Insolvenzgericht spaltet GM

Insolvenzgericht spaltet GM

— 02.06.2009

Gute Seiten, böse Seiten

General Motors hat Insolvenz angemeldet – nach spätestens 90 Tagen soll ein Teil des Ladens wieder laufen. Der andere Teil bereitet große Sorgen – darunter die Marken Hummer, Saturn, Saab und Pontiac.

(dpa) Der ums Überleben kämpfende US-Autobauer General Motors (GM) hat vor dem Insolvenzgericht erste Erfolge für den erhofften raschen Neustart erzielt. Zum Auftakt des in New York eröffneten Verfahrens legte der Richter einen straffen Zeitplan fest. Zur rettenden Finanzierung gab er bei der Anhörung zudem eine erste Tranche von 15 Milliarden Dollar (10,6 Milliarden Euro) für den führenden US-Hersteller frei. Nach Ablauf eines Ultimatums von US-Präsident Barack Obama hatte GM als letzte Überlebenschance zum Wochenanfang die Insolvenz beantragt. Der gut 100 Jahre alte Traditionskonzern GM will die Insolvenz binnen 60 bis 90 Tagen erfolgreich abschließen – also spätestens etwa Ende August 2009. Das Verfahren läuft rechtlich als Auktion, weitere Kaufangebote neben dem Regierungsplan werden aber nicht erwartet. Im größten Gläubigerschutz-Verfahren der US-Industriegeschichte soll der Konzern weitgehend verstaatlicht und gesundgeschrumpft werden, zehntausende Jobs gehen nochmals verloren.

Die bisherige 100-Prozent-Tochter Opel wurde gerade noch rechtzeitig vor dem Strudel der Insolvenz abgeschirmt. GM zieht sich bei Opel auf einen Anteil von 35 Prozent zurück und gibt die Mehrheit an den österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna und dessen russische Partner ab. Der Staat pumpt mehr als 50 Milliarden Dollar in GM, inklusive schon gezahlter 20 Milliarden Dollar. Zur weiteren Finanzierung seien exakt 33,3 Milliarden Dollar vorgesehen, gab GM bekannt. Der Konzern hat den Insolvenzunterlagen zufolge mehr als 100.000 Gläubiger. Einen ersten Schuldenkompromiss gibt es zwar mit einer Mehrheit der Kreditgeber, aber viele könnten sich noch querlegen.

Das Insolvenzgericht gab bereits grundsätzlich grünes Licht zur Aufspaltung in einen überlebensfähigen Konzernteil und Altlasten wie etwa 14 Werke, vier Marken (Hummer, Saturn, Saab, Pontiac) und tausende Händler. Nach langer Suche hat der einst weltgrößte Autoriese unterdessen für die Geländewagenmarke Hummer einen Käufer gefunden – Namen und Preis nannte der Hersteller nicht. Einwände gegen die geplante Übernahme durch Regierung, Gewerkschaft und Gläubiger müssen nun bis zum 19. Juni erhoben werden, eine Anhörung dazu ist für den 30. Juni 2009 angesetzt.

Die Zukunft von GM-Chef Fritz Henderson ist unterdessen offen. Der frühere Konzernvize hatte das Steuer erst vor zwei Monaten übernommen und soll GM nun auch durch die Insolvenz führen. Über einen späteren Wechsel an der Spitze wird aber immer wieder spekuliert. Beim Wettbewerber Chrysler tritt Chef Robert Nardelli zum Ende des Insolvenzverfahrens ab. Mit dem zur Rettung geplanten Einstieg des Fiat-Konzerns soll dessen Chef Sergio Marchionne auch bei Chrysler am Steuer sitzen. Der rasche Ablauf der Insolvenz beim drittgrößten US-Hersteller gibt GM Hoffnung auf ein ebenfalls zügiges Verfahren. Die USA und Kanada sollen zunächst 72 Prozent an GM übernehmen, die Gewerkschaft UAW bekommt für Milliarden-Zugeständnisse 17,5 Prozent. Die Gläubiger, denen GM 27 Milliarden Dollar schuldet, sollen zunächst zehn Prozent erhalten und später auf bis zu 25 Prozent aufstocken können.

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