Interview mit Dr. Mario Theissen

Interview mit Dr. Mario Theissen

Interview mit Dr. Mario Theissen

— 07.05.2003

"Ist es ein Flop? Jetzt wissen wir's"

Der Technik-Direktor über die Neuwagen-Strategie von BMW-Williams, Fehler und Partner Gerhard Berger.

Theissen glaubt an den FW25

AUTO BILD motorsport: Bei seinem Debüt in Melbourne war der BMW-Williams FW25 noch nicht in seiner endgültigen Version einsatzbereit. Wann ist er richtig fertig? Dr. Mario Theissen: Fertig wird er am letzten Einsatztag sein. Das heißt, er wird durch die Saison kontinuierlich weiterentwickelt. Was er bisher seit seinem ersten Einsatz geleistet hat, ist sicherlich ein relativ hoher Fortschritt. Beim ersten Test hatte sich die Frage gestellt: Ist der FW25 vom Konzept her der erwartete Sprung, oder ist er – um es drastisch auszudrücken – ein Flop? Diese Frage ist inzwischen vom Tisch. Das Konzept ist richtig. Das Auto hat einen Satz nach vorn gemacht, wenn man es mit dem Vorjahreswagen vergleicht. Es ist uns aber noch nicht ganz gelungen, das Potenzial des Autos auszuschöpfen. Daran arbeiten wir vordringlich.

Das aktuelle Auto ist inzwischen jedenfalls der "richtige" FW25 – ohne Interims-Bauteile? Im Idealfall wäre der neue Ferrari sicherlich auch schon in Melbourne gefahren. Aber es ist jedenfalls das Paket, das man sich unter der Typenbezeichnung FW25 vorgestellt hat. Von einem neuen Getriebe sollte man aber nicht sprechen. Daran hat sich eigentlich gar nichts verändert, außer den Anlenkpunkten für die neue Radaufhängung.

Hätte man nicht besser mit dem FW24 in die Saison 2003 starten sollen? Aus verschiedenen Gründen wäre das falsch gewesen. Erstens: Wenn man einen Konzeptsprung macht, dann ist die Unsicherheit, dass nicht alles auf Anhieb funktioniert, größer als bei einer Evolution. Gerade dann muss man das neue Auto so früh wie möglich einsetzen, um diese Unsicherheiten zu beseitigen bzw. wegzuentwickeln. Ich würde also immer diese Linie fahren, die jetzt vom Team gefahren wurde. Ich stelle sogar zur Diskussion, ob man nicht noch früher auf der Piste hätte sein müssen. Dann hätten wir beim Start in Melbourne bereits einen höheren Reifegrad gehabt. Zweitens: In Melbourne war unser noch nicht fertig entwickeltes Auto schneller als der Vorjahreswagen. Drittens: Wenn man zwei Autos parallel entwickelt, kommt man langsamer voran.

"Bergers Beitrag ist wertvoll"

Welsches ist nun Ihr aktuelles, realistisches Ziel? Da der neue Ferrari erst ein Rennen gelaufen ist, und McLaren-Mercedes sein Auto noch nicht präsentiert hat, ist es noch zu früh für eine Prognose.

Fehlt Ihnen Ihr Partner Gerhard Berger, der sich aus seiner Funktion zurückzieht und Sie vor Ort als einzigen BMW-Direktor zurücklässt? Wir sind unverändert ein eingespieltes Team. Gerhard zieht sich zwar sukzessive zurück, ist aber in vielen Punkten auch weiterhin bis zum Saisonende involviert. Was sich hauptsächlich verändert hat, ist seine geringe Präsenz an den Rennstrecken. Ich muss jetzt auch die Kommunikation und all seine Aufgaben an den Rennstrecken mit abdecken. Das ist aber noch keine Doppelbelastung.

Berger hat die GPWC (Parallelserie zur Formel 1) als Zeitverschwendung bezeichnet. Wir haben innerhalb des Hauses – und tun dies auch heute noch – über die GPWC diskutiert. Denn in so einer Phase ist es befruchtend und wichtig, alle Aspekte und Blickwinkel auf dem Tisch zu haben. Insofern ist Gerhard Bergers Beitrag in diesem Bereich wertvoll.

In einer Werbeanzeige vertritt Berger die Meinung, man brauche weder zehn Zylinder noch 900 PS. Ich erkannte in dieser Anzeige sofort eine Karikatur. Wer an den Rennstrecken unsere Aussagen gehört hat weiß, dass wir anderer Meinung sind, dass man genau diese PS braucht. Sonst hätten wir die auch nie entwickelt.

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