VW-Vorstandsvorsitzender Martin Winterkorn

Interview mit Martin Winterkorn

— 29.07.2009

VW bald Auto Union?

VW-Chef Martin Winterkorn gibt im Interview interessante Details über die Neuorganisation des Volkswagen-Konzerns preis. Sein Vorschlag für den neuen Namen des Riesenunternehmens führt zurück in die deutsche Auto-Geschichte.

bild.de: Porsche und Volkswagen haben sich monatelang einen beispiellosen Machtkampf geliefert. Ist VW der große Gewinner?
Martin Winterkorn: Nein, es gibt nach einer schwierigen Zeit jetzt nur Gewinner und keine Verlierer. Der neue gemeinsame Konzern wird Volkswagen und Porsche helfen. Es entsteht ein Auto-Kraftzentrum, das weltweit beispiellos ist und uns gemeinsam noch stärker macht.
Wem hat der erbitterte Streit zwischen den Familien Piëch und Porsche mehr geschadet: Porsche oder VW?
Die Beteiligung von Porsche an Volkswagen – also David an Goliath – war zunächst sehr positiv für Porsche. Doch als die Finanzgeschäfte aus dem Ruder liefen und immer mehr die Schulden zum Thema wurden, habe ich mich schon um den guten Ruf von Porsche gesorgt. Gott sei Dank klären sich die Dinge jetzt – und bei einem guten Ergebnis sind die anfänglichen Schwierigkeiten schnell vergessen.

Krisen-Konzentration: 1931 fusionierten infolge der Weltwirtschaftskrise die vier deutschen Hersteller Horch, Audi, DKW und Wanderer zur Auto Union - symbolisiert durch die vier Ringe.

Wie groß ist die Gefahr, dass es bei den Übernahmeverhandlungen erneut zu Streit kommt?
Es stimmt, dass vor uns noch ein steiniger Weg liegt. Dafür sind noch zu viele sachlich schwierige Themen zu klären. Wenn ich aber die Menschen betrachte, die jetzt am Tisch sitzen, dann wollen alle die angestrebte Grundsatzvereinbarung bis zum 13. August. Es besteht jetzt die einmalige Chance, dass wir ein gutes Ergebnis erzielen – und zwar für alle Beteiligten.
Bis dahin ist es aber ein schwieriger Weg. Kann die Übernahme noch platzen?
Es wird nicht einfach, aber wir werden ein Ergebnis erzielen. Und weil so viele an dieser Entscheidung beteiligt sind, wird sie sicherlich auch von allen getragen.

Bis wann soll der neue Konzern stehen?
Winterkorn
: Unser Ziel ist Mitte 2011. Ich persönlich hoffe, dass wir es früher schaffen.

Bei Porsche ist jetzt schon von 14 Milliarden Euro Schulden die Rede. Wie hoch ist der Schuldenberg wirklich?
Wir sind gerade dabei, die Bücher von Porsche genau zu prüfen. Ich kenne noch nicht die endgültige Zahl, weiß aber, dass es sich um eine erhebliche Verschuldung handelt. Angesichts dieser Faktenlage dürfen wir uns mit der Klärung der Probleme also nicht mehr lange Zeit lassen.
Braucht VW frisches Geld, um die Porsche-Übernahme zu stemmen?
Winterkorn
: Momentan braucht Volkswagen keine Kapitalerhöhung.

So sah das Logo der Auto Union in den 30er-Jahren aus. Audi als eigenständiges Unternehmen gibt es übrigens erst wieder seit 1985.

Was sagen Sie den Porsche-Arbeitern, die ihre Eigenständigkeit verlieren und Angst um ihre Arbeitsplätze haben?
Uns geht es um die sichere Zukunft von Porsche! Die derzeitige Lage birgt ja immer noch Risiken. Das ist vielleicht noch nicht allen wirklich klar. Unter einem neu formierten Konzerndach wird Porsche eine eigenständige Marke bleiben, eigene Autos entwickeln, bauen und vertreiben, eine eigene Zentrale sowie Werke haben. Porsche ist ein Mythos, eine faszinierende Marke für Autofans auf der ganzen Welt und hat eine tolle Mannschaft! Genau das wollen wir erhalten. Im Volkswagen-Konzern wird sich Porsche noch stärker entwickeln können. Wir wissen, wie man Marken pflegt und strahlen lässt. Das beste Beispiel ist Audi: stolz, selbstbewusst und erfolgreich. Gerade weil die Marke Teil des Konzerns ist.

Noch mal: kein Jobabbau bei Porsche?
Die Arbeitsplätze sind sicher. Ein Jobabbau wird nicht Bestandteil der Übernahme sein. Porsche wird neue Autos entwickeln, wachsen und eher neue Arbeitsplätze schaffen. Im Übrigen: Viele vergessen, dass der Konzern schon jetzt im Ländle rund 14.000 Mitarbeiter bei Audi in Neckarsulm beschäftigt.

Wie erklären Sie den 370.000 VW-Beschäftigten, dass Sie einen Konzern übernehmen wollen, der 14 Milliarden Euro Schulden hat?
Porsche ist für den Konzern eine echte Bereicherung und ein Gewinn für jeden Mitarbeiter. Wir haben gemeinsame Wurzeln, die legendäre Automobile hervorgebracht haben. Diese erfolgreiche Tradition wollen wir gemeinsam fortsetzen. Mit Porsche bin ich mehr denn je davon überzeugt, dass wir alle Möglichkeiten und alle Kraft haben, die neue Nummer 1 der Welt zu werden. Davon werden alle profitieren.

Viele sehen den Mythos Porsche beschädigt, wenn künftig zwar noch Porsche dran steht, aber VW drin ist.
Das ist kompletter Unsinn! Wir werden sicherlich nicht den Fehler anderer Hersteller machen, die nach Übernahmen einst starke Marken deutlich geschwächt haben. Ich bin Schwabe und quasi vor der Haustür von Porsche groß geworden. Daher weiß ich um die Gefühle der Menschen. Es ist die große Stärke von Volkswagen, jeder Marke im Konzern ihre eigene Identität zu lassen. Das haben wir mehrfach bewiesen. Die Mehrmarkenstrategie hat den Volkswagen-Konzern zu einem der erfolgreichsten Automobilunternehmen der Welt gemacht. Das sieht man gerade jetzt in der Krise.

Wie wird denn der neue Konzern heißen?
Es gibt einige Überlegungen wie etwa Auto Union, aber noch keine Entscheidung. Dazu ist es viel zu früh.

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