Interview mit Ron Dennis

Interview mit Ron Dennis

— 04.06.2003

"Dieses Auto muss die WM gewinnen"

McLaren-Teamchef Ron Dennis (56) setzt auf den neuen Silberpfeil. Doch wann hat der Renndebt? Kommt Ralf Schumacher ins Team? Und bernimmt Mercedes-Benz McLaren ganz?

"Wer siegen will, muss Risiken eingehen"

AUTO BILD motorsport: Die Fans blicken gespannt auf den neuen McLaren-Mercedes MP4-18. Dabei hlt das weiterentwickelte Vorjahresauto derzeit immer noch berraschend gut mit. Ron Dennis: Stimmt. Unser Interimsauto MP4-17 D produziert gute Resultate. Mit ihm hoffen wir auch in den nchsten Rennen mit Ferrari mitzuhalten.

Und dann? Der Typ 17 D wird nicht die gesamte Saison ber konkurrenzfhig sein. Deshalb muss der neue Silberpfeil fr uns die WM gewinnen. Dazu muss er aber nicht nur Tests, sondern auch Rennen fahren. Wir haben klare Vorstellungen, wann das Auto erstmals im Rennen eingesetzt werden soll. Aber dieser Termin wird sich nach der Entwicklungsgeschwindigkeit richten.

Die Zeit drngt. Vom 21. Juli bis 1. September gibt es ein sechswchiges Testverbot, also verlorene wichtige Entwicklungszeit fr Sie. Warum gehen Sie trotzdem das Risiko ein? Um ganz vorn zu fahren, muss man in diesem Geschft auch mit einem gewissen Risiko arbeiten. Unser Vorteil ist, dass die Regeln momentan recht stabil sind. Das gibt uns mehr Zeit. Die nutzen wir, um aggressiver und aufwndiger zu planen, damit das neue Auto einen noch greren Leistungssprung macht.

Ferrari hat fast drei Monate gebraucht, um den F2003-GA rennfertig zu machen. Warum wird das bei McLaren schneller gehen? Ferrari hatte ganz spezifische Probleme, die den Start des Autos verzgerten. Das kann uns zwar theoretisch auch passieren, aber wir konnten das Risiko verringern, weil wir einzelne Bausteine schon frh separat auf Belastung und Ermdung getestet haben. Wir haben auch zwei Getriebe parallel entwickelt. Eines ist eine Weiterentwicklung des jetzigen, das andere ist komplett neu. So wollen wir das Risiko eines Fehlschlages reduzieren.

"Der MP4-18 wird in allen Bereichen besser"

Was knnen die Fans sonst noch vom MP4-18 erwarten? In allen Bereichen, die ein Auto schneller macht, wird er besser sein als sein Vorgnger.

Wer zeichnet bei McLaren fr den Rennwagen verantwortlich? Wir haben zwei Senior-Designer mit ihren Mannschaften. Fr den Typ 17 war das Neil Oatley, fr den neuen Silberpfeil ist es Mike Coughlan. Koordiniert wird deren Arbeit von Adrian Newey.

... Ihrem Technischen Direktor, von dem es heit, das neue Auto sei sein letzter Geniestreich fr McLaren. Stimmt nicht! Newey ist hoch motiviert und wird auch in Zukunft konkurrenzfhige Autos bauen.

Dennoch haben Sie im vergangenen Jahr in Ihrer Firma fast alle Strukturen gendert. Ergebnis der Niederlagen gegen Ferrari? Erstens: Fehler machen ist menschlich. Zweitens: Ich lebe in meinem Job permanent mit einer Art Selbstanalyse. Und drittens: Niemand kann permanent Maximalleistungen produzieren.

Wo steht McLaren-Mercedes derzeit im Vergleich zu Ferrari, BMW-Williams und Renault? Renault haben wir in diesem Jahr in der Regel geschlagen. Ferrari hat mit dem neuen Auto einen Schritt nach vorn gemacht. Die nchsten Rennen werden zeigen, ob dieser Schritt gro genug war. Bei Williams hat man offensichtlich ein paar Probleme. Dort wird man sich wie wir es getan haben offensiv damit auseinander setzen.

