Interview mit Mika Häkkinen

Mika Häkkinen im Interview Mika Häkkinen im Interview

Interview mit Mika Häkkinen

— 07.04.2006

Noch mal mit allen Schlitten fahren

AUTO BILD MOTORSPORT traf den zweimaligen Formel-1-Weltmeister bei einem ganz speziellen Testtermin.

Exklusives Foto-Shooting in den Alpen

Sein stahlblauer Blick wandert weit, ganz weit in die stahlblaue Ferne. Es scheint, als sähen seine zusammengekniffenen Augen noch über die schneebedeckten Gipfel der Bergkette drüben am Horizont. Dahinter, mehr als 1000 Kilometer weiter im Norden, liegen all seine Herausforderungen: Hockenheimring, Nürburgring, Norisring.

Keine Sekunde später ist Mika Häkkinen wieder im Hier und Jetzt. Hier, das ist das Skigebiet Gréolières les Neiges in den französischen Seealpen, 45 Kilometer oberhalb von Nizza. Jetzt, das sind die Fahrten, die Foto- und Filmaufnahmen mit der neuen Mercedes R-Klasse. Deren 306 PS starke 500er-Variante hat der 37 Jahre alte Finne erstmals und exklusiv für AUTO BILD ALLES ALLRAD ausprobiert.

Doch hier ist nicht der richtige Ort, um über Kurvenverhalten und Kofferraumvolumen zu schreiben. Mika Häkkinens Eindrücke und Kommentare zu dieser neuen Mercedes R-Findung, die ein Mix ist aus Limousine, Kombi, Van und SUV ist, lesen Sie in der Mai-Ausgabe von AUTO BILD ALLES ALLRAD (ab 13. April am Kiosk).

Unser Thema ist heute der Mensch Mika Häkkinen. Der Mann aus der finnischen Hauptstadt Helsinki, der zweimal Formel-1-Weltmeister war. Dann drei Jahre weg war von der Piste und 2005 zurückkam. Und bei der Deutschen Tourenwagen Masters (DTM) für seine alte Hausmarke Mercedes wieder einer super Job machte: Im dritten Rennen schon der erste Sieg. Das war stark.

"Mika ist Teil der Mercedes-Geschichte"

Das paßte natürlich perfekt ins Konzept der Mercedes-Werbeabteilung, die den blonden Sympathiekus mit seiner Gattin Erja längst schon wieder für einen ihrer Filme gebucht hatte. Sie erinnern sich an den Spot: Wo Erja fährt, Mika pennt und plötzlich wach wird, weil er beim Träumen ein buntes Quietschetierchen mit seinem Popo "ausgelöst" hat.

Stichwort gelöst. So gelöst wie bei diesem Termin war Mika Häkkinen selten bei der Arbeit mit Fotograf und Kamerateam. "Los, alle Mann auf die Stoßstange und kräftig schaukeln!" befiehlt er in künstlich strengem Ton, als sich der fette Pick-up des TV-Teams im knöcheltiefen Schnee festgefahren hat. Und schon hängt Schumis letzter großer Gegner vor Fernando Alonso kichernd an der Haltestange der Klappe zur Ladefläche und schaukelt wie ein Surfer gegen die größten Brecher.

Seit 1995 arbeitet Mika Häkkinen für Mercedes. Sogar 2002 bis 2004, in seiner Pause vom Racing, ist die Verbindung nach Stuttgart nie abgebrochen. "Mika ist Teil der Mercedes-Geschichte und bleibt es auch", so hat es der ehemalige Markenvorstand Jürgen Hubbert einmal gesagt. Und so blieb's. Denn der flotte, nette Finne ist nach wie vor ein einzigartiger Glücksfall für die Erfinder des Automobils.

Doch nach viereinhalb Stunden Rumfahren und Stillhalten ist auch die Geduld des stoischsten Nordmanns aufgebraucht. "Das war ein langer Tag", pustet es seufzend aus Häkkinen nach dem letzten Schuß in der ersten der beiden Rücksitzreihen der R-Klasse. Er will jetzt nur noch weg. Heim nach Monte Carlo, zu Erja (43) und den Kindern Hugo (5) und Aina (1).

"Ich will jetzt DTM-Champion werden!"

Halt! Was ist mit unserem Interview? "Einsteigen, wir machen das auf dem Rückweg." Kaum drin, zischt der R 500 jaulend talwärts. "Jetzt aber maximale Attacke", raunt Mika. Und tut für einen Moment so, als sei er tierisch angenervt. Dann wieder das schelmische Grinsen von der Seite: "Na los, was will AUTO BILD MOTORSPORT denn noch wissen?"
Herr Häkkinen, Sie fahren 2006 eine der vier neuen DTM-C-Klassen von Mercedes. Wie läuft sie? Das neue Auto ist in jedem Bereich besser. Beim Bremsen, beim Beschleunigen und beim Kurvenfahren, wo vor allem die neuen Dunlop-Reifen eine Menge Fortschritt gebracht haben.
Und wie anders ist der Fahrer Mika Häkkinen vor seiner zweiten Saison in einem Tourenwagen? Ich habe mehr Selbstvertrauen, fühle mich viel relaxter.
Was war für Sie die wichtigste Lernerfahrung der Saison 2005? Die für mich neuen Strecken. Jede Piste hat ihre Eigenheiten, und du mußt überall die speziellen Tricks kennen, um am besten klarzukommen. Zwei, drei Zehntelsekunden sind da teilweise pro Runde rauszuholen. Und das bedeutet in der DTM eine ganze Menge.
Was wollen Sie in der Saison 2006 erreichen? Logischerweise werde ich Vollgas geben. Und versuchen, mehr Rennen als letztes Jahr zu gewinnen. Das ist nicht so schwer, denn ich habe ja nur einmal gewonnen. Aber ich will öfter gewinnen, mehr Rennen beenden und mehr Punkte holen. Und natürlich: Ich will jetzt DTM-Champion werden! Für Mercedes und für mich selbst.
Wer sind Ihre größten Gegner? Mit Ekström (von Audi; d. Red.) wird es wieder sehr hart und selbstverständlich auch mit meinen sehr starken Teamkollegen Bruno Spengler, Bernd Schneider und Jamie Green.
Was trauen Sie Frentzen zu nach seinem Wechsel von Opel zu Audi? Gute Frage. Schwer zu sagen, das sollten Sie Heinz-Harald lieber selber fragen. Es wird nicht leicht, denn für ihn sind Auto und Team neu. Und auch er hat sehr starke Teamkollegen.

