Interview Joachim Winkelhock

Interview Joachim Winkelhock

— 03.04.2002

"Nur mitzufahren reicht mir nicht"

Nach einem Jahr voller Pleiten, Pech und Pannen gibt sich Joachim Winkelhock (41) vor der neuen DTM-Saison zuversichtlich. Wir sprachen whrend einer Fitness-Woche in Saalfelden mit dem Opel-Werksfahrer.

"Mercedes ist zu schlagen"

Sie hatten 2001 ein Seuchenjahr: ein Auto, das nicht lief, technische Defekte und unverschuldete Rennunflle. War das die schlimmste Saison Ihrer Karriere? Joachim Winkelhock: Ja! Seit 1979 betreibe ich professionell Motorsport, aber so was hatte ich noch nie erlebt. Ich bin um eine schmerzliche Erfahrung reicher, auf die ich gerne verzichtet htte.

Gab es Augenblicke, in denen Sie auch an Rcktritt dachten? Am Anfang glaubt man noch, sich verbessern zu knnen. Aber immer, wenn wir meinten, einen Schritt weiter zu sein, haben auch die Wettbewerber einen Schritt nach vorn gemacht. Irgendwann dachte ich: Schluss! Aus! Fertig! Wichtig war fr mich, dass ich mir keinen Vorwurf machen musste. Ich habe bis zum Schluss alles gegeben. Im Nachhinein muss ich sagen, dass der Rckstand vom ersten Rennen an so gro war, dass wir im weiteren Saisonverlauf einfach keine Chance hatten.

Wo steht Opel in der Saisonvorbereitung im Vergleich zu 2001? Ich bin sicher, dass wir besser sein werden als 2001. Wir haben frher angefangen, fr die neue Saison zu arbeiten. Das erste Testauto fr 2002 fuhr bereits Ende 2001.

In den ersten Testvergleichen war Mercedes am schnellsten. Haben Sie Sorgen, auch in dieser Saison wieder hinterherzufahren? Die Mercedes-Kollegen waren nicht so schnell, dass wir jetzt in Ehrfurcht erstarren mssten. Mercedes ist zu schlagen, das haben wir 2000 ja bewiesen. Und unser neues Auto war von Beginn an gut bei der Musik. Aber wie gut wir wirklich sind, wird erst das erste Rennen zeigen.

Europische Zukunft fr die DTM

Was erwarten Sie von der Saison? Nach dem Vorjahr bin ich vorsichtig. Ich sage nicht, dass wir um die Meisterschaft fahren. Das bedeutet aber nicht, dass wir das nicht wollen. Wenn das Paket stimmt, werden wir Rennen gewinnen. Nur mitfahren kann nicht das Ziel sein. Das reicht mir nicht und Opel auch nicht.

Kann die DTM internationaler werden, ohne in Deutschland an Bedeutung zu verlieren? Wir haben jetzt schon ein internationales Fahrerfeld. Und im europischen Ausland wchst das Interesse an der DTM. Vor allem in Frankreich, England und Italien, wo es frher starke Tourenwagenserien gab, ist man an der DTM sehr interessiert. Ich sehe eine gute europische Zukunft fr die DTM.

Wie knnte man die DTM noch interessanter machen? Es wre toll, wenn noch ein oder zwei Hersteller einsteigen wrden. Vor allem BMW mit seiner Tourenwagen-Tradition htte in der DTM ein gutes Bettigungsfeld. Die Serie funktioniert aber auch wie bisher mit Mercedes, Audi und Opel. Wichtig ist nur, dass alle wettbewerbsfhig sind. Die Veranstaltung selbst muss noch mehr Event-Charakter bekommen. So ein Rennwochenende mit Anreise, bernachtung und Eintritt ist fr den Fan doch eine finanzielle Belastung. Da muss man ihm auch etwas fr bieten - nicht nur auf sportlichem Gebiet, auch beim Drumherum. Schon jetzt gibt sich die ITR viel Mhe, zum Beispiel mit Pitwalk, Taxifahrten in einem DTM-Auto, Autogrammstunden und so weiter.

Welchen Stellenwert hat fr Sie die Opel-Fitnesswoche in Saalfelden? Natrlich machen wir hier ernsthaftes Training, aber dennoch steht der Spa dabei im Vordergrund. In einer Woche kann man nicht fr eine Saison fit werden. Da muss jeder fr sich selbst arbeiten. Aber sonst sehen wir uns nur an den Rennwochenenden. Und da ist jeder mit sich selbst beschftigt. Hier haben wir Zeit, miteinander zu arbeiten und Spa zu haben. Das ist gut fr den Teamgeist, ndert aber nichts an der Rivalitt auf der Rennstrecke.

