Innovationsträger Formel 1

Innovationsträger Formel 1

— 03.11.2009

Die Wunder-Formel

Eine Ausstellung in London zeigt, dass sich technische Errungenschaften aus der Formel 1 schon nach kurzer Zeit im Alltag wiederfinden. Beim Fahrradfahren – und sogar beim Angeln!

Zugegeben: Man kann sich noch so heftig in die Pedale krallen und wie eine Katze den Rücken krümmen – an echtes Formel 1-Tempo wird man mit dem Hightech-Fahrrad "Factor 001" nicht ansatzweise herankommen. Doch in allem anderen ist die Rennmaschine ein Formel-1-Produkt: Sein ultraleichter Rahmen aus Kohlenstofffasern in Monocoque-Bauweise wiegt inklusive Ausrüstung schlappe sieben Kilogramm. Seine Karbon-Bremsen verzögern so hervorragend, dass man glatt ABS an Bord vermuten würde. Apropos: Mit Elektronik ist das Rekordrennrad reichhaltig versehen – es wurde ein Bordcomputer installiert, der über eine Anzahl von Sensoren Fahrdaten registriert und speichert. Auch biometrische Daten des Piloten können gesammelt und analysiert werden. GPS zur Orientierung auf der Strecke und Funkverbindung zum Rennstall gehören ebenfalls zur Ausstattung. Sämtliche Elektronik und andere Features sind in den Composit-Rahmen voll integriert. Selbst der Preis ist hundert Prozent Formel 1: Für umgerechnet 22.000 Euro kann man das High-Tech-Bike nach Hause schieben – und tunlichst gleich noch für 200 Euro zwei High-Tech-Schlösser dazu kaufen. Panzerkabel und Spezialmetall-Bügelschloss wiegen dann zwar zusammen mehr als das ganze Rad, aber sie sorgen zumindest dafür, dass es nicht Formel-1-mäßig blitzschnell verschwindet.

Noch mehr Formel 1 in unserem Alltag

Von wegen behindert: der erste Rollstuhl in Monocoque-Bauweise.

Das zweirädrige Wunderding ist einer der Höhepunkte der Formel-1-Ausstellung "Fast forward – 20 ways how F1 IS changing our world", die noch bis zum 5. April 2010 im London Science Museum gezeigt wird. Der Eintritt ist gratis. Der Titel der Ausstellung bedeutet sinngemäß "schnell vorneweg" und ist natürlich doppeldeutig: Neben dem Spitzentempo der Formel 1 an sich ging es auch um die Spitzentechnologie, die in der Königsklasse des Motorsports Einsatz findet und von dort schon häufig den Weg in den Alltagsgebrauch gefunden hat. Die Botschaft: Formel 1 ist weit mehr als dröhnende Boliden auf einem abgesperrten Kurs. Sie ist um uns herum. Und unter uns; zum Beispiel unter unseren Fußsohlen: Ein Schuhhersteller hat das Prinzip von Regenreifen aus der Formel 1 entlehnt, um rutschsichere Arbeitsschuhe zu fabrizieren. In einem siebenmonatigen Testlauf in einer Fabrik für Tierfutter konnte der Nutzen bewiesen werden: Es gab keinen einzigen Ausrutscher – allein in Großbritannien kommt es alle 25 Sekunden zu einem Arbeitsunfall durch Hinfallen.

Schneller beim Angeln

Guten Halt braucht auch der Angler; je dicker der Fisch, desto mehr Gewicht lastet auf der Leine. Und was hat Sportangeln jetzt mit Autorennen zu tun? Bei Formel-1-Reifen wurde in den vergangenen zehn Jahren die Haftreibung reduziert, indem man Kerben in die Lauffläche eingravierte. Das war allerdings der Sicherheit geschuldet, denn durch den geringeren Grip mussten Fahrer nun Kurven langsamer angehen. Dieses Prinzip wird neuerdings auch für Angelschnüre genutzt: Das einst runde Profil der Schnur ist nun sternförmig. Damit kann es viel schneller ausgeworfen und auch wieder eingeholt werden, denn die Haftreibung auf der Rolle ist erheblich geringer – wie bei den Boliden auf der Piste.

Erster Monocoque-Rollstuhl

Das ganze Leben ist ein Rennen – für die einen mit dem Auto, für die anderen mit dem Rollstuhl. Damit auch der möglichst schnell und ohne allzu viel Kraftaufwand von der Stelle kommt, hat sich jetzt ein Hersteller von Rennwagen inspirieren lassen und den ersten Rollstuhl in Monocoque-Bauweise auf den Markt gebracht. Er ist dank Kohlefaser-Struktur nicht nur extrem leicht und zugleich sehr stabil, sondern auch mit markantem Design ausgestattet, das aus dem medizinisch-altbackenen Hilfsmittel einen sportlich-futuristischen Lifestyle-Carrier macht.

Autor: Roland Wildberg

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