DTM-Exklusiv-Interview

DTM-Champion Ekström im Interview DTM-Champion Ekström im Interview

Interview Mattias Ekström

— 14.09.2005

"I want to buy a Staubsauger"

Titelverteidiger Mattias Ekström im Exklusiv-Interview: Der Audi-Star über seinen Hang zu ausgefallenen Technikspielzeugen, sein Verhältnis zu Gary Paffett und die Zukunft der DTM.

Die Gangart wird härter werden

AUTO BILD MOTORSPORT: Ist die DTM-Saison 2005 bisher so gelaufen, wie Sie es erwartet haben, oder gab es überraschungen? Mattias Ekström: Der Wettbewerb ist erwartungsgemäß sehr hart. Das einzige, was ich nicht erwartet habe, ist, daß Mercedes so stark fährt.

Die Mercedes C-Klasse und der Audi A4 waren sich noch nie so ähnlich wie in diesem Jahr ... Ja – die Unterschiede sind gering. Bei einigen Rennen sind wir beim Topspeed sehr nah dran. Auf anderen Strecken sind wir doch wieder weiter weg. Auf manchen Strecken hat der Mercedes eine bessere Traktion, in schnellen und mittelschnellen Kurven habe ich das Gefühl, daß wir etwas schneller sind.

Nach dem Norisring-Rennen haben Sie gesagt, daß es Sie nicht wundern würde, wenn die nächsten Rennen immer härter werden würden. Auf dem Nürburgring ging es überaus fair zu, alle Autos kamen ins Ziel. Wird das so bleiben? Die Gangart wird definitiv wieder härter werden. Wenn man auf breite und etwas längere Strecken kommt, dann passiert nicht soviel. Aber der EuroSpeedway ist recht eng, und es gibt dort weniger Überholmöglichkeiten.

Wie sehr ist die DTM in den letzten Rennen noch ein Individualsport oder nur noch Teamsport? Die DTM hat drei Wertungen: für den Fahrer, für das Team und für den Hersteller. Und in der Phase, in die wir nun kommen, ist es wie im Fußball: Das Wichtigste ist, daß die Mannschaft gewinnt, in unserem Falle also die Marke Audi. In der ersten Hälfte der Saison versucht jeder Fahrer selbst, für sich das Beste herauszuholen, und in der zweiten fährt man dann eben fürs Team. Aber das finde ich absolut korrekt.

Lachen mit dem größten Konkurrenten

Ist es eher ein Vorteil oder ein Nachteil, einen so starken und ehrgeizigen Teamkollegen wie Tom Kristensen zu haben? Es ist auf jeden Fall ein Vorteil. Ich kenne das noch aus der Zeit, als Laurent Aiello bei Abt der Titelkandidat war. Man spornt sich gegenseitig an, wenn man sieht, wie schnell der andere ist. Ist der Teamkollege zu langsam, dann hat man selbst zuwenig Druck.

Auf der Rennstrecke ist Gary Paffett ihr größter Rivale. Nach den Rennen scheinen Sie sich recht gut zu verstehen. Könnten Sie sich vorstellen, mit ihm mal eine Woche in den Urlaub zu fahren? Was ich an Gary mag, ist, daß wir auf der Strecke beide unseren Job machen und danach über alles Mögliche lachen können. Mit vielen Fahrern geht das nicht, und dann ist es auch schwer, zu denen eine Beziehung aufzubauen. Aber derzeit würde ich mit Gary nicht in den Urlaub fahren. Denn je besser man einen Kontrahenten kennt, desto schwieriger ist es, gegen ihn zu kämpfen. Wenn er Formel-1-Fahrer wäre und ich in der DTM, dann bin ich sicher, daß wir auch im Urlaub gut miteinander auskommen würden.

In Schweden waren Sie Anfang des Jahres sehr schnell in einem Skoda Fabia WRC unterwegs. Wann fahren Sie Ihre nächste Rallye? Da ist noch nichts geplant. Ich würde gern in Zukunft noch die eine oder andere Rallye fahren, aber das hat derzeit im Vergleich zur DTM nur eine niedrige Priorität.

