IndyCar

IndyCar: Montoya im Interview

— 25.03.2016

„IndyCar ist viel härter als Formel 1“

Juan-Pablo Montoya im Interview mit AUTO BILD MOTORSPORT über die Bedeutung des Indy 500 und warum IndyCar schwieriger ist als Formel 1.

Diese IndyCar-Saison ist wegen der Jubiläusausgabe des Indy 500 etwas Besonderes. Wo stehen Sie und ihr Team zu Beginn des Jahres?

Juan-Pablo Montoya: Dieses Jahr wird ein interessantes Jahr. Letzte Saison war schon gut. Leider haben wir die Meisterschaft nicht gewonnen, aber alles in allem lief es sehr gut. Jetzt geht es wieder neu los und wie immer ist es schwer zu wissen, wo man steht. Man versucht das Beste zu geben und schaut dann, wo man steht.

Letztes Jahr haben Sie die Meisterschaft knapp verloren, aber das Indy 500 gewonnen. Was ist wichtiger?

'JPM' ist auch mit 40 noch sehr erfolgreich unterwegs

Definitiv das Indy 500. Die Leute erinnern sich immer daran, wer das Indy 500 gewonnen hat, aber nicht wer Meister geworden ist. Das ist verrückt, aber so ist es. Das gleiche in Le Mans: Wer hier gewinnt, ist der König. Der Rest der Rennen interessiert nicht wirklich.

Was ist das Spezielle am Indy 500?

Die Strecke, vor allem die Historie, einfach alles. Ich denke, die Leute realisieren nicht, wie flott wir da tatsächlich fahren. Vor dem Fernsehen sieht man zwar, dass es schnell ist, aber nicht wie schnell. Als ich hier das erste Mal an der Box gestanden bin und die Autos vorbeigerast sind, dachte ich mir „Oh mein Gott, ist das echt?“. Aber man darf auch nie zu viel Respekt vor Indy haben. Wenn man immer im Kopf hat, dass das Rennen speziell ist, setzt du dich nur unter Druck und bringst dich in eine schlechte Position.

Was sind die Hauptunterschiede zwischen der IndyCar und der Formel 1?

Zwischen 2001 und 2006 fuhr Montoya F1, galt als Heißsporn auf und neben der Piste (s. Video unten)

Wir sind nicht so schnell auf der Geraden, weil wir keine Energierückgewinnung und keine Hybrid-Unterstützung haben, aber dafür haben wir Abtrieb ohne Ende und sind in den Kurven schneller. Die IndyCars sind also von den Kurvengeschwindigkeiten und dem Bremsverhalten her wie die alten F1-Autos. Nur haben wir keine Servolenkung und erreichen in Phoenix bis zu 5G, es ist also noch härter. Die Formel 1 hat in den letzten Jahren versucht, das Racing besser zu machen. Mit dem Heckflügel, dem DRS und all den Sachen muss man aber nicht mehr so hart kämpfen. Hier musst du schauen, dass du wirklich gut aus den Kurven rauskommst, damit man überholen kann.

Außerdem sind alle Autos gleich. Es ist also egal, in welchem Team zu bist. Jeder hat eine realistische Chance zu gewinnen. Es gibt ein paar Dinge, an denen du arbeiten kannst, aber das meiste ist gleich. Du kannst also ein Bild vom Setup der Autos machen und es kopieren. Das macht es für jedes kleine Team einfach, sehr nah an der Spitze dran und konkurrenzfähig zu bleiben. Die Letzten sind manchmal nur wenige Zehntel von der Spitze weg. Wenn du hier im Qualifying einen Fehler machst, bist du sofort sehr weit hinten. Wenn du in der Formel 1 im besten Auto sitzt, brauchst du dir über so etwas keine Gedanken machen. Das ist dort einfach kein Faktor.
Gewinnt also nur in der IndyCar der beste Fahrer?


