Interview mit Prof. Sebastian Thrun

Interview: Prof. Sebastian Thrun Interview: Prof. Sebastian Thrun

Interview mit Prof. Sebastian Thrun

— 04.05.2007

Das selbst fahrende Auto kommt

"Der Traum vom unfallfreien Fahren wird wahr", sagt Sebastian Thrun, Professor für künstliche Intelligenz an der Stanford University, über die Entwicklung eines Autos, das keinen Fahrer mehr braucht.

AUTO BILD: Professor Thrun, Ihr Team der Universität von Stanford arbeitet gemeinsam mit dem Electronic Research Laboratory von VW an einem Auto, das führerlos und unfallfrei durch den Stadtverkehr fahren soll. Was genau kann der Passat Variant Junior?

Sebastian Thrun: Gas, Bremse, Lenkung und Schaltung werden elektronisch gesteuert. Das ist leicht. Wichtiger ist, wann und warum gebremst oder ausgewichen wird. Neben Standards wie GPS ist Junior unter anderem mit einer Vielzahl von Sensoren, sechs Digitalkameras und einem 360-Grad-Laser auf dem Dach ausgestattet. Der berechnet, wie lange ein Lichtstrahl zu einem Gegenstand und zurück braucht. So kann Junior den Abstand zu einem anderen Objekt auf drei Zentimeter genau ermitteln.

Im November tritt Junior zur Urban Challenge an. Kommt er da heil heraus? Wenn es uns gelingt, dem Auto den menschlichen Verkehrsinstinkt einzupflanzen, ja. Es ist nicht leicht, einen mindestens 18 Jahre alten Menschen nachzuempfinden. Wenn zwei von Computern gesteuerte Autos gleichzeitig von zwei Seiten an eine Kreuzung kommen, kann es krachen – oder die Autos stehen ewig da rum.

Sie arbeiten seit Jahren am autonomen Fahren, haben mit Juniors Vorgänger Stanley 2005 das Wüstenrennen gewonnen. Wann steigen wir in unser Auto, geben die Zieladresse ein, und unser Wagen fährt los? Ab 2030! Im militärischen Bereich bereits ab 2015. In den vergangenen fünf Jahren gab es eine regelrechte Explosion an Informationssystemen in Neuwagen. Firmen wie Bosch haben das erkannt und arbeiten mit uns zusammen. Schon 2010 werden selbst fahrende Autos dieselbe Zuverlässigkeit haben wie ein von Menschenhand gesteuerter Wagen – zunächst leider nur auf Autobahnen.

Und irgendwann fahren alle Autos computergesteuert herum. Sie tüfteln am Ende des Fahrspaßes ... Ich fahre privat ein Porsche Boxster Cabrio – mir liegt der Fahrspaß am Herzen. Und er bleibt auch mit einem Autopilot-Knopf im Wagen erhalten. Aber stellen Sie sich vor: Sie sitzen beim Italiener, hatten zu viel Rotwein, sind müde. Plötzlich haben Sie die Möglichkeit, sich von Ihrem Auto sicher nach Hause fahren zu lassen. Welch ein Fortschritt für die Verkehrssicherheit! Der Traum vom unfallfreien Autofahren wird wahr.

Hoffentlich. Aber wohl nur für Fahrer von Luxusklassefahrzeugen? Warum? Ein Autopilot würde den Wagen nach unseren Berechnungen nur um rund 2000 Euro teurer machen. GPS – gibt es schon. Abstandsregler – gibt es schon. Kameras am Auto – gibt es schon. Sie werden die Wahl haben: einen Familienurlaub oder einen ständigen Chauffeur für das Auto. Und es wird weitere wichtige Effekte geben.

Nämlich? Die Auslastung der Autobahnen beträgt hier in Amerika nur acht Prozent. Das kann verdoppelt werden. Autos fahren dichter auf – vollkommen sicher. Das ist der Weg aus dem Verkehrschaos. Stellen Sie sich für den Anfang Folgendes vor: zwei Lkw im Konvoi, der vordere vom Trucker gesteuert, der hintere vom Computer, während der Fahrer ruht. Und: weniger stop and go fährt zu einer Spritersparnis von bis zu 17 Prozent.

Wenn die ersten autonom fahrenden Autos kommen, gibt es ein schönes Durcheinander auf den Straßen. Klar, zu Beginn gibt es gemischten Verkehr. Aber warum keine Fahrspuren auf Autobahnen nur für selbst fahrende Autos? Das wäre eine Revolution.

Führerlos durch die Innenstadt

Bei der "Grand Challenge" gewann der führerlose Touareg Stanley.


Am 3. November werden rund 20 Teams zu einem ungewöhnlichen Stadtrennen namens "Urban Challenge" starten. Veranstalter ist die militärische US-Forschungsagentur DARPA. Auf einem Truppenübungsplatz in den USA wird eine künstliche Stadt mit Straßen, Kreuzungen, Ampeln, Autos und Fußgängern aufgebaut. In ihr liefern sich führerlose Fahrzeuge ein Rennen. 60 Meilen Stadtverkehr müssen in weniger als sechs Stunden unfallfrei gefahren werden. Das Team, das ihr von Computern gesteuertes Auto am schnellsten ins Ziel bekommt, gewinnt ein Preisgeld von zwei Millionen Dollar.

Autor: Hauke Schrieber

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