Würde es Sie interessieren, mal eine Marathon-Rallye zu fahren? Ganz bestimmt nicht in diesem Jahr, aber es könnte sein, daß auch das einmal für mich interessant wird. Aber ich will mir auch nicht zu viel aufladen. In den letzten drei Jahren bin ich nach der Saison immer Rallye gefahren. Das hat viel Spaß gemacht. Aber ich denke jetzt ist es dann an der Zeit, mal einen Gang runterzuschalten und mir mal ein halbes Jahr Pause zu gönnen und das Leben zu genießen.

Pikes Peak ist mein größter Traum

An welchem Rennen wollen Sie unbedingt einmal teilnehmen? Viele würden jetzt sofort Formel 1 sagen oder Le Mans. Klar ist das interessant – aber wenn ich die Wahl hätte, dann würde ich gern einmal Pikes Peak fahren. Mit einem extrem leistungsstarken Auto wie dem Audi S1 quattro dort den Berg hochzurasen, das wäre das Größte.

Haben Sie Audi schon mal danach gefragt? Nein, darüber haben wir noch nicht gesprochen. Wir sind immer noch mitten in der Saison. Zu gegebener Zeit werde ich Dr. Ullrich mal darauf ansprechen und schauen, wie er reagiert.

Was ist für Sie das Besondere an Audi? Ich finde es toll, daß sich alle als Sieger fühlen, wenn wir gewinnen, aber auch alle die Schuld gemeinsam tragen, wenn es nicht läuft. Es gibt bei Audi ein starkes Wir-Gefühl. Das Motto ist: Einer für alle, alle für einen.

Sie leben seit vielen Jahren mit Ihrer Lebensgefährtin Tina Thörner zusammen. Gibt es schon Heiratspläne? Für mich ändert das nicht viel, ob man verheiratet ist oder nicht. Vielleicht ist es langsam an der Zeit, mal darüber nachzudenken. Aber so alt fühle ich mich noch nicht (lacht).

Und wie sieht es mit Kindern aus? Klar möchte ich mal Kinder. Aber man muß auch Zeit für sie haben. Tina hat ihre Karriere, und ich habe meine. Derzeit wäre es also sehr schwierig, Kindern die nötige Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Unsere Hunde können wir mal eben für eine Woche zu unseren Nachbarn geben, aber mit Kindern wäre das nicht so einfach.

Der erste Sieg liegt elf Jahre zurück

Haben Sie sich schon einmal über die Zeit nach Ihrer Karriere als Profirennfahrer Gedanken gemacht? Ich bin ziemlich sicher, daß ich irgend etwas mit Motoren machen werde. Mein ganzes Leben hat damit zu tun gehabt, und ich mag das ganz einfach. Vielleicht ziehe ich auch mal einen Autohandel auf, mal schauen.

Sind Sie eigentlich in Schweden oder Deutschland populärer? Wenn ich in Schweden bin, dann erkennen mich nicht so viele. Ich glaube, ich bin in Deutschland bekannter, denn ich habe hier auch viel mehr Presse.

Können Sie sich noch an Ihren allerersten Sieg erinnern? Oh ja – den werde ich nie vergessen. Das war 1994 im Kartsport auf meiner Heimstrecke in Hedemora. Ich kann mich noch so genau daran erinnern, weil ich vorher schon ein paarmal kurz davor war zu gewinnen. Bei dem Rennen sind wir im Nassen losgefahren, und die Strecke ist abgetrocknet. Das sind die Streckenverhältnisse, bei denen ich meine ganze Karriere über immer sehr gut war.