"Ich will noch vier bis fnf Jahre aktiv sein"

Was tun Sie fr Ihre Fitness? Ich bin kein bertriebener Fitness-Freak. Fr mich ist viele Rennen fahren immer noch das beste Training. Aber natrlich trainiere ich auch zu Haus. Am liebsten auf dem Fahrrad. Ich gehe auch regelmig zum Krafttraining. Joggen kann ich wegen meiner Probleme mit der Bandscheibe nicht so gut.

Wie fahren Sie privat Auto? Vllig normal. Sicher habe ich auch schon Strafzettel bekommen, aber nicht fr zu schnelles Fahren, sondern fr falsches Parken. Immerhin ist der Fhrerschein fr mich ja berufswichtig. Vor jedem Rennen mssen wir bei der Papierabnahme unsere gltigen Fhrerscheine und die Lizenzen vorzeigen.

Wie intensiv verfolgen Sie die F-3-Karriere Ihres Neffen Markus? Sehr genau. Ich bin total beeindruckt von seiner Leistung und vor allem von der Art, mit der er alles angeht. Er hat bei allem, was er macht, so eine Lockerheit, die er sich hoffentlich noch lange bewahrt. Auerdem ist er vom Grundspeed her sauschnell. Als er mit 14 Jahren Kart gefahren ist, habe ich noch gedacht, das wird kein Kracher. Heute wird er in seiner ganzen Art seinem Vater immer hnlicher.

Was trauen Sie Markus zu? Er muss noch lernen. Dazu sind auch Fehler ntig. Aber wenn er an sich arbeitet und noch professioneller wird, macht er seinen Weg. Er hat das Zeug, ein Groer zu werden.

Was planen Sie nach Ihrer Zeit als Rennfahrer? Ich will noch vier bis fnf Jahre aktiv sein. Deshalb verschwende ich jetzt noch keinen Gedanken an die Zeit danach. Das kostet mich nur Konzentration und Energie. Auerdem bin ich ein Typ, der erst dann aktiv wird, wenn er vor vollendete Tatsachen gestellt wird. Das gilt auch fr meine weitere Lebensplanung.

Joachim Winkelhock/ Zur Person

Geboren 24. Oktober 1960 Geburtsort Waiblingen Wohnort Korb Familienstand verheiratet mit Sabine; Tchter Sina und Tina Erlernter Beruf Kfz-Lackierer und Kfz-Mechaniker Hobbys Squash, Radfahren Karriere Mit 19 Jahren sptes Renndebt im Renault-5-Pokal-Cup. Dann sporadische Einstze in verschiedenen Klassen. 1985, im Jahr, als sein Bruder Manfred tdlich verunglckte, Rcktritt. 1986 Comeback mit Sieg im Porsche-944-Turbo-Cup. 1987 Start in der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft und Vize-Meister der Formel-3-DM. 1988 im Formel 3 Deutscher und Europa-Meister. Aufstieg in die Formel 1. 1989 Im AGS-Ford chancenlos. Nach acht gescheiterten Vorqualifikationen nur sechs Monate spter die Vertragsauflsung. Nach einem erfolglosen Versuch, in die F1 zurckzukehren, und kurzem DTM-Gastspiel fr Mercedes 1990 Vertrag als BMW-Werksfahrer. 1990-1992 vordere Platzierungen fr das italienische Bigazzi-Team in der DTM. 1993 mit Schnitzer britischer Tourenwagen-Meister. Die Englnder verpassen dem Kettenraucher auch den Spitznamen "Smoking Joe". 1994 Meister der Asien-Pazifik-Tourenwagenserie. 1995 Sieg im STW-Cup und beim 24-Stunden-Rennen in Spa. 1997 STW-Vize und ADAC-Motorsportler des Jahres. 1999 gewinnt Winkelhock im BMW V12 LMR in Le Mans. Seit 2000 Werksfahrer fr Opel in der DTM. 1989 im AGS-Ford keine Chance, sich in der Formel 1 zu etablieren. 1997 mit spektakulren "Donuts" im STW-BMW Liebling der Fans. 1999 Le-Mans-Sieg im BMW gemeinsam mit Dalmas und Martini.

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