Entspannte Atmosphäre: Montoya feiert den Sieg beim Auftaktrennen zur diesjährigen Saison standesgemäß

Nein, auch in der IndyCar kommt es auf verschiedene Faktoren an. Nicht nur auf das Tempo eines Fahrers, sondern auch wie er sich das Rennen einteilt, wie die Strategie des Teams ist – das macht es auch schwer. Man hat zum Beispiel den Überholknopf, aber den darfst du nur ein paar Mal benutzen. Den musst du also richtig einsetzen. In der Formel 1 können sie jedes Mal, wenn sie nah dran sind, DRS einsetzen. Du musst dir also einteilen, wann du den Knopf drückst. Das machst du natürlich immer am Rennstart und sobald jemand dicht hinter dir ist. Der Fahrer muss also viel strategischer Fahren als in jeder anderen Serie.

Vermissen Sie die Formel 1?

Nein, da gibt es zu viel Politik. Das ist echt schade. Als Kind habe ich immer davon geträumt, eines Tages dort zu fahren. Ich hab’s geschafft, hab Rennen gewonnen und mich gut geschlagen, aber die Politik hat alles zerstört, was die Formel 1 ausgemacht hat.

Gibt es in der IndyCar keine Politik?

Doch auch, aber nicht innerhalb des Teams. Es wird innerhalb der Serie Politik gemacht wie überall, aber im Team arbeiten wir alle eng zusammen.

Wie ist der Stand der IndyCar-Serie heute?

Die Formel 1 vermisst Montoya, er sie hingegen nicht

Die Leute mögen diesen Sport, sie genießen es, hier her zu kommen. Die Atmosphäre ist herzlich und relaxt, die Autos machen Spaß zum Fahren und das sehen die Fans gerne. Schau sie dir an: Sie kommen nah ran an die Autos, sie laufen durchs Fahrerlager, wir geben jedes Mal Autogrammstunden. Wir verstecken nichts, wir machen das alles für die Fans. Das ist ein Sport und hier liegt der Fokus auch auf dem Sport. Durch den Split wussten die Leute nicht mehr, was sie schauen sollten und sind zur NASCAR gegangen. Die NASCAR hat dann einen großen Sprung nach vorne gemacht, aber jetzt gehen sie denke ich den falschen Weg und die IndyCar bringt viele ihrer Fans zurück. Das Standing der Serie ist also gut. Wenn ich etwas ändern müsste, dann würde ich mir noch mehr Leistung wünschen.

Sie fahren mit 40 Jahren noch an der Spitze der IndyCar mit. In der Formel 1 ist man mit 36 schon im Spätherbst seiner Karriere. Wieso kann man in der IndyCar länger so gut sein, obwohl das Fahren hier ohne Fahrhilfen anspruchsvoller ist?

In der Formel 1 machen sie um das Alter ein großes Aufhebens. Da muss man jung sein, um damit anzufangen und irgendwann sind die Fahrer auch mal satt. Ich denke jeder hier aus der IndyCar, auch wir Oldies, könnten in der Formel 1 noch vorne mitfahren. In der IndyCar ist Erfahrung sehr wichtig. Wenn ein junger Fahrer schneller wäre als wir alten Säcke, dann wären wir draußen. Aber wir gewinnen noch. Schau dir an: Alle erfahrenen Fahrer sind vorne dabei. Und das jede Woche. Wir machen weniger Fehler, wir fahren konstanter und wir gewinnen öfter.

Im Winter haben Sie für Porsche einen LMP1-Sportwagen getestet. Wollen Sie in Zukunft in Le Mans fahren?

Geschlossenes Cockpit: Montoya beim Porsche-Test

Vielleicht ja, vielleicht nein. Ich habe da keine Eile, das zu entscheiden. Der Porsche-Test war zum Spaß und hat auch Spaß gemacht. Ich bin glücklich damit, was ich hier mache und solange Penske mich behalten will, bleib ich auch.

Ihr Sohn Sebastian fährt auch schon Kartrennen. Haben Sie da als Vater Angst?

Nein! Anfangs war es wirklich stressig, aber jetzt geht es darum, was er falsch macht und was er richtig macht und ihm genau das zu zeigen. Ich versuche ihm überall zu helfen, wo es geht. Er fährt gerade für Birel in der amerikanischen Kartszene und macht sich da sehr gut. Er hat noch viel Zeit – und er hat die Leidenschaft fürs Racing.

Diese Reise wurde unterstützt von ESPN.

Autor: Michael Zeitler

Fotos: Getty Images / Picture-Alliance / JPM Instagram

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