Infiniti M35h: Test — 16.08.2011
So schön kann Sparen sein
Der Infiniti M35h ist eine Wohlfühloase im hektischen Autoalltag – Vollausstattung, weiches Leder, sanfte Klimabrise, sparsamer Hybridantrieb. Nur ein prestigeträchtiger Name fehlt ihm.
Überblick: Alle News und Tests zum Infiniti M
Infiniti will offenbar eher mit inneren Werten überzeugen, wenngleich sich der Viertürer auch sehr um ein gefälliges Äußeres bemüht. Er ist eine stattliche Oberklasse-Limousine mit sanft geschwungenen Linien und fließenden Formen, die versuchen, die wahren Ausmaße zu kaschieren – wie ein geschickt geschnittener Smoking bei einem etwas zu fülligen Opernsänger. Es gibt unansehnlichere Autos in dieser Klasse. Doch auch auffälligere. Der Infiniti verschwindet fast im Großstadtverkehr – nicht nur wegen seines grundierungsgrauen Lacks. Diskreter kann Premium kaum ausfallen. Das gefällt dem Tester, ist jedoch fürs Überholprestige nachteilig. Smart quetschen sich vor die Nissan-Nase, Paketfahrer räumen nur ungern die linke Spur. Durch diese Manöver wird der Infiniti immer langsamer – weil der Distance Control Assistent automatisch stets den vorschriftsmäßigen Abstand hält. Der DCA ist Teil des Dynamic Safety Shield, eines kompletten Rundumprogramms elektronischer Fahrassistenten vom intelligenten Tempomaten bis zum Spurwechsel-Assistenten.Überblick: Alle News und Tests zu Infiniti
Es ist beim M35h GT Premium serienmäßig an Bord, dient unzweifelhaft der Fahrsicherheit, jedoch ebenso dem Spieltrieb des Fahrers. Zum Glück lässt es sich komplett abschalten oder über den Bordcomputer konfigurieren. Währenddessen kann die Besatzung den feinen Klang der Soundanlage genießen, die auch die leisen Töne von Mark Knopflers Gitarre sauber reproduziert. Es ist sehr leise im Infiniti. Dank der Doppelverglasung und des Hybridantriebs, der den M35h bei Stadttempo elektrisch dahinrollen lässt. Das funktioniert sogar bei schnellerer Fahrt. Erst bei rund 100 km/h ist endgültig Schluss, spätestens dann schaltet sich der V6 dazu. Natürlich tut er das viel früher, wenn man etwas heftiger aufs Gas steigt. Dabei funktioniert das Zusammenspiel der zwei Kupplungen mit den beiden Motoren und der Siebenstufenautomatik angenehm unauffällig. Kleine Piktogramme zwischen Drehzahlmesser und Tacho zeigen den Kraftfluss, und der große Navigationsmonitor präsentiert auf Knopfdruck dasselbe Spiel in Farbe und Cinemascope. Liest sich alles sehr gemütlich und entspannend. Ist es auch.Doch der M35h kann auch anders. Beim Ampelstart das Fahrpedal in den Teppich rammen, schon schießt der Infiniti davon, als gelte es, ein Viertelmeilen-Rennen zu gewinnen. Zwar verfehlte der Testwagen die Werksangabe für den Spurt von null auf 100 km/h um 0,2 Sekunden (5,7 s), doch selbst damit ist er immer noch schneller als die meisten anderen Oberklasse-Hybriden. Noch beeindruckender der Wert für den Zwischenspurt von 80 auf 120 km/h: 3,6 Sekunden. Das sind echte Sportwagenzeiten. Doch selbst dabei zeigt der Nobel-Nissan keine unangemessene Hektik. Die Automatik wechselt die Fahrstufen auch unter Volllast bedächtig und diskret. Kick-down-Befehle werden nur zögerlich befolgt, so als fragten Kupplungen und Getriebe: "Bist du sicher, dass wir jetzt bei 60 km/h den niedrigstmöglichen Planetenradsatz einwerfen sollen?" Während Sie noch "Ja" denken, fliegt der M35h dann schon am Landstraßenlimit über die Chaussee.
