-WM einziehen.

Nächster Tag, neun Uhr: Wir wollen unbedingt nach St. Tropez. Seit ich vor einigen Jahren ein paar Folgen der gleichnamigen Soap Opera gesehen habe, möchte ich unbedingt mal diese schnuckelige gelbe Kirche fotografieren. Und was soll ich sagen – das Klischee lebt! Nachdem wir im Verkehrchaos von St. Tropez tatsächlich einen kostenlosen Parkplatz ergattert haben, gehen wir zum Hafen – und da erblicke ich die besagte Kirche zum ersten Mal. Ich bin hingerissen und mache im Laufe der nächsten Stunden unzählige Fotos aus allen erdenklichen Perspektiven. Glücklich schlendere ich mit dem Göttergatten an der Hand durch die kleinen Gassen. Der hingegen hat anderes im Sinn: "Da! Ein F430! Hah, 'n Bentley – und noch einer!". Okay, jeder, wie er mag.

Wenn schon Schicki-Micki, dann bitte auch gleich die volle Packung, überlegen wir am Abend, als wir mit unserer obligatorischen Flasche Wein vorm Zelt sitzen. Die logische Konsequenz: Am nächsten Tag geben wir uns den Doppel-Whopper des Luxus und nehmen Kurs auf Monaco. Und zwar über die Autobahn anstatt über die berühmte Küstenstraße. Diese Entscheidung ist natürlich frevelhaft. Ganz bestimmt stellt sie auch eine gewisse Ignoranz gegenüber dem Liebreiz der Küstenstrecke dar. Am Vortag sind wir aber auf besagter Straße unterwegs gewesen. Zu meinem Leidwesen hatte Jan sie kurzerhand zur Rallye-Strecke erklärt. Und während er und Lola voller Freude, aber leider auch ohne Gnade, um die Kurven jagten, wurde mir schlecht und schlechter. Mein Wutausbruch in seine Richtung zeigte nur kurz Wirkung, bevor wieder der Petter Solberg in ihm durchbrach. Da ich am heutigen Tag mein Frühstück auf jeden Fall bei mir behalten möchte, ordne ich also Autobahn an. Kostenpunkt: 15 Euro Maut. Aber ich spare Nerven. Und die beleidigten Blicke des kleinen Petter übersehe ich geflissentlich.

1,9 Quadratkilometer geballter Reichtum

Die Rennstrecke von Monaco: In gemächlichem Tempo lässt sich die Aussicht genießen.

In Monaco angekommen, sind wir uns einig: Wahnsinn! Auf einer Grundfläche von nur 1,9 Quadratkilometern ballt sich der Reichtum. Riesige Yachten, teure Autos, stöckelnde Jet-Set-Ladies und als Sahnhäubchen, über allem auf einem Felsen thronend, der Wohnsitz der skandalumwitterten Grimaldis. Ein Parkplatz für Lola ist schnell gefunden und mit 1,20 Euro pro Stunde überraschend günstig. Bei unserem Streifzug durch die Stadt kommen wir zuerst am berühmten Casino vorbei. Hier zeigt sich, dass Geld auch eine Religion ist. Denn während ich mir den Prunk der Eingangshalle begucken kann, wird Jan am Eintreten in den Tempel gehindert. Er sei "unpassend" gekleidet. Eigenartig, sind die 80er mit ihrem Hang zu Muskelshirts nicht wieder schwer angesagt?

Vor dem Eingang haben die Besitzer zweier Ferrari offenbar beschlossen, dem gemeinen Pöbel etwas Spaß zu gönnen: Sie haben ihre Edelschlitten direkt vor dem Portal geparkt. Das Volk ist begeistert und honoriert den Großmut der Herrschaften bei deren Abfahrt mit ausgiebiger Glotzerei. Eine spezielle Art des Gebens und Nehmens. Nun will ich auch ein wenig persönlichen Glamour spüren und im legendären Café de Paris ein Eis essen. Der billigste Eisbecher kostet zwölf Euro, mein Häschen zeigt mir stumm einen Vogel. Wenig später kredenzt er mir ein Nogger vom Kiosk. "Is' doch auch was Feines", sagt er gönnerhaft. Und zahlt drei Euro. Schleckend erkunden wir die brühwarme Stadt. Als wir zurück am Hafen bei Lola sind, werde ich Zeugin eines Flirts. Ein italienischer Gigolo hat sich an unsere Geisha rangemacht. In einer Stadt, wo ein Porsche peinlich-gewöhnlich ist, gibt sich auch die Toyota-Lady nicht mit irgendwem zufrieden. Nein, neben ihr steht ein orangefarbener Lamborghini Gallardo. Sexy! Anscheinend hat er Lola nachhaltig den Kopf verdreht. Auf der Heimfahrt zum Campingplatz ist ihr Navi nämlich drauf und dran, uns in die Wüste zu schicken. Unsere Anfeuerungen – "Verdammtes Scheiß-Ding!" – verklingen wirkungslos. Letztlich kriegen wir sie aber doch unter ihre Stamm-Pinie.

