Interview mit Alessandro Zanardi

Interview mit Alessandro Zanardi

Interview mit Alessandro Zanardi

— 08.05.2003

Comeback im ChampCar

Nach dem Unfall vor zwei Jahren feiert Alex Zanardi im Rahmen der "German 500" sein Comeback im Rennwagen.

Comeback für einen guten Zweck

ChampCar-Pilot Alessandro Zanardi feiert am Wochenende auf dem EuroSpeedway Lausitz sein Comeback im Rennauto. Rund 20 Monate nach seinem Horrorunfall – der Italiener verlor bei seinem letzten Rennen am 15. September 2001 beide Beine – klettert er am Sonntag (11.5.) in ein auf Handgas umgerüstetes ChampCar und holt symbolisch jene 13 Runden nach, die ihm einst das Schicksal verwehrte. Als Grand Marshal der "German 500" wird Zanardi danach seine früheren Kollegen zum fünften von 19 Saisonrennen der ChampCar-Serie auf die Piste schicken: "Gentlemen, start your engines, please." Der Ex-Rennfahrer über sein Comeback.

Den 15. September 2001 haben sie nur knapp überlebt, sie verloren beide Beine – am 11. Mai 2003 steigen sie auf der gleichen Strecke wieder in ein Rennauto. Aufgeregt, nervös, ängstlich? Überhaupt nicht, ich freue mich schon darauf. An den Unfall denke ich nicht mehr. Ich lebe in der Gegenwart. Was gestern passiert ist, hat keinen Einfluss auf meine Zukunft. Ich bin ein glücklicher Behinderter, ein optimistischer, ein positiv denkender Mensch. Mach das Beste aus deinem Leben – das ist meine Philosophie.

Wer musste sie zu diesem beispiellosen Comeback – 13 Runden im ChampCar auf dem EuroSpeedway – eigentlich überreden? Überhaupt keiner. Das war ganz allein meine Entscheidung. Und sie hatte viele Gründe. Der wichtigste: Das Geld, das die Sache einbringt, wird hundertprozentig meiner Stiftung und damit Kindern zu Gute kommen.

Und die anderen Gründe? Ich tue es auch für meine Fans und meine Familie, denen ich unendlich viel zu verdanken habe. Und für Leute mit ähnlichen Problemen – die können sich mit meiner Story identifizieren. Ich kann ihnen als 36-Jähriger Stärke und Zuversicht geben.

Und Sie fahren es in einem richtigen ChampCar? Ja, in den gleichen Farben und mit der gleichen Nummer 66. Natürlich musste es für mich etwas umgebaut werden: Das Gaspedal ist am Lenkrad, wie beim Jetski, die Kupplung am Ganghebel. Die Fußbremse kann ich aber mit meiner Prothese erreichen und auch genug Druck ausüben. Das hatte ich im Go-Kart mal ausprobiert, dann haben wir es im ChampCar getestet, und siehe da: Es hat geklappt.

Der Taum von der Rückkehr

Träumen sie davon, jemals wieder Rennen zu fahren? Traum – das ist genau das richtige Wort. Oder noch besser: Es ist irgendwo zwischen Traum und Realität. Ich habe bisher nicht meinen Rücktritt erklärt, fühle mich immer noch als Rennfahrer und liebe meinen Sport. Aber auch meine Familie. Und ich will meiner Frau und meinen Kindern nicht nochmal ein solches Opfer bringen.

Sie haben beide Beine verloren, aber ein zweites Leben gewonnen. Das waren ihre Worte. Haben sie nach ihrer "Wiedergeburt" überhaupt nichts vermisst? Nein. Ich vermisse nichts schmerzlich. Vielleicht jene Tage, an denen ich nach einem Zehn-Kilometer-Lauf schwitzend und ausgepumpt unter die Dusche steigen konnte. Aber ich bin ein ganz normaler Mensch geblieben. Ich habe eine glückliche Familie, ich kann Auto fahren, mit meinem Boot nach Sardinien düsen und an Deck Party feiern, Ski fahren, schwimmen und sogar tauchen. Für alles gibt es eine Lösung, auch im zweiten Leben.

Auf dem Lausitzring werden über 350 km/h erreicht. Ganz ehrlich: Wie schnell sind sie in ihrem privaten BMW unterwegs? Ich bin nicht mehr so verrückt wie früher. Aber neulich, nachts um drei auf der Autobahn von Bologna nach Nizza, da waren es bestimmt 190 km/h. Da war ich zwar mutterseelenallein, aber wenn sie mich geblitzt hätten, wäre ein Strafzettel fällig gewesen.

Die Fans freuen sich riesig auf ihr Comeback. Und ich muss sie um Entschuldigung bitten: Ich habe noch 5000 ungelesene E-Mails und bedanke mich dafür bei allen. Aber wenn ich sie beantworten wollte, müsste ich fünf Leute einstellen.

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