Insolvenz bei Autohäusern reißt Kunden mit.

Insolvenzen im Autohandel

— 17.07.2009

Händler pleite, Geld weg!

Die Insolvenzwelle rollt - und reißt gutgläubige Autokäufer mit. Wenn Autohäuser pleitegehen, ist die Anzahlung für den nächsten Wagen unwiderbringlich verloren. Eine Ausnahme wird nur beim Neuwagenkauf gemacht.

Finanzkrise und Verzögerungen bei der Auszahlung der Abwrackprämie haben in den vergangenen Monaten viele Autohändler in den Ruin gestürzt. Unseriöse Händler versuchen nun, finanzielle Engpässe zu überbrücken, indem sie bei der Bestellung eine Anzahlung verlangen. So auch vom Chemnitzer Harty Miersch (57), der seit 1991 begeistert BMW fährt. Im Oktober 2008 wollte er seinen betagten 5er durch einen drei Jahre alten 523i ersetzen. Ein Angebot des BMW-Traditionshändlers "Automag Buchner + Linse" in München entsprach seinen Wünschen, und so überwies Miersch nach der Bestellung am 24. Oktober 2008 eine Anzahlung von 20.000 Euro auf den Kaufpreis von 24.980 Euro. Den Rest wollte er bei Abholung des Wagens bezahlen.

BMW entschädigt nur Neuwagenkäufer

Daniel Kompalik zahlte 3000 Euro für seinen Kia cee'd an. Als der Händler in Konkurs ging, war das Geld futsch.

Dazu kam es jedoch nie. Nach vier Monaten erfuhr Miersch aus der Zeitung von der Insolvenz des Autohauses am 27. Februar. Drei Wochen vorher hatte er den Hersteller BMW um Hilfe gebeten – ohne Erfolg. Ob das Autohaus den 523i überhaupt an Miersch ausliefern wollte, ist zumindest fragwürdig. So hat Buchner + Linse den Fahrzeugbrief des 523i niemals beim Vorbesitzer, der BMW-Bank, angefordert. Dies bestätigt auch BMW-Sprecher Alexander Bilgeri gegenüber AUTO BILD. Man habe von dem Fall erst nach der Insolvenz erfahren. Deshalb fühle man sich für Harty Miersch nicht zuständig. So bleibt er auf 20.000 Euro Verlust sitzen – im Gegensatz zu geprellten Neuwagenbestellern, die BMW voll entschädigt.

Kia bliebt die Antwort bisher schuldig

Daniel Kompaklik (22) wollte beim Kia-Autohaus "Höselerstraße" im rheinischen Heiligenhaus einen cee'd als EU-Neuwagen für 13.000 Euro kaufen. Für EU-Autos, die vorfinanziert werden müssten, sei eine Anzahlung in Höhe von 8000 Euro nötig, so der Verkäufer. Weil Kompalik kurzfristig nur 3000 Euro vom Sparkonto abheben konnte, begüngte sich das Autohaus damit. Für Kompalik Glück im Unglück, denn kurz darauf kam die Pleite. Rund 90 Geschädigte soll es hier geben. Dass die auf Kulanz hoffen dürfen, ist unwahrscheinlich. Eine Anfrage von AUTO BILD beantwortete Kia nicht.

Jurist rät zum Treuhandkonto

Anwalt Thomas Brehm aus Hamburg: "Der Autokauf ist nach dem Hauskauf die zweitgrößte Anschaffung im Leben – und beim Haus kommt auch niemand auf die Idee, vorab ohne Sicherheiten zigtausend Euro zu überweisen. Wenn es partout nicht ohne Anzahlung geht, sollte der Käufer den Geldbetrag entweder besichern lassen (über eine Bankbürgschaft, die der Händler beibringt und bezahlt), oder die Summe auf das Treuhandkonto eines neutralen Dritten überweisen. So ist sichergestellt, dass der Zweck der Anzahlung, nämlich die garantierte Abnahme des bestellten Autos, erfüllt wird. Und das Geld nicht zur kurzfristigen Liquiditätsüberbrückung eines maroden Autohändlers verwendet werden kann."

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