International Auto Show Detroit 2003

Die neuen Bic Mäcs Die neuen Bic Mäcs

International Auto Show Detroit 2003

— 10.01.2003

Die neuen Big Mäcs

Groß, größer, Detroit: Die Amerikaner eröffnen 2003 mit Platz, Power und PS. Und Audi hält mit dem Pikes Peak voll dagegen.

Variabel wie ein Schweizer Offiziersmesser

Fauchend rollt ein Ford GT 40 in die Cobo Arena. Grelle Blitze zucken über die Bühne. Willkommen in Detroit. Die Ouvertüre zur International Auto Show 2003 könnte nicht spektakulärer sein. Die Konzern-Oberen Bill Ford, Nick Schele und J Mays überbieten sich mit Superlativen. Wie im Fernsehen bei David Letterman oder Jay Leno.

Nur dass der dieses Mal nicht als Talkmaster auf dem Podium sitzt, sondern mitten im Publikum. "Wir bauen eine bessere Welt", predigt Bill Ford. Pathetischer geht es nicht. Die Detroit Show ist die heilige Messe der Autogläubigen. Krise? Welche Krise? Auf der Ausstellung ist davon nichts zu spüren.

Im Gegenteil: Die Branche feiert sich und ihre Produkte mit großem Optimismus. Trotzig werden Konzeptautos und Modellneuheiten in gleißendes Scheinwerferlicht gerollt. Allen voran Ford. Die Marke feiert dieses Jahr ihren 100. Geburtstag. Auf der Show präsentiert der zweitgrößte Autobauer der Welt drei wichtige Studien: Der Freestyle FX ist ein familienorientierter Siebensitzer mit Allradantrieb. Clou: "Auf Knopfdruck verwandelt sich der Kombi in einen Pick-up oder in eine Stufenheck-Limousine und ist so variabel wie ein Schweizer Offiziersmesser", lobt J Mays seinen Entwurf. 2004 will Ford das Modell serienreif haben.

Ford 427: Siebenliter-V10 mit 598 PS

Das Model U ist Fords ökologisches Feigenblatt: Reifen und Dach werden recycelbar aus Mais hergestellt, das Motoröl wird aus Sonnenblumen gewonnen, der 2,3-Liter-Motor mit Wasserstoff betrieben.

Realistischer als der Öko-SUV sind der Ford 427 und der Mustang. Mit beiden Autos liegt Ford voll im Trend der Messe: Retromodelle und Musclecars mit aggressiven Formen und unvernünftig viel Leistung. Der 427 erinnert an den Galaxy der 60er Jahre. Angetrieben wird er von einem Siebenliter-V10 mit 598 PS. Ob er tatsächlich kommt, ist noch nicht sicher. Beschlossene Sache dagegen ist der Mustang GT. Ab 2004 ersetzt er das aktuelle Modell. Leistung: 405 Kompressor-PS und 529 Newtonmeter Drehmoment.

Aber nicht nur Ford zeigt Muskeln. Auch bei General Motors heißt das Motto "Zurück in die Zukunft". Vize-Boss Bob Lutz lässt vier Studien vorfahren. Und was für welche! Der Cadillac Sixteen protzt mit ungeheuren 1000 PS aus einem Sechzehnzylinder. Womit Lutz an die glorreiche Vergangenheit der amerikanischen Luxusmarke erinnern will. Dazu passt auch der viertürige SS im Coupé-Look mit 430 PS aus sechs Liter Hubraum.

"Letzte US-Show, die ohne Diesel auskommt"

Fast schon serienreif ist der Pontiac G6. Der Allradler wird von einem V6-Kompressormotor angetrieben und soll ebenfalls vier Personen Platz bieten. Der Buick Centieme ist GMs Gegenstück zum VW Touareg. Und mit dem Cheyenne zeigt Chevy erstmalig einen Pick-up, bei dem die Ladefläche über zwei seitliche Türen bequem erreichbar ist.