Ralf Schumacher bei McLaren kein Thema

Kommen wir zu Ihren Piloten: Was unterscheidet Kimi Rikknen von seinem Vorgnger Mika Hkkinen? Wie der junge Mika hat auch Kimi das Zeug, nicht nur Rennen, sondern auch die WM zu gewinnen. Er hat ein riesiges, noch nicht voll ausgeschpftes Potenzial. Er wird immer besser, ist zudem ruhig, entspannt und selbstbewusst.

Lauda, Prost, Senna Sie haben mit vielen Superstars gearbeitet. Wie sehen Sie Rikknen im Vergleich? Kimi hat die meisten der Qualitten, die diese Fahrer auch hatten.

Halten Sie es fr vorteilhaft, wenn ein Pilot wie David Coulthard so lange fr dasselbe Team fhrt? Ja, denn so entsteht Stabilitt und Vertrauen zwischen Fahrer und Team. Auch David hat die Fhigkeiten, Weltmeister zu werden.

Wird Ralf Schumacher bei Ihnen 2003 Coulthard-Nachfolger? Zu dieser Pressegeschichte nur so viel: Es gibt keinen Kontakt und kein Interesse. Wir sind fahrerisch bestens aufgestellt.

Was muss ein Pilot knnen, den Sie verpflichten? Er muss Rennen gewinnen knnen.

Auch vom letzten Startplatz aus? Auch dann. McLaren-Mercedes tritt immer an, um zu gewinnen.

Bei derlei Ansprchen mssen Sie doch enorme Angst haben, dass der neue Silberpfeil trotz aller Tests nicht siegt? Alles, was wir fr das neue Auto getan haben, garantiert nicht seinen Erfolg. Aber: Wir wissen, dass wir einen besseren Rennwagen gebaut haben, als es der Vorgnger war. Wir wissen nur noch nicht, wie gut er wirklich ist.

Dennis bezweifelt McLaren-bernahme

Manches liegt auch nicht in Ihren Hnden. Sie stecken Millionen Dollar in ein neues Auto, und am Ende entscheidet ein Satz Reifen fr ein paar Tausender, ob dieses Auto einen Grand Prix gewinnt. Das war schon immer so, vor allem seit verschiedene Reifenhersteller dabei sind. Das ist nun mal ein Teil des Wettbewerbs.

Ist es diese Hightech-Schlacht, die Sie noch immer motiviert? Absolut! Der Wettbewerb auf hohem Niveau ist mein Leben.

Es gibt Gerchte, dass Ihr Motorenpartner Mercedes-Benz demnchst die Mehrheit an McLaren bernimmt oder die Firma gar komplett aufkauft. Das ist, wie Sie sagen, ein Gercht. Auch wenn solch ein Deal reizvoll und bezahlbar sein sollte wird er in naher Zukunft mglich sein? Ich bezweifle es.

Es wird viel ber die Formel 1 spekuliert: eigene Hersteller-Serie, Ende des Concorde-Abkommens. Wie sehen Sie die Zukunft? Es wird eine stabile Lage geben, weil keiner der Beteiligten die Formel 1 beschdigen will. Es kommen auch keine zwei konkurrierenden Serien. Das ganze Problem wird rechtzeitig gelst.

Sie sind also noch immer hundertprozentig motiviert? Klar! Das Problem ist nur, dass ich immer weniger Zeit fr mich und meine Familie habe.

Dabei gelten Sie doch als der grte Egomane im Zirkus. Ich habe Spa zu sehen, wie meine Kinder aufwachsen und sich entwickeln. Dasselbe gilt fr die Entwicklung von McLaren. Leider hat der Tag oft zu wenig Stunden.

Und wenn doch ein bisschen Freizeit brig bleibt? Dann gehe ich mit meiner Frau ber den Golfplatz.

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