Immer Kummer mit der Nummer

Immer Kummer mit der Nummer

— 09.05.2006

Kennzeichen D

Typisch deutsch: In Zulassungsstellen wird aus Prinzip gestreikt, Autofahrer mssen warten und warten. Immerhin ist Besserung in Sicht.

Die Angestellte der Zulassungsstelle will schnell auf ihr Amt: "Lassen Sie mich durch, sonst werden sie nicht abgearbeitet", bellt sie die Menschentraube vor der Tr an. Frechheit siegt: Verblfft bilden die 80 Mnner und Frauen eine Gasse. Dabei htten eher die Wartenden einen Grund, patzig zu werden. Denn seit Mitte Februar geht auf den vier Zulassungsstellen des Hamburger Landesbetriebs Verkehr fast nichts mehr. Die Hlfte aller Beschftigten streikt, um weiterhin nur 38,5 statt 40 Stunden pro Woche arbeiten zu mssen. In Bremen das gleiche Spiel, die Kollegen in Baden-Wrttemberg arbeiten mittlerweile wieder.

Alles zum Thema Kfz-Kennzeichen

Sprlich besetzte Notdienste speisen in Hamburg-Mitte frhmorgens ein paar Bittsteller mit Wartemarken ab. Eine staatliche Nummernlotterie, bei der jeden Tag etwa 150 Autofahrer eine amtliche Audienz gewinnen. Das Gros der Bittsteller geht leer aus. Walter Hagen ist bereits zum siebten Mal um fnf Uhr aufgestanden und wird mit seiner Ummeldung wieder auf den nchsten Tag vertrstet.

38,5 statt 40 Stunden. Diese Forderung erscheint angesichts des angestrebten Brokratieabbaus an deutschen Zulassungsstellen absurd. Denn eine von den Lndern angestrebte Reform knnte Tausende der jetzt um ein paar Stunden Streikenden arbeitslos machen. AUTO BILD erfuhr im Bundesverkehrsministerium: In Flchenlndern sollen sich Fahrzeughalter nach einem Umzug kein neues Nummernschild mehr holen mssen. Wer also innerhalb Hessens von Wiesbaden nach Kassel umzieht, kann auch in der neuen Heimat "WI" im Schilde fhren.

In die gleiche Richtung geht ein Vorsto des bayerischen Landtagsabgeordneten und Kfz-Innungsmeisters Klaus Dieter Breitschwert (CSU): Der Politiker will, da Autos knftig direkt beim Hndler zugelassen werden knnen. Vorbild ist Holland: Lizensierte Autohuser haben dort Zugriff auf den nationalen Zulassungscomputer und knnen via Internet anmelden. Die fast sicheren Folgen beider Vorschlge: weniger Vorgnge, weniger Arbeit und deshalb weniger Jobs!

Aber dagegen geht nicht ein Landesangestellter auf die Strae! Ein Streik zur falschen Zeit? "Die Gewerkschaften sgen auf dem Ast, auf dem ihre Mitglieder sitzen", sagt Niedersachsens Finanzminister und Arbeitgebervertreter Hartmut Mllring (CDU). Doch die Gescholtenen bleiben stur: "Die Arbeit auf der Zulassungsstelle ist kein Zuckerschlecken. Es ist verstndlich, da die Beschftigten dort nicht fr weniger Geld lnger arbeiten wollen", sagt Ver.di-Bundesvorstand Kurt Martin. Das klingt nach noch mehr Kummer mit der Nummer.

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen gnstig kaufen und Geld sparen.


Kfz-Versicherung