Alte Werte sind in turbulenten Zeiten wieder gefragt – auch bei Chrysler: Der völlig überarbeitete Dodge Durango SUV bekommt Anleihen an den Dodge Power Wagon von 1946. Außerdem belebt Chrysler die Vokabel Hemi mit neuem Leben. Brennräume mit Halbkugel-förmiger (hemisphärischer) Ausprägung sollen die sportlichen Werte der Marke betonen. Auf der anderen Seite bietet Chrysler den Jeep demnächst mit einem 2,8-Liter-Common-Rail-Diesel an. Ein Schritt, der in die richtige Richtung weist.

"Das ist die letzte US-Show, die ohne Diesel auskommt", ist sich Bernd Pischetsrieder sicher. Der VW-Chef glaubt, dass amerikanische Autofahrer Kraft und Sparsamkeit der neuen Diesel schnell schätzen lernen, wenn erst der Benzinpreis noch weiter klettert. Doch statt mit dem V10-TDI, der nächstes Jahr zum Anschmecken folgt, kommt der Touareg vorerst mit dem Achtzylinder-Benziner und 310 PS in die USA.

Kubang – damit die Hosen sauber bleiben

Es sind eben Kraft und Größe gefragt, und deshalb rollt Audi den Pikes Peak quattro ins Rampenlicht: einen über fünf Meter langen Sechssitzer, der seinen Vorgänger allroad quattro aussehen lässt wie einen Golf. Der Riese steht auf der um 15 Zentimeter verlängerten Plattform des Touareg, trotzdem erinnert er sofort an den Grand Sports Tourer, den Mercedes plant. Eine Auto-Größe, an die Europäer sich erst gewöhnen müssen. Brauchen wir wirklich solche Schiffe?

Die Auto-Show gibt Antwort. Überall Riesen-Burgen. "Die Kunden wollen halt hoch sitzen", so Audi-Chef Martin Winterkorn, der uns durch die Studie führt. Die hinteren beiden Sitzreihen falten sich elektrisch zusammen, die Fondsitze fahren für einen bequemeren Einstieg nach vorn. Ganz hinten wird's für Erwachsene knapp unter dem abfallenden Dach, deshalb wird die Serienversion wohl etwas höher ausfallen. Der Pikes Peak kommt 2005 oder 2006, Audi will rund 30.000 Stück pro Jahr bauen. Ein Ziel so hoch wie das Auto.

Wie sportlich-elegante SUV aussehen können, zeigt Maserati mit dem Kubang. Die Studie eines Allradlers, benannt nach einem Wind in Indonesien, entwarf Italdesign: "Mein Vater ärgert sich, dass er sich beim Aussteigen aus seinem BMW X5 immer schmutzige Hosenbeine holt", erzählt Fabrizio Giugiaro. Deshalb liegt der Kubang tiefer, soll sportlicher fahren, was mit seinen 390 PS kein Problem sein sollte. Bislang ist der "GT Wagon" nur eine Hülle – aber eine schöne.

Motto der Show: Big IS beautiful

Wo bleiben die kleinen, flexiblen und sparsamen Neuheiten? Nissan präsentiert den Murano, einen kompakten Allradler mit CVT-Getriebe, der deutsche Entwickler magisch anzog. "Sollten wir schnell bauen", raunten sie hinter vorgehaltener Hand. Aber bitte mit Diesel und bescheidener als die 245 PS starke Version, die in den USA schon verkauft wird.

In diesem PS-Gewitter spielt die Brennstoffzelle kaum noch eine Rolle. Unscheinbar am Rande steht "das erste Brennstoffzellen-Auto der Staaten", ein Honda, den die Stadtverwaltung von Los Angeles geleast hat. Fast entschuldigend schreiben die Japaner, eine Serienfertigung sei nicht vorgesehen. Wenn die USA jemals lernen sollten, kleine Autos zu lieben, dann sind es kleine SUV, kleine Pick-up und kleine Achtzylinder.

Ansonsten bleibt es bei dem Motto: Big ist beautiful. Da kommt die Super-Luxusmarke Maybach mit ihrem USA-Debüt gerade recht. Die Staaten sind mit einem Marktanteil von 40 Prozent der wichtigste Einzelmarkt. Talkstar Jay Leno preist die Vorzüge der 300.000 Euro teuren Limousine: "Das beste Auto der Welt." Dieses Mal sitzt er auf der Bühne. Ganz offiziell und gegen Honorar. Nur eines stimmt dabei nachdenklich: Leno ist in erster Linie ein Komiker.

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