Das Böse nähert sich unbemerkt

Der Strand lockt. Wie gut, dass wir unser Equipment immer dabei haben, um allzeit bereit zu sein.

Nach zwei anstrengenden Tagen setzen wir endlich einen wohlverdienten Strandtag an. Wir ahnen nicht, dass wir im Moment argloser Planscherei auf der Luftmatratze Opfer einer hinterhältigen Attacke werden sollen. Das Böse nähert sich unbemerkt und in Gestalt einer Medusa, der gemeinen Feuerqualle. In einer unfreiwillig-heldenhaften Aktion nimmt Jan den Feind in den Schwitzkasten und quetscht ihm dabei sämtliche Giftbestände aus dem Leib. Offenbar muss das misshandelte Tier seine Artgenossen gewarnt haben: Während des restlichen Urlaubs treffen wir auf kein weiteres brennendes Schwabbelvieh. Dafür aber noch am gleichen Abend auf eine Rottevon Holländern, die sich auf ihr Brauchtum besinnen und das Ausscheiden unserer Jungs bei der Fußball-WM laut und schadenfroh feiern. Dann doch lieber Quallen. Am nächsten Morgen eröffnet mir Jan: "Ich will wandern!" Ach herrje! Was bin ich froh, als wir auf dem Weg ins Estérel-Gebirge zwischen St. Maxime und St. Raphaël einen Strandabschnitt entdecken, an dem der kräftige Wind enorme Wellen auflaufen lässt. Dafür vergisst Jan das Wandern. Wir parken sofort und schnappen uns unsere Badesachen. Am Strand aalen sich überdurchschnittlich viele FKK-Anhänger. Als wir uns in die Fluten stürzen, erschließt sich unmittelbar der Grund für die Freizügigkeit: Die Wellen spülen uns zweimal durch, ziehen uns einmal über den Grund und spucken uns wieder an den Strand – ohne Klamotten.

Den nächsten Tag verbringe ich erfolglos damit, mir einen riesigen, rosa-farbenen, schwimmenden Delfin zum Aufpusten aus dem Campingplatz-Shop zu ertrotzen. Den großen, treu blickenden Augen des Kunststoff-Flippers bin ich sofort erlegen, aber der Hauklotz an meiner Seite führt nur zum wiederholten Male stumm seinen Zeigefinger zur Stirn. Mpf! Nach so viel müßigem Zeitvertreib fühlen wir uns am nächsten Tag gerüstet für Nizza. Auf dem Weg dorthin erleben wir eine verblüffende Veränderung des Raum-Zeit-Kontinuums: Für die 150 Kilometer Strecke brauchen wir geschlagene fünf Stunden! Warum? Keine Ahnung. Zwar haben wir ein paar Foto-Stopps eingelegt, aber ansonsten kann man uns ja nun wirklich nicht vorwerfen, langsam unterwegs zu sein. Endlich erreichen wir doch noch unser Ziel – und genau in diesem Moment beginnt es zu regnen. Klasse!

Im dichten Gewirr der schmalen Altstadt-Gassen bleiben wir vom Regen einigermaßen verschont. Und rätseln: Ob die Leute hier wohl mit dem Mietvertrag die Verpflichtung unterschreiben, den Touris zuliebe stets malerisch ihre Wäsche aus dem Fenster zu hängen? Diese Frage bleibt unbeantwortet. Eine andere indes klärt sich. Die Gretchenfrage: Können oder wollen die Franzosen kein Englisch sprechen? Ein ausnahmsweise sehr anglophil veranlagter Franzose klärt uns auf: Sie können nicht. Weil sie keine Lust haben, es zu lernen. Einen Satz kann aber offenbar jeder: "Just french!". Und wir dachten, die wollen uns verarschen.

