Indianapolis 500

Indianapolis 500

— 27.05.2008

Schnell, schön, sauer

Die Schöne wird zum Biest: Nach der Kollision beim Indy 500 konnte sie, wie schon in Milwaukee, nur mit Mühe von Streckenposten eingefangen werden. Da war der Sieg von Scott Dixon fast Nebensache.

Der Neuseeländer Scott Dixon feierte am Sonntag ( 25. Mai 2008) seinen ersten Triumph bei den 500 Meilen von Indianapolis eher unterkühlt, die Bilder des Tages lieferte "Supergirl" Danica Patrick. Schäumend vor Wut stapfte die 26-jährige Amerikanerin wie einst Michael Schumacher in Spa in die Box von Ryan Briscoe und war nur mit Mühe von Streckenposten einzufangen. "Vielleicht ist es besser so, wenn ich jetzt nicht zu ihm hingehe", schimpfte Patrick wie ein Rohrspatz, nachdem der Australier sie in der Boxengasse nach dem letzten Tankstopp 30 Runden vor Schluss auf Platz sieben liegend "abgeschossen" hatte. Schumacher war 1998 in Spa nach einem Unfall mit David Coulthard dem Schotten fast an die Gurgel gegangen. Eine ähnliche Begegnung mit der temperamentvollen Patrick, die Fahrerkollegen schon öfter deutlich ihre Meinung gesagt hat, blieb Briscoe bei der 92. Auflage des ältesten Autorennens der Welt (seit 1911) gerade noch erspart. Im Boxenfunk unmittelbar nach dem Zusammenstoß hatte sie den Australier als Idiot beschimpft. Zwei schlimmere Kraftausdrücke wurden von einem Piepton überdeckt.

Als sich Patrick, die vor einigen Wochen als erste Frau ein Rennen der Indy-Car-Serie gewonnen hatte und vom ganz großen Triumph im berühmten "Nudeltopf" träumt, wieder ein bisschen beruhigt hatte, entschuldigte sie sich für ihren Gefühlsausbruch. "Ich bin halt ein sehr emotionaler Mensch“, sagte sie. Die Schuld für den Unfall gab sie aber dennoch Briscoe, der ihrer Meinung nach aus seiner Box nur auf die innere Fahrbahn und nicht bis auf ihre äußere Linie hätte fahren dürfen. "Es war vorhersehbar, was passiert“, meinte Patrick, der Honda bereits einen Formel-1-Test abgeboten hat. Briscoe fühlte sich unschuldig. "Sie hatte noch genug Platz, um außen an mir vorbeizufahren", sagte der "Aussie", der zum Zeitpunkt des Crashs in der 171. von 200 Runden ebenfalls in den Top 10 lag.

Kaum zu glauben. Die schnellste und schönste Frau im Motorsport kann mächtig ausrasten.

Patrick gab allerdings ehrlich zu, dass es für den großen Triumph wohl auch ohne den Unfall nicht gereicht hätte. "Ich weiß nicht, ob wir schnell genug gewesen wären. Aber wir hätten sicher unter die besten Fünf kommen können", sagte die Amerikanerin, die 2005 den Indy-Triumph ganz knapp verpasst hatte und nach Benzinmangel kurz vor Schluss nur Vierte geworden war: "Es ist nur sehr schade, denn wir haben uns den ganzen Monat den Arsch abgearbeitet." Dixon, der von der Pole Position gestartet war und in einem Rennen mit vielen Zwischenfällen und insgesamt 18 Führungswechseln am Ende mit 1,7 Sekunden Vorsprung vor dem Brasilianer Vitor Meira sowie dem Amerikaner Marco Andretti gewann, war überwältigt von seinem Erfolg. "Das ist ein unbeschreibliches Gefühl, aber ich zeige meine Emotionen nicht so offen", meinte der Neuseeländer, der wie Formel-1-Weltmeister Kimi Räikkönen aus Finnland den Spitznamen "Iceman" trägt.

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