Autos der Zukunft: Studie "i-Car" gibt Auskunft

BMW Vision ConnectedDrive Studie für Genf 2011 BMW Vision ConnectedDrive Studie für Genf 2011

Internet im Auto

— 15.12.2011

Alle surfen – und wer lenkt?

Facebook, Twitter, Xing und Co – Kommunikation ist die Zukunft. Im total vernetzten Auto könnte sie gefährlich werden: nämlich dann, wenn der User am Steuer sitzt.

Das Auto als kommunikationsfreie Zone? Eine Horrorvorstellung für Leute, die ein Leben ohne Dauer-Zugriff auf Twitter, Facebook und Google für unzumutbar halten. Bei der Jugend läuft das Smartphone als Statussymbol dem Auto langsam den Rang ab. Die Zahl junger Neuwagenkäufer (bis 34 Jahre) geht zurück – in den letzten zehn Jahren von 630.000 auf 360.000. Logische Konsequenz für die Hersteller: Das Internet muss ins Auto. Die Informations- und Kommunikationssysteme von Audi (MMI), BMW (iDrive) oder Mercedes (Comand) sind schon heute auf Wunsch internetfähig – wenn auch nur im Stand oder per Sprachsteuerung. Die eingebauten Sperren sind indes leicht zu überlisten. Entsprechende Hard- und Software für grenzenloses Surfen während der Fahrt ist frei verfügbar.

Tja, und wer lenkt? Der Rinspeed Bamboo – 2011 in Genf präsentiert – gilt als ein Prototyp des vernetzten Autos der Zukunft.

Harmlos? Von wegen. Eine aktuelle Ford-Studie schreckt auf. Bereits heute greifen 47 Prozent der deutschen Autofahrer unbekümmert zum Handy, und 21 Prozent finden nichts dabei, am Steuer SMS zu tippen. Was passiert erst, wenn Google oder Twitter für jeden Fahrer verfügbar sind? Die EU sah diese fatale Entwicklung kommen und hat bereits im Mai 2008 eine Empfehlung für sichere, bordeigene Kommunikationssysteme verabschiedet: "Das Surfen im Internet bei gleichzeitigem Führen des Fahrzeugs soll aufgrund der Ablenkungswirkung automatisch unterbunden werden." Diese "Soll"-Empfehlung, laut Bundesverkehrsministerium von allen europäischen Autobauern akzeptiert, ist eine Farce: Jeder Besitzer eines Smartphone oder iPad kann während der Fahrt twittern oder mailen, bis der Akku glüht.

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Verkehrsexperten suchen nun nach Möglichkeiten zur Schadensbegrenzung. "Wenn wir das Ziel der EU-Charta ernst nehmen, bis 2020 die Zahl der Unfalltoten zu halbieren, darf der Fahrer nichtdurch überflüssige digitale Spielereien abgelenkt werden", mahnt der Brüsseler Europaparlamentarier Markus Ferber (CSU). Das sieht Jörg Ahlgrimm, Leiter der DEKRA-Unfallanalyse, genauso: "Die aktive Nutzung des Internets während der Fahrt, auch mit Hilfsmitteln wie Sprachsteuerung, ist grob fahrlässig und beeinträchtigt in hohem Maße die Verkehrssicherheit. Ein striktes Verbot und entsprechend intensive Überwachung sind deshalb unverzichtbar." Der Leiter des Allianz-Zentrums für Technik, Dr. Christoph Lauterwasser, pflichtet ihm bei: "Die mentale Ablenkung durch Kommunikationsformen jeder Art wird unterschätzt. Der Blick gehört auf die Straße, und die Gedanken müssen beim Fahren sein."

Thema Sicherheit im Auto

Der Auto Club Europa (ACE) fordert von den Autobauern wirksame Sicherheitsstandards für mobile Kommunikationssysteme: "Falls sie dazu nicht in der Lage sind, muss das der Gesetzgeber im Rahmen der Zulassungsvorschriften veranlassen", so ACE-Sprecher Rainer Hillgärtner. Bis es so weit ist, müssen wohl die ersten Internet-Junkies beim Linke-Spur-Surfen von der virtuellen Welt direkt ins Jenseits abbiegen. Und womöglich Unschuldige mit auf die Reise nehmen.

Autor: Hans W. Mayer

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