Imola-Racing 360 GT Evoluzione

Imola-Racing 360 GT Evoluzione Imola-Racing 360 GT Evoluzione

Imola-Racing 360 GT Evoluzione

— 22.12.2003

Schürzen-Jäger

Ein Brüller aus Wiesbaden: Dank Karosserieteilen aus dem Challenge-Cup saugt sich der um 75 PS gestärkte und Sound-optimierte 360 Modena fest an den Asphalt.

Durchkomponierte italienische Oper

Der erste Gedanke: Es wäre hilfreich, einsam in der Lüneburger Heide zu leben. Da schrecken nachts wenigstens statt empörter Nachbarn nur ein paar müde Heidschnucken hoch, wenn der Trieb auf eine schnelle Runde über die Autobahn mal wieder obsiegte. Es ist nicht zu überhören, wenn der Fahrer – mit beseeltem Grinsen im Gesicht und zwei sinnlosen Gasstößen – den Tag besiegelt.

Und während im bildschön veredelten Maschinenraum (Luftfilterkästen aus Carbon, hochglanzpolierte Abdeckung für die Schaltsaugrohre und Kühlflüssigkeitsbehälter, hitzefest ummantelte Schläuche, rote Öltemperaturanzeige) die heißen Teile unter metallischem Knistern langsam abkühlen, lässt man den Tag Revue passieren. Erstaunlich, wie die Geräusche aus Sportkatalysatoren und Sportauspuff abgezockte Motorjournalisten in entrückt grinsende Freaks verwandeln ...

Der Imola-Racing 360 GT Evoluzione brüllt und faucht, dass man innerstädtisch auch drei Häuserblocks entfernt noch zusammenzuckt. Eine durchkomponierte, basslastige italienische Oper. 400 PS leistet der Modena laut Werksangaben, zusätzliche 75 PS kitzelt Imola-Racing durch Maßnahmen wie geänderte Elektronik, Luftführung und -filter, Sportnockenwellen und Kraftstoffkühlung heraus.

Ausgezeichnetes Handling

Der (Auf-)Preis: 19.500 Euro. Das Ergebnis: 435 PS. Wie bitte? Das Problem: Nach 5000 Kilometer Einfahrstrecke hat Imola-Racing den Serien-V8 auf einem Maha-Prüfstand in Mainz mit gerade mal 360 statt 400 PS gemessen. Dann erfolgte der Motorenumbau, der 75 Mehr-PS bringen sollte – und auch exakt brachte. Eine weitere Prüfstandmessung ergab 435 PS. Zu wenig? Für den akribischen PS-Zähler: ja. Für den notorischen Sekundenfreak: auch.

Aufgrund fehlender Power, des höheren Gewichts (unter anderem bringen Sportsitze und Lederhimmel 35 Kilo gegenüber dem Basis-Modena) und herbstlicher Straßen- und Messbedingungen schafft der Evo den 100-km/h-Sprint nur in 5,2 Sekunden. Ferrari gibt für den Serien-Modena optimistische 4,5 Sekunden an, ein von uns früher gemessenes Werks-Auto brauchte ebenfalls 5,2 Sekunden.

Acht Zentimeter Bodenfreiheit

Die Enttäuschung währt nur kurz – denn der Imola 360 hat andere Vorzüge. Zum Beispiel das ausgezeichnete Handling. Das liegt an den aerodynamischen Umbauten, allesamt aus Carbon: Frontschürze, Seitenschweller, Heckflügel, Heckschürze und Diffusor basieren auf dem homologierten Kit der FIA-GT-Meisterschaft. "Sie verdoppeln etwa den Anpressdruck auf Vorder- und Hinterachse", sagt André Iten, einer der zwei Imola-Chefs. Allein der Flügel hinten presst das Heck des schwarzen Boliden ab 260 km/h mit 180 Kilo zusätzlich auf die Straße.

Und das ist deutlich spürbar. Sogar beim Topspeed von 300 km/h ist der Ferrari zu fahren wie ein sportlicher Kompakter bei 100 km/h. Die Carbon-Teile drücken den Boliden unnachgiebig gen Erdmittelpunkt, und von den zugegebenermaßen alltagsfeindlichen acht Zentimetern Bodenfreiheit bleiben bei zügiger Fahrt noch weniger übrig. Der Wagen wird weder vorn noch hinten leicht, ist relativ leicht zu beherrschen und läuft unbeirrbar geradeaus.

Das Wohlbefinden des Fahrers wird verstärkt durch die vom Tuner selbst entwickelten, standfesten Sportbremsen und das einstellbare Sportfahrwerk. Wobei die "Komfort"-Einstellung sportlich genug ist, um zügig auf öffentlichen Straßen zu fahren, die "Sport"-Einstellung hart genug, um die Rennstrecke sicher zu meistern. Dort macht es einen Heidenspaß, das Auto (mit ausgeschaltetem ASR) um die Kurven zu zirkeln. Dank einer Gewichtsverteilung von 49 vorn zu 51 Prozent hinten bleibt er bis hin zu atemberaubendem Tempo weitgehend neutral, und wenn die "Black Beauty" doch mal quer kommen sollte, ist der Wiesbadener Italiener leicht wieder einzufangen.

Preise und Austattung

Das ist gut so; denn es wäre sehr schade, würde der teure Modena (Basispreis rund 133.000 Euro plus Tuning im Gegenwert eines nagelneuen BMW 735i macht insgesamt 200.770 Euro) an der Mauer zerschellen. Zu teuer?

Na ja. Immerhin gibt es dafür einen extrem seltenen Blickfang, einen unvergleichlichen Brüller und vor allem ein aufregendes "ImeBiG"-Auto: "Immer mit einem Bein im Gefängnis." Aber so fahren wir natürlich nicht ...

Fazit und Technische Daten

Fazit Imola-Racing (Telefon 0611/ 974 09 25, www.imolaracing.de) hat es geschafft, den 360 Modena zu optimieren, ohne die Ferrari-Tugenden wesentlich zu verändern. Das Karosseriekit ist aerodynamisch sehr wirkungsvoll, alle Teile sind qualitativ hochwertig und damit teuer. Schade, dass das Motortuning nicht voll zum Tragen kommen kann. Darüber tröstet – ein bisschen – der Gänsehaut-Sound hinweg.

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