Norbert Reithofer BMW

Interview mit BMW-Vorstand Reithofer

— 20.06.2008

Autofahrer darf nicht zur Melkkuh werden

Steigende Kraftstoffpreise und höhere Kfz-Steuern erschweren vielen Autoherstellern den Verkauf ihrer Fahrzeuge. Wie sich BMW auf die neuen Herausforderungen vorbereitet, erklärt BMW-Chef Norbert Reithofer im Interview.

Der BMW-Vorstandsvoritzende Norbert Reithofer (52 Jahre) erläutert im BILD-Interview, wie BMW auf die neue Kfz-Steuer und immer weiter steigende Benzinpreise reagiert. BILD: Herr Reithofer, bereiten Ihnen die hohen Öl- und Benzinpreise derzeit schlaflose Nächte? Reithofer: Der hohe Ölpreis bereitet uns natürlich Sorgen, denn er erschwert den Verkauf von Fahrzeugen und verunsichert die Menschen, weil Autofahren immer teurer wird. Müssen die Autofahrer entlastet werden? Eine Entlastung der Autofahrer ist aus unserer Sicht notwendig und wichtig. An der Zapfsäule kassiert rund 70 Prozent der Staat an Abgaben – genau dort sollte der Autofahrer spürbar entlastet werden. Die Höhe der Abgaben passt einfach nicht mehr. Haben die schweren und spritfressenden BMW-Limousinen überhaupt noch eine Zukunft? Eindeutig ja, denn es geht nicht um die Größe eines Fahrzeuges, sondern um den Motor. Und da können wir uns sehen lassen. BMW hat Milliarden in neue Motoren investiert – und das zahlt sich heute aus: Wir sind beim Benzinverbrauch im Schnitt einen Liter besser auf 100 Kilometer als unsere direkten Wettbewerber.

Wie schädlich ist der Streit der Politik in Sachen Klimaschutz für die Autoindustrie? Wir brauchen von der Politik jetzt endlich klare Regelungen. Je schneller diese entschieden werden und je klarer sie sind, desto besser für die gesamte Autoindustrie. Die Kunden sind derzeit höchst verunsichert und verschieben deshalb den Autokauf immer weiter.

Auf dem Genfer Salon 2008 präsentierte BMW einen X5 Mildhybrid mit 224 PS und 6,5 Litern Verbrauch.

Neuwagen und schwere, spritfressende Autos müssen künftig mehr Steuern zahlen. Was bedeutet das für BMW? Der CO2-Ausstoß der BMW-Group-Flotte hat sich im ersten Quartal 2008 auf 158 Gramm pro 100 Kilometer im Schnitt reduziert, verglichen mit 187 Gramm im Jahr 2007. Das ist eine Reduzierung von 16 Prozent oder 29 Gramm innerhalb nur eines Jahres. Der Durchschnitt liegt in Deutschland laut Kraftfahrtbundesamt bei 167 Gramm. Das zeigt: Mit der richtigen Technologie – die wir übrigens serienmäßig in unserer ganzen Flotte anbieten – kann man viel erreichen. Der Abgas-Kompromiss von Deutschland und Frankreich wurde von Umweltschützern als Sieg der Autoindustrie kritisiert. Ist die Kanzlerin vor BMW & Co. eingeknickt? Nein, das ist Frau Merkel nicht. Die Autoindustrie hat um eine faire Behandlung und längere Übergangszeiten gebeten. Wir können unsere Modelle ja nicht von heute auf morgen und alle gleichzeitig technologisch umrüsten. Das braucht Zeit.

Die EU will noch mehr Sicherheitstechnik in Autos vorschreiben. Das soll Neuwagen bis zu 1.000 Euro teurer machen. Ist das sinnvoll? Grundsätzlich ist es positiv, dass Fahrzeuge immer sicherer werden. Die EU-Pläne machen Autos jedoch nicht nur teurer, sondern auch schwerer – was dem Klimaschutz widerspricht. Was fordern Sie? Die Autoindustrie und die Autofahrer dürfen nicht zur Melkkuh der Nation werden. Ich frage mich schon, ob einigen Politikern die wirtschaftliche Bedeutung unserer Industrie klar ist. schließlich hängt jeder siebte Arbeitsplatz direkt oder indirekt von der Automobilindustrie ab. Neben dem Maschinenbau sorgen die Autohersteller zudem dafür, dass Deutschland Exportweltmeister ist. Hochwertige Limousinen  "Made in Germany" genießen weltweit einen hervorragenden Ruf –  das wird bei uns häufig unterschätzt.

Autor: Oliver Santen

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