Interview mit Peter Sauber

Was mögen Sie an deutschen Piloten, Herr Sauber? Was mögen Sie an deutschen Piloten, Herr Sauber?

Interview mit Peter Sauber

— 30.09.2002

Was mögen Sie an deutschen Piloten?

Der Schweizer Peter Sauber holte Nick Heidfeld und Heinz-Harald Frentzen in sein Formel-1-Team. Und verhandelt nun auch mit VW.

"Wir haben zu viel von Massa erwartet"

WELT am SONNTAG: Herr Sauber, Sie gelten als introvertiert und bescheiden. Was macht ein Mensch wie Sie in der Formel 1? Peter Sauber: Bevor ich in die Formel 1 eingestiegen bin, habe ich sie verfolgt und sie dann als Teilnehmer so verrückt, so spannend und so aufregend angetroffen, wie ich es von ihr erwartet hatte.

Und Sie fühlen sich da wohl? Ja, wenn sich Spitzensport und Hollywood treffen und zu einem Geschäft – und zwar ein sehr hartes – zusammenkommen, dann ist das einerseits spannend, aber auch normal.

Warum fahren Sie 2003 statt mit Felipe Massa mit Heinz-Harald Frentzen? Wir mussten die Entscheidung zu einem Zeitpunkt treffen, wo noch genügend andere Fahrer auf dem Markt waren. Das war Mitte der Saison 2002. Die Hauptfrage war: Reicht die Paarung Heidfeld/Massa, um 2003 mit Renault um Platz vier bei der Konstrukteurs-WM zu fahren? Zu diesem Zeitpunkt lautete die Antwort: Nein.

Warum? Weil wir einerseits nach unseren Erfahrungen mit Kimi Raikkönen ein bisschen übermütig waren und auf dieser Basis vielleicht etwas zu früh zu viel von einem 21-jährigen Formel-1-Debütanten erwartet haben. Dazu muss man sagen: Massa ist extrem talentiert und sehr schnell, aber sein Umgang mit der Technik rund um sein Auto und die Erfahrung, die man dazu braucht, erschien uns noch nicht ausreichend. Zu dem Zeitpunkt unserer Entscheidung konnte man aber noch nicht absehen, wie gut und schnell er sich in diesem Jahr noch entwickeln würde.

Was unterscheidet Massa von Ihrem Ex-Fahrer Raikkönen? Vom rein fahrerischen Talent sind die wahrscheinlich auf demselben Niveau. Kimi ist von seiner Persönlichkeit nur sehr abgeklärt und extrem auf das Rennfahren ausgerichtet, Felipe ist da noch ein bisschen verspielter, vielleicht noch nicht so ernsthaft.

"Frentzen ist abgeklärter und konstanter"

Was bietet dem Sauber-Team der wesentlich ältere Heinz-Harald Frentzen im Gegensatz zu Massa? Beide sind gleich schnell, aber von Frentzen erwarten wir uns mehr technische Unterstützung für unsere Ingenieure und eine abgeklärte konstantere Leistung. Bei seinem Talent und seiner F-1-Erfahrung ist das realistisch.

Wie werden sich die deutschen Fahrer Heidfeld und Frentzen bei Sauber ergänzen, wie unterscheiden sie sich? Das weiß ich noch nicht. Heinz-Harald Frentzen, der uns vor sechs Jahren verlassen hat, ist heute sicher nicht mehr der Gleiche. Alles ist offen.

Zwei deutsche Fahrer in einem Schweizer Team – könnte das Schwierigkeiten geben, wird der Druck dadurch größer? Ich glaube nicht, dass es bei den Fahrern untereinander Probleme geben wird, aber im Umfeld, vor allem durch das verstärkte Interesse an dieser neuen Konstellation und die genauere Beobachtung der Presse, könnte es Unruhe geben. Was den Leistungsdruck betrifft, wird sich nicht viel ändern. Der ist bei uns sowieso schon groß genug.

Haben Sie auch ins Kalkül gezogen, dass Ihr Team dadurch auch aufgewertet wird? Wenn wir die Vorteile der neuen Konstellation nutzen können, ja.

Gab es auch Bedenken gegen diesen neuen Weg? Grundsätzlich nicht. Zwei deutsche Fahrer für ein Schweizer Team zu verpflichten ist ja nicht so ungewöhnlich. Unsere beiden Länder verbindet schließlich nicht nur die Sprache, sondern auch eine gemeinsame Kultur.

Sind die älteren Fahrer auf Grund ihrer Konstanz und Erfahrung in der Formel 1 wieder mehr gefragt? Panis fährt 2003 bei Toyota, Irvine möglicherweise bei Jaguar oder Jordan, Frentzen jetzt bei Ihnen. Geht der Trend weg von der Jugend? Glaube ich nicht. Sehen Sie, was McLaren mit dem Kimi Raikkönen gemacht hat. Das beweist, dass ein Top-Team für beide Wege offen ist, also einen extrem jungen, aber auch einen sehr erfahrenen Mann wie Coulthard zu verpflichten. Es war auch in der Vergangenheit von mir keine Strategie, nur auf junge Fahrer zu setzen, wie das immer gesagt wird. In meiner Personalpolitik hat es nie eine bestimmte Richtung gegeben.

Kontakte zu VW-Chef Pischetsrieder

Woher nehmen Sie den Optimismus, dass Sie auf die Dauer als Privatteam gegen finanziell, personell und technisch besser ausgerüstete Werksteams wie Renault, Ford Toyota oder Honda bestehen können? Ich glaube einfach, dass wir das können. Wir haben eine über Jahre gut gewachsene Einheit und haben dazugelernt, unsere Mittel richtig und effektiv einzusetzen. Ich glaube, dass wir von unseren direkten Gegnern nicht so weit weg sind .

Können Sie trotzdem auf Dauer dem Druck der besser finanzierten Herstellerteams standhalten? Müssen oder wollen Sie aus diesem Grund nicht über kurz oder lang mit einem Hersteller zusammenarbeiten? Unsere Dreieck-Konstellation Ferrari, Petronas, Sauber ist eigentlich sehr gut, aber selbstverständlich haben wir sowohl Kontakte zu Herstellern, die in der Formel 1 sind, als auch zu solchen, die noch nicht drin sind. Diese Möglichkeiten müssen wir uns offen halten

Müssen Sie oder wollen Sie? Wir können auch ohne Hersteller. Ich bin einerseits sogar sehr glücklich damit, weil wir nicht so unter einem Leistungsdruck stehen wie andere Teams. Ich würde mit einem Hersteller auch nur kooperieren, wenn unsere Situation dadurch besser wäre als jetzt.

Was wäre besser? Dass es mit Hilfe eines Herstellers in Richtung der ersten drei Plätze, also Richtung McLaren oder Williams geht.

Es heißt, Sie verhandeln mit Volkswagen oder Audi? Es gibt Kontakte zu Volkswagen-Chef Pischetsrieder. Das ist normal.

Wäre das ein Partner? Ich bin immer interessiert, mit einem großen Partner zu arbeiten, aber möchte mich dabei nicht auf einen Partner oder eine Marke beschränken.

Sie bauen derzeit in Hinwil den modernsten Windtunnel der Formel 1. Wohin führt der Weg von Sauber? Der Windkanal ist das wichtigste Werkzeug, um ein konkurrenzfähiges Auto zu bauen. Es bedeutet, Sauber hat damit das Zeug, weiter nach vorne zu kommen.

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.