Was am sportlichen Reglement der DTM könnte man noch verbessern? Qualifying und Superpole sind gut so. Allerdings sollte man vorschreiben, daß die zehn Autos, die an der Superpole teilnehmen, schon im Renn-Setup unterwegs sein müssen und nach ihrer Runde in den Parc fermé gestellt werden. Tankfüllung, Reifen und Fahrwerkseinstellung sollten dann gleich bleiben. Zusätzlich würde ich für den zweiten Boxenstopp ein Zeitfenster einführen. Erstens, damit die Rennen für die Zuschauer transparenter sind, zweitens, damit niemand aus taktischen Gründen gezwungen ist, zwei Drittel des Rennens mit dem dritten Reifensatz zu fahren. Denn wenn es in Runde zehn beispielsweise eine Safetycar-Phase gibt, macht jeder seinen ersten Stopp. Und wenn in Runde zwölf wieder eine SC-Phase ist, dann macht jeder seinen zweiten Stopp und muß den Rest des Rennens mit seinen Reifen auskommen.

Ich möchte einen Staubsauger kaufen

Was könnte man außerdem tun, um die DTM noch attraktiver zu machen? Es ist sicher nicht einfach, neue Hersteller in die Serie zu holen. Aber es würde sicher helfen, wenn man es potentiellen Neueinsteigern erlaubt, sich alle bisher teilnehmenden Autos genau anzuschauen. Damit es keine Geheimnisse gibt. Denn das würde sicher die Scheu vor einem Einstieg mindern.

Welcher Typ Autofahrer sind Sie auf der Straße? Wenn ich Zeit habe, dann schlage ich 10 km/h auf das drauf, was auf den Schildern steht. Wenn ich es eilig habe, vielleicht auch mal einen Tick schneller. Aber ich kriege im Straßenverkehr eigentlich nie einen Adrenalinschub. Ich kann ja oft genug auf der Rennstrecke schnell fahren und bin keine 18 mehr.

Passieren Ihnen im Straßenverkehr auch mal kleinere Fehler? Ich bin vielleicht einer der schnellsten Autofahrer der Welt, aber das heißt ja noch lange nicht, daß ich im Straßenverkehr gut fahre. Ich habe beim Einparken auch schon mal eine Delle in ein Auto gefahren. Das ist menschlich und garantiert jedem schon mal passiert, auch denen, die es nicht zugeben wollen.

Wie können Sie am besten entspannen? Entspannen heißt für mich, daß ich nicht jeden Tag meine Tasche packen muß, zum Flughafen hetzen und solche Dinge. Einfach mal richtig Zeit haben. Ich mag meinen actionreichen Job sehr, aber das viele Reisen ist manchmal schon ganz schön ermüdend. Und wenn ich dann mal nur ein, zwei Tage zu Hause bin, dann gibt es auch immer viel zu tun. Denn Tina ist ja keine Hausfrau, die den Haushalt allein schmeißt. Sie hat ihre eigene Karriere und ist auch viel unterwegs.

Was bedeutet für Sie Luxus? Zeit ist für mich der größte Luxus, Zeit für meine Hobbys zu haben. Zum Bootfahren, in Ruhe meinen Sport machen. Und nicht jeden Tag wie normale Menschen von sieben bis 16 Uhr ins Büro laufen zu müssen.

Was wird Ihre nächste Anschaffung sein? Ich möchte einen Staubsauger kaufen. So einen, der automatisch durch die Wohnung fährt und selbständig zur Ladestation zurückkehrt, wenn der Akku zur Neige geht. Doch das Problem sind bei uns zu Hause wohl noch die zu hohen Teppiche.

Zur Person: Mattias Ekström

Zur Person: Mattias Ekström

Geboren: 14. Juli 1978 • Geburtsort: Falun (S) • Wohnort: Krylbo (S) • Nationalität: Schwede • Familienstand: ledig, Lebensgefährtin Tina Thörner • Erlernter Beruf: Rennfahrer • Hobbys: Kart, Tennis, Rallye, Jetski • Karriere: 1993 Einstieg in den Kartsport, 1994 Wechsel in den schwedischen Renault 5 Cup, 1996 Meister Renault 5 Cup, 1997 Vizemeister schwedische Tourenwagenmeisterschaft, 1999 schwedischer Tourenwagenmeister (Audi), 2001 Einstieg in die DTM mit Abt-Audi (Platz 8), 2002 Platz 3 DTM und 1. Sieg, 2003 Platz 4 DTM, 2004 Meister DTM

Autor: Oliver Hilger

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