Der Finne baut auf seine Erfahrung

Junge Fahrer wie Gary Paffett oder Mattias Ekström haben in den letzten Jahren die DTM beherrscht. Wo, wenn überhaupt, haben ältere Piloten gegenüber den sogenannten jungen Wilden noch Vorteile? Nun (denkt nach), lassen Sie mich es so sagen. Ich weiß nicht, ob ich es wirklich sagen will (lacht). Wenn du älter und weiser bist, dann hast du bestimmte Lektionen gelernt in deiner Laufbahn. Nach so vielen Rennen, die du erlebt hast, bist du geduldiger und denkst ein bißchen weiter als bis heute oder morgen. Ich würde zwar nie das Talent und das Können junger Fahrer unterschätzen, aber wenn du älter bist, weißt du manches eben einfach besser.
Und Sie meinen, daß die Jungen tempomäßig nicht im Vorteil sind? Ich denke, nicht. Denn wenn du körperlich und geistig auf diesen Job gut vorbereitet bist, dann läuft es dabei auch noch perfekt für so einen Kerl wie mich.
Was planen Sie nach 2006, wenn Ihr DTM-Vertrag mit Mercedes ausgelaufen ist? Was für eine Frage? (faßt sich an den Kopf) Die neue Saison hat nicht einmal angefangen! Eine sehr interessante Frage, die ich aber übergehe (lacht). Das geht aber nicht! Die DTM macht mir riesigen Spaß. Warten wir mal ab, was ich dort dieses Jahr schaffen kann. Dann sehen wir weiter.
Sie haben noch einen Job: Vater. Was sind derzeit Ihre wichtigsten Aufgaben zu Hause? Ich will nur ein guter Vater sein, meinen Kindern sehr viel Liebe und eine gute Erziehung geben.
Was ist Ihnen dabei wichtig? Jetzt, wo sie noch klein sind, sollen sie soviel Spaß wie möglich haben und verschiedene Sportarten ausprobieren. Wir geben ihnen dazu die besten Möglichkeiten. Meine Frau und ich reden auch ständig mit den Lehrern, wie wir unsere Kids am besten fördern können.
Können Sie sich ein Formel-1-Comeback vorstellen wie Ihr Ex-Manager Keke Rosberg, der jetzt seinen Sohn Nico betreut? Ist in 15 Jahren Hugo Häkkinen mit Papa Mika im Schlepptau im Grand-Prix-Zirkus denkbar? Aber klar! Alles ist denkbar und möglich.
Ende der Ansage. Aussteigen. Schon ist Mika Häkkinen über alle Berge. Jetzt ruft halt der Papa-Job.

Mika Häkkinen im Kurzporträt

Mika Häkkinen im Kurzporträt Geboren: 28. September 1968 • Geburtsort: Helsinki (SF) • Wohnort: Monte Carlo (Monaco) • Nationalität: Finne • Familienstand: verheiratet mit Erja, zwei Kinder (Hugo, Aina) • Hobby: Familie • Karriere: In der Zirkusschule ist er zwar auch einer der Geschicktesten, doch das Kartfahren macht Klein-Mika noch mehr Laune. 1974, mit sechs Jahren, hat er damit angefangen. Bis 1986 wird er darin fünfmal finnischer Meister.

1990 gewinnt Häkkinen den F3-Titel Englands und fährt gleich im nächsten Jahr Formel 1. 1993 Wechsel zu McLaren – als Tester. Doch als Michael Andretti dauernd patzt, wird Mika ab dem GP Portugal sein Nachfolger und neuer Teamkollege des Weltmeisters Ayrton Senna. Ab 1994, nach Sennas Absprung zu Williams, ist Häkkinen McLarens Teamleader. 1995 kommt Mercedes als Motorenpartner dazu. Doch der Finne erlebt seinen schwersten Rückschlag: schwerer Schädelbruch und Lebensgefahr nach Trainingscrash (Reifenplatzer) beim Australien-GP. Anfang 1996 ist er wieder voll da und holt Ende 1997 seinen ersten F1-Sieg. Dem sollen noch 19 weitere folgen sowie zwei Weltmeister-Titel (1998 und 1999).

Ende 2001 Ausstieg aus dem Grand-Prix-Cockpit nach einem weiteren schweren Unfall in Australien (Radaufhängungsbruch) und nur noch bedingt siegfähigem Auto von McLaren-Mercedes. Bei Hobbyrennen (Arctic Rallye und finnischer Porsche Cup) weiter überzeugend. 2005 großes Renn-Comeback: DTM mit Mercedes – ein Sieg, Platz fünf in der Meisterschaft. Seit Dezember 2000 Vater und noch mehr fixiert, abseits der Piste Ruhe und Frieden zu haben.

Autor: Leopold Wieland

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