Interview mit Michael Schumacher

Der neue Schumi Der neue Schumi

Interview mit Michael Schumacher

— 19.07.2007

Der neue Schumi

Zum 1. Mal seit über 15 Jahren findet in Deutschland ein Grand Prix ohne Michael Schumacher statt. BILD traf den größten Rennfahrer aller Zeiten in Kerpen für ein Exkusiv-Interview.

BILD: Fahren Sie lieber wieder Kart als Formel 1? Michael Schumacher: Ich liebe Kartfahren. Ich bin hier, weil wir den 10. Geburtstag meines Kartcenters feiern. Für mich noch mal eine tolle Gelegenheit, den Fans für all die Unterstützung in den ganzen Jahren zu danken.
Es ist ein richtiger Kart-Tempel! Muss ziemlich stolz machen... Vor allem sollte das alles hier meinen Vater mit Stolz erfüllen. Er ist derjenige, der alles leitet. Seine Akribie und Präzision haben das Kartcenter so weit nach vorne gebracht.

Wann waren Sie das letzte Mal mit Ihrem Sohn Mick auf der Kartbahn? Lange her. Es heißt ja immer, Mick wäre wie Papa ganz vernarrt ins Kartfahren. Stimmt nicht. Er hat jede Menge andere Interessen. Außerdem haben wir zu Hause auch gar keine Kartbahn in den Nähe.
Läuft Ihr neues Leben so wie Sie es sich vorgestellt haben? Ich hätte mir nicht vorgestellt, dass sich mein Terminkalender so schnell wieder füllt. Ich habe viel weniger Langeweile, als ich es mir vorgestellt hatte. Ich hatte mir eigentlich bewusst Langeweile verordnet!
Und jetzt haben Sie Freizeit-Stress? Es haben sich viele Dinge ergeben, an die ich gar nicht gedacht hatte. Ich treffe viele Freunde, verreise viel und mache einfach, wonach mir ist. Das füllt den Kalender sehr schnell. Das Schönste ist: Ich habe alles in meiner Hand, ich fühle mich einfach frei.

Schumi hilft Corinna nicht im Pferdestall

Michael Schumacher: "Ich fühle mich frei. Teamchef ist nichts für mich."

Wie fühlen Sie sich morgens beim Aufwachen? Mir geht es einfach gut. Ich weiß, dass ich alles richtig gemacht habe. Ich muss kein schlechtes Gewissen mehr haben, wenn ich mein Trainingspensum mal nicht durchziehe. Der Druck, den ich mir selbst auferlegt hatte, ist weg.
Wie viel trainieren Sie noch? Ein Minimum im Vergleich zu früher. Ich mache nur noch, wozu ich Lust habe. Auch wenn man es nicht sieht – ich habe zwei, drei Kilo zugenommen.
Oh! Nicht, dass Ihre Frau sich beschwert... Im Gegenteil: Corinna hat überhaupt kein Problem mit ein paar Kilo mehr an mir.
Ist Ihre Frau mit Ihnen als Stallbursche zufrieden? (lachend) Naja, als Stallbursche eigne ich mich nicht wirklich! Ich helfe lieber in Organisationsdingen als die Pferdeboxen auszumisten.

Welche Aufgaben reizen Sie in Ihrem neuen Leben? Ich kann nicht behaupten, jetzt schon große Aufgaben gefunden zu haben, denen ich unbedingt nachgehen will. Bei Ferrari entwickeln sich immer wieder neue Bereiche. Aber ich kann nicht sagen, dass dies oder das genau mein Ding wäre. Mit einer Ausnahme: Die Entwicklung der Straßen-Fahrzeuge. Das macht mir großen Spaß, da kann ich helfen.
Mehr als im Formel-1-Team? Da haben Ferrari und ich bis jetzt noch keine klare Linie, wie wir was in Zukunft machen wollen. Wir sehen da aber auch keinen Druck. Man muss klar sagen: In der Formel 1 ist mein Wissen zeitlich nur begrenzt gültig – sonst müsste ich es permanent auffrischen. Wenn ich viele Ex-Fahrer sehe, die versuchen, Aktionen zu kommentieren, dann tun sie sich schwer. Sie sind im Business einfach nicht mehr drin!
Sind Sie noch "auf Stand"? Ich merke jetzt schon, dass ich ein wenig raus bin. Die Fähigkeit, gewisse Feinheiten einzuschätzen, verlierst du. Die Alternative wäre, immer vor Ort zu sein. Aber ich kann ganz klar sagen: Das ist nicht meine Alternative.
Endgültig? Nie Ferrari-Teamchef? Fünf oder mehr Arbeitstage die Woche, ein Büro weit weg von zu Hause, 12-Stunden-Tage – nein, das war und wird nie ein Thema für mich.
Was machen Sie am Kommandostand? Das ist etwas ganz anderes. Da bin ich involviert in Abläufe, war vorher eine halbe Stunde im Meeting, kenne alle Details – und kann meine Meinung mit einfließen lassen.

Über Nigel Stepney will er nicht reden

Wie denkt ein Ferraristi wie Sie darüber, wenn ein Mitglied der großen Familie plötzlich spioniert und sabotiert? Du hast leider in jeder großen Firma unangenehme Fälle, die es zu lösen gibt. Mal abwarten, was am Ende herauskommt.
Wissen Sie mehr als die Öffentlichkeit? Ja. Aber in so einer Sache kann man nicht so offen reden, wie es vielleicht angebracht wäre. Das geht leider nicht.
Hätten Sie ihrem langjährigen Kollegen Nigel Stepney derartige Handlungen zugetraut? Lassen Sie uns bitte über etwas anderes reden.
Ihr Bruder Ralf ist in die Kritik geraten. Ist er plötzlich zu schlecht für die Formel 1? Niemand verlernt über Nacht das Autofahren, Ralf schon gar nicht. Klar muss er sich mit ein paar Dingen auseinander setzen. Wenn dein Teamkollege schneller ist, dann musst du einfach mehr an dir als am Auto arbeiten. Ralf weiß, wo seine Probleme liegen.

Fährt Ralf nächstes Jahr noch Formel 1? Da bin ich ganz sicher. Ich weiß, bei welchen Teams Plätze frei werden. Es gibt genug Teamchefs, die noch wissen, was Erfahrung wert ist. Nicht jeder hat einen Lewis Hamilton in der Hinterhand. Mein Bruder ist schon wieder dabei, vom Speed her der alte Ralf Schumacher zu werden.
Haben Sie einen Tipp für ihn? (lacht): Sie kennen doch meinen Bruder... Im Ernst: Wir haben uns in Kanada etwas ausgiebiger unterhalten. Da habe ich ihm meine Gedanken über das, was ich so auf der Strecke sehe, mitgeteilt.
Ist Hamilton der ganz große Überflieger? Was er zeigt, ist sehr beeindruckend. Lewis hat mich schon in der GP2 begeistert. Er ist einer, für den es sich lohnt, den Fernseher einzuschalten.
Wird er Weltmeister? Ich glaube, dass sich da noch zwei rote Autos einmischen werden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Hamilton ganz ohne Pech durch die 18 Rennen kommt. Das gab es noch nie.
Kitzelt es nicht, da noch mal mitzumischen? Nein. Ich kann behaupten, glücklicherweise den richtigen Zeitpunkt zum Absprung gefunden zu haben. Ich habe lange überlegt – aber ich habe alles richtig gemacht.

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