Schnelle Kurvenfahrten liegen ihm dagegen nicht so sehr. Dazu gibt die elektrohydraulische Servolenkung zu wenig Rückmeldung, und die Bremse ist – wie bei fast allen Autos mit Bremsenergierückgewinnung – nicht besonders gut dosierbar. Nicht dass sie schlecht wäre, im Gegenteil, sie bringt den M35h selbst heißgebremst in 36,2 Metern zum Stehen. Gemessen an den guten Fahrwerten geht auch der Verbrauch in Ordnung: Auf der Testrunde genehmigte sich der M35h 8,6 Liter, bei sehr sparsamer Fahrweise kann auch eine Fünf vor dem Komma stehen. Was das nun alles kostet? Antwort: viel, aber immerhin weniger als gedacht. Den M35h gibt es ab 56.600 Euro, den GT Premium mit allem, inklusive Festplatten-Navi, Safety Shield und Metalliclack, für 63.650 Euro. So dürfte sich der Infiniti M35h schnell einen Namen machen.
Hintergrund: So testet AUTO BILD
| Fahrzeugdaten | Infiniti M35h |
|---|---|
| Motor | V6, vorn längs, + Elektromotor |
| Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/4 |
| Nockenwellenantrieb | Kette |
| Hubraum | 3498 cm³ |
| kW (PS) bei 1/min, Systemleistung | 225 (306)/6800 + 50 (68)/1770 (E-Motor), 268 (364) |
| Nm bei 1/min | 350/5000 + 270/1770 (E-Motor) |
| Vmax | 250 km/h |
| Getriebe | Siebenstufenautomatik |
| Antrieb | Hinterradantrieb |
| Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
| Testwagenbereifung | 245/50 R 18 W |
| Radgröße | 8 x 18" |
| Abgas CO2 | 162 g/km |
| Verbrauch* | 9,2/5,5/7,0 l |
| Tankinhalt | 70 l/Super |
| Anhängelast gebr./ungebr. | 1500/750 kg |
| Kofferraum | 350 l |
| Grundpreis | 62.700 Euro** |
| * innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km; **inkl. Ausstattung "GT Premium"; Modell "GT" ab 56.600 € erhältlich | |
| Messwerte | Infiniti M35h |
|---|---|
| Beschleunigung | |
| 0–50 km/h | 2,4 s |
| 0–100 km/h | 5,7 s |
| 0–130 km/h | 9,1 s |
| Zwischenspurt | |
| 60–100 km/h | 2,8 s |
| 80–120 km/h | 3,6 s |
| Leergewicht/Zuladung | 1910/490 kg |
| Gewichtsverteilung vorn/hinten | 52/48 % |
| Wendekreis links/rechts | 12,0/12,1 m |
| Bremsweg | |
| aus 100 km/h kalt | 36,2 m |
| aus 100 km/h warm | 36,2 m |
| Innengeräusch | |
| bei 50 km/h | 57 dB (A) |
| bei 100 km/h | 65 dB (A) |
| bei 130 km/h | 69 dB (A) |
| Testverbrauch – CO2 | 8,6 l S – 200 g/km |
| Reichweite | 810 km |
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Kommentare zum Artikel (102)
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Wann kommt in den Hirnen der deutschen Autobahnraser endlich an, dass 200km/h außerhalb Deutschlands weitab der erlaubten Geschwindigkeit liegt? Außer in D liegt das Tempolimit bei 130km/h (+/- 10-20 in einzelnen Ländern)! In diesem Geschwindigkeitsbereich sind Benzin-Hybride durchaus konkurrenzfähig im Verbrauch mit Dieseln, erzeugen aber wesentlich weniger Schadstoffe und (außer Direkteinspritzern) keinen Ruß. Und der Fahrkomfort beim Cruisen ist in einem Vollhybrid einfach traumhaft.
zu teuer, zu lahm und auf der Autobahn zu durstig. Für weniger Geld gibt es einen Diesel mit gleichen Fahrleistungen, der auch bei 200 nicht säuft wie die Benzin-Hybride.
@A6 Hybrid ist auch überflüssig: Noch einer der so gar nichts verstanden hat.
An den Kommentator unter mir, ich lebe in New York!
Offenbar waren Sie noch nie in New York, dort fahren viele deutsche Autos, BMW, Mercedes, Porsche und Audo, besonders die Q5 und Q7. Amerikanische Autos sind in USA nur was für die Unterschicht, die Mittelschicht fährt Asiaten, die Oberschicht deutsche Autos.