Interview mit Jenson Button

Interview mit Jenson Button

— 09.07.2003

"Weltmeister? Das dauert Jahre!"

Gestern sensationeller Newcomer, heute Routinier mit Druck und Erfolg: das britische Wunderkind ber F1- Alltag und -Zukunft, Villeneuve-Krach und wahre Liebe.

"BAR wird noch ein Sieger-Team"

AUTO BILD motorsport: 2000 waren Sie der jngste britische F1-Pilot aller Zeiten. Jetzt bestreiten Sie Ihre vierte GP-Saison und werden bereits mit der nchsten Piloten-Generation konfrontiert. Luft Ihnen die Zeit davon? Jenson Button: Ich selbst bin immer noch einer der jngsten F1-Piloten. Nur Fernando Alonso ist jnger.

Ihr Teamkollege Villeneuve verschleuderte fnf Jahre bei BAR. Klar, man muss aufpassen. Aber nach Renault 2002 habe ich mit BAR wohl die beste Wahl getroffen. BAR wird noch ein Sieger-Team, davon bin ich berzeugt. Aber man kommt nicht innerhalb eines Jahres nach vorn. Das ist eher eine Angelegenheit von zwei, drei Jahren. Deshalb interessiert mich diese Saison auch eigentlich nicht. Mir geht es um die nchste und bernchste.

Freitags sind Sie immer besonders stark, samstags weniger. Die Gegner verbessern sich im Verlauf der Wochenenden, wir nicht. Ich habe keine Erklrung dafr.

Inwiefern ist der BAR-Honda gegenber dem Vorjahr besser geworden? Der aktuelle 005 ist auf der Bremse stabiler. Auerdem erlaubt er hhere Kurvengeschwindigkeiten, reagiert gut bei Richtungswechseln, hat mehr Abtrieb und ist im Highspeed-Bereich weniger nervs. Mein Vertrauen ins Auto ist trotz meines Monaco-Unfalls gewachsen. Es macht Spa, dieses Auto zu fahren. Wir mssen allerdings daran arbeiten, etwas weiter nach vorn zu kommen.

"2004 will ich aufs Podium"

Mit Konstrukteur Geoff Willis arbeiteten Sie bereits bei Williams zusammen, jetzt bei BAR. War er ausschlaggebend fr Ihre Teamwahl? Nein, aber ein wichtiger Grund. Willis macht einen guten Job. Jeder ist mit seiner Arbeit zufrieden. Er hrt gut zu, wenn man etwas sagt. Das ist in der Formel 1 sehr wichtig, aber noch lange nicht selbstverstndlich, wenn der Fahrer erst 23 Jahre alt ist.

Honda peppt den Motor bestndig um einige Zusatz-PS auf. Honda ist hei, will was bewegen. Andere Motorenhersteller machen pro Saison zwei, drei deutliche Schritte nach vorn, Honda permanent kleine. Aber da muss noch mehr kommen. BMW und Ferrari sind sehr stark, Mercedes auch.

Wann wird BAR zum Topteam? Ich mchte 2004 aufs Podium, vielleicht gewinnen. Um das zu erreichen, mssen wir in allen Bereichen zulegen. Das ist mglich, aber die WM zu gewinnen ist eine ganz andere Sache. Dazu bentigt man Bestndigkeit, und das dauert Jahre. Aber ich habe viel Zeit.

Was fehlt BAR denn konkret? Von der Struktur her nichts. Aber wir brauchen ein besseres Auto: mehr Abtrieb, Standfestigkeit und PS. Alles ganz normale Wnsche.

Wie gro ist derzeit der Nachteil, mit Bridgestone-Reifen zu fahren? Michelin hat die Nase vorn. Da kann man nichts machen.

Klrendes Gesprch mit Villeneuve

Anfang 2003 drckte Ihr schlechtes Verhltnis zu Villeneuve das Teamklima wie kam es dazu? Da gab es Missverstndnisse. Aber auch Dinge, die besser nicht gesagt worden wren. Ich war neu im Team, Jacques schon lange dabei ...

In Montreal kam es dann zu einem klrenden Gesprch? Ja, das stimmt. Jacques lud mich zum Essen ein.

Nach acht Monaten Stunk ... Nein, nein. Wir haben auch vorher zusammengearbeitet. Aber man mag oder hasst sich: Ich pusche immer extrem. Nur: Wenn man miteinander spricht, ist die Arbeit angenehmer. Und man muss kooperieren, um das Auto flottzumachen.

Nach Punkten stehen Sie besser da. Darum kmmere ich mich berhaupt nicht. Ich bin happy mit dem, was ich leiste. Ich glaube, ich hole das Bestmgliche aus dem Auto heraus. Aber Jacques luft wesentlich besser Ski.

Haben Sie sich seit Beginn Ihrer F1-Karriere verndert? Ich habe jetzt mehr Erfahrung, mehr Selbstvertrauen. Was die Technik betrifft, arbeite ich inzwischen wesentlich besser mit dem Team zusammen. Als ich in die F1 einstieg, hatte ich ja keine Ahnung von der Technik und Methodik. Da wollte ich nur schnell fahren.

Trotz vieler Privilegien fllt es Ihnen schwer abzuschalten, heit es. Oh ja, ich langweile mich sehr schnell. Das ist ein Albtraum. Dagegen muss ich etwas tun. Aber es ist so schwierig, etwas zu finden, was mich fesselt. Wasserski ist ganz gut.

Was treibt Sie denn? Ich liebe es, Formel-1-Autos zu fahren. Das ist ein sensationelles Feeling. Wichtiger noch: Ich will Rennen und WM-Titel gewinnen. Und ich mchte immer so schnell fahren wie irgend mglich. Ich liebe das Tempo. Mein erstes Rennen gewann ich im Kartsport. Es war groartig. Seitdem bedeuten mir zweite Pltze nichts mehr.

Lebenslauf Jenson Button

Jenson Button im Kurz-Portrt Geboren 19. Januar 1980 Geburtsort Frome (England) Wohnort Monte Carlo (MC) Nationalitt Grobritannien Familienstand ledig, Freundin Louise Griffiths Erlernter Beruf Rennfahrer Hobbys Mountainbike, Computer, Wellenreiten

Gewinnertyp Jenson Button startete 1989 seinen Siegeszug. 1991 gewann der damals Elfjhrige in der britischen Kadetten-Kart-Meisterschaft alle 34 Lufe. 1996 sorgte der britische Bubi auch in der internationalen Kartszene fr Aufsehen: Weltcup-Dritter. Zwei Jahre spter wurde Jenson, benannt nach den britischen "Jensen"-Rennern, auf Anhieb Meister in der britischen Formel Ford (neun Siege). In der europischen Klasse holte er den Vize-Titel und triumphierte beim Formel-Ford-Festival. 1999 der Aufstieg in die britische Formel 3 (Gesamtdritter, drei Siege).

Nach den F3-Auftritten in Macau und Korea (jeweils Zweiter) erster F1-Test im McLaren-Mercedes. Im Januar 2000 der groe Coup mit BMW-Williams. Der Brite setzte sich im Ausscheidungstest um das F1-Cockpit gegen den erfahreneren Bruno Junqueira durch und beeindruckte danach in seinem Rookie-Jahr (zwlf WM-Punkte). 2001 wechselte er zu Benetton-Renault. Nach schwierigem Anfang lief es 2002 besser (zweimal Platz vier). Seit 2003 fhrt er fr BAR, hat bereits 60 GP bestritten, kam aber nie aufs Podium.

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