Interview mit Juan Pablo Montoya

Interview mit Juan Pablo Montoya

Interview mit Juan Pablo Montoya

— 16.02.2007

"Hier ist es verrückt"

Ist die Königsklasse des Motorsports nur Pipifax? Ex-Formel-1-Pilot Juan Pablo Montoya über sein Debüt in der amerikanischen Nascar-Serie.

Juan Pablo Montoya (31) gewann die amerikanische Cart-Serie 1999 und ein Jahr später die "500 Meilen von Indianapolis", ehe er in die Formel 1 zu Williams wechselte. Nach Querelen mit Teamchef Ron Dennis bei McLaren-Mercedes heuerte er im Sommer 2006 bei seinem Ex-Team Chip Ganassi in den USA an. WELT KOMPAKT-Mitarbeiter Gerhard Kuntschik sprach mit dem Kolumbianer.

WELT KOMPAKT: Sie sagten nach ihrem Sieg beim 24-Stunden-Rennen von Daytona Ende Januar über Nascar: "Michael Schumacher würde sich wahrscheinlich erst mal in die Hose machen." Was ist soviel nervenaufreibender an der US-Serie? Juan Pablo Montoya: Sind die Formel-1-Autos die höchstentwickelten? Ja! Sind sie die schnellsten? Ja! Aber der Rennsport selbst ist nicht gut in der Formel 1. Wenn da einer den anderen überholt, ist das eine Riesensache. Hier? Bei meinem Debüt in Homestead habe ich vergangenen September 70-mal überholt, 70-mal! Du überholst, du wirst überholt, du musst in die Box und so weiter. Hier ist ständig Action. Hier ist es verrückt!

Hat Sie der Wechsel von der Formel 1 zu Nascar erleichtert? Es war das, was ich tun wollte. In der Formel 1 wurde ich immer kritisiert, ich sei zu aggressiv und versuche zu risikoreich zu überholen. Ich wollte wieder richtiges Racing, und der beste Ort dafür ist hier.

"Du kannst hier nicht auf einmal drei Zehntelsekunden schneller fahren."

Sie haben im vergangenen Herbst fünf Nascar-Rennen absolviert. Reicht das, um sich an die neue Serie zu gewöhnen? Nein, weil es ein zu großer Sprung ist. Hier gibt es Ovale mit unterschiedlicher Länge und unterschiedlichen Kurven. Das macht es sehr schwierig. Und du kannst hier nicht auf einmal drei Zehntelsekunden in einer Runde schneller fahren. Die Balance des Autos verändert sich ständig. Du beginnst das Rennen mit starkem Übersteuern, und es endet mit starkem Untersteuern. Und zuviel Übersteuern heißt: Du bist in der Mauer.

Bei 36 Saisonrennen bleibt keine Zeit fürs Testen. Sie können nur von den Rennen lernen. Ja, aber dass wir nicht testen wie in der Formel 1, ist doch gut. Deswegen ist es ganz wichtig, ein ausgezeichnetes Verhältnis mit meinem Crewchief (vergleichbar mit dem Chefmechaniker in der Formel 1 – d.R.) zu haben, denn der kennt das Auto und die Strecken besser als ich.

Doppelte Anzahl der Rennen längere Renndistanzen verglichen mit der Formel 1. Sie gelten nicht gerade als Wunder der Fitness. Mussten Sie Ihr Trainingsprogramm umstellen? Nein, obwohl die Anforderungen hier ganz anders sind. Das Lenken war in der Formel 1 einfacher, dafür waren die Fliehkräfte viel stärker. Was hier am schwierigsten zu bewältigen ist, ist die Hitze im Cockpit, die beträgt ständig an die 60 Grad Celsius.

Welche Saisonziele haben Sie sich gesetzt? Schwierig zu sagen. Klar, ich möchte Rennen gewinnen. Aber ich weiß ja noch gar nicht, was mich überhaupt erwartet.

Was ist anders bei Ihrem Nascar-Team im Vergleich zu Williams oder McLaren? Die Atmosphäre ist entspannter. Die Fahrer sind lockerer. Du hast viel mehr Kontakt mit Leuten anderer Teams. Es ist hier eine offene Gesellschaft.

Sie scheinen ein glücklicher Mensch geworden zu sein. Ich war immer happy. Aber jetzt habe ich eine neue Herausforderung. Die spornt mich an.

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