In Cannes zeigt man, was man hat

Baden in Cannes mit Blick auf die Yachten, die zu groß für den Hafen sind. Vielleicht ist ja sogar die eigene dabei?

Zwei Tage später zeigt sich, dass aufgeschoben leider nicht aufgehoben ist: Jan erinnert sich an seine Wanderpläne. Diesmal helfen keine Superwellen oder sonst irgendetwas. Also ab ins Estérel-Gebirge. Objektiv betrachtet ist es dort sehr schön. Der rötlicher Stein erinnert ein bisschen an den Grand Canyon. Subjektiv betrachtet habe ich schlicht keine Lust, schwitzend in einem Gebirgsmassiv herumzustapfen. Überraschenderweise knickt auch mein wanderwütiger Hase schnell ein und bekommt Angst vor der eigenen Courage. Also drehen wir Helden nach etwa einer Stunde wieder um und nehmen uns fest vor, den nächsten Tag sinnvoller zu gestalten. Machen wir auch. Wir tun nämlich nichts, außer uns unglaublich zu entspannen. Am nächsten Morgen schlägt der Freizeit-Stress wieder voll zu. Bäh, der Wecker klingelt um acht Uhr. Wir holen zu unserem letzten großen Schlag aus und fahren nach Cannes. Im Hafen wienern Scharen von weiß livrierten Untergebenen emsig jeden Quadratzentimeter von fast obszön fetten Yachten. Ein Normalmensch müsste mehrere Leben lang durcharbeiten, um sich einen solchen 50-Meter-Brocken leisten zu können. Wir zeigen uns angemessen beeindruckt. Heimlich spähe ich auf die Räkel-Decks, aber Brad und Colin zeigen sich nicht. Mist. Da bleiben nur die Handabdrücke à la Walk of Fame vor dem hässlichen, aber bekannten Festspielpalast – von den Einheimischen treffend "Bunker" genannt. So kann ich mit den internationalen Größen immerhin "Give me five" spielen.

Langsam schleicht sich Wehmut in unsere Gedanken. Der Urlaub neigt sich dem Ende. Unseren letzten Abend verbringen wir in St. Tropez, bummeln durch die mittlerweile proppevollen Gassen und beschauen uns ein letztes Mal die auf Knatsch ins Hafenbecken gequetschten Yachten. Vor einem der Luxus-Bötchen hat sich ein enormer Menschenauflauf gebildet. Folgsam wie die Lämmer stellen wir uns dazu und warten. Nach einiger Zeit kommt eine sehr blonde Frau mit beachtenswert großen Möpsen die Gangway herunter: Pamela Andersen. Jan erkennt sie nicht, macht aber folgsam einige Fotos von dem Lehrstück für plastische Chirurgen. Während die Baywatch-Nixe zu einem Spaziergang aufbricht und die Menschenmenge ihr andächtig folgt, setzen wir uns auf die Hafenmauer und begutachten die eben geschossenen Fotos. Zoom – Pams Brüste prangen formatfüllend auf dem Display. Mein Hase gibt sein Urteil ab: "Ich glaube, das ist Pam."

Mit einem Seufzer kriechen wir an diesem Abend in unser Zelt. Schön war’s! Am Morgen packen wir unseren Kram zusammen, und Lola zeigt sich aufs Neue sehr kooperativ. Wir winken noch einmal den Pinien und zuckeln los gen Hamburg. Vor dem Elbtunnel – vier Kilometer von unserer Haustür entfernt – geht gar nichts mehr. Der Sprecher im Radio klärt uns auf: Heute Abend gibt Robbie Williams ein Open-Air-Konzert. Na also! Pam in allen Ehren, aber warum in die Ferne schweifen, wenn Robbie nach Hamburg kommt? An diesem Abend sitzen wir auf unserem Balkon, grillen und lassen die letzten 14 Tage, 4000 gefahrene Kilometer, Diesel für 250 Euro und zwei Flaschen Sonnencreme Revue passieren. Dazu hören wir Robbie im benachbarten Volkspark seine größten Hits schmettern. Voilà!

Autor: Stephanie Kriebel

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.