Interview mit Rubens Barrichello

Rubens Barrichello Rubens Barrichello

Interview mit Rubens Barrichello

— 26.07.2006

"Ich muss zu nett zum Auto sein"

Honda-Pilot Rubens Barrichello über Probleme im neuen Team, Ärger bei Ferrari und seinen nahenden Rücktritt.

AUTO BILD MOTORSPORT: Sie waren zuletzt oft schneller als Ihr Teamkollege Button. Fühlen Sie sich jetzt zu Hause bei Honda? Rubens Barrichello: Es hat mich einige Zeit gekostet, mich im Team zurechtzufinden. Mein größtes Problem waren die Bremsen. Man sagte mir, dass wir bei den Tests alte Bremsen fahren und in den Rennen auf neue umsteigen würden. Als wir dann aber zum ersten Grand Prix kamen, hat sich rein gar nichts verändert. Danach hat es mich drei Rennen gekostet, neue Teile auszuprobieren. Jetzt fühle ich mich mehr und mehr zu Hause.

Wo hapert es noch? Eine schnelle Runde auf frischen Reifen kann ich problemlos aus dem Auto herausquetschen. Aber es kommt darauf an, jene schnelle Runde auch hundertmal hinzubekommen. Das ist noch nicht möglich, weil ich zu nett zu dem Auto sein muss. Die Bremsen verzeihen keine harten Tritte, blockieren dann schnell.

Im Ferrari haben Sie immer mit rechts gebremst, im Honda jetzt angeblich mit links. Zuerst schon, aber mittlerweile kann ich mit beiden Füßen bremsen. Wenn ich hart

Beidfüßig unterwegs: Barichello und Button mit ihren 2006er-Boliden.

bremsen muss, nehme ich den rechten Fuß, bei weichen Bremsmanövern den linken. Generell ist der Honda eines der besten Autos im Feld. Uns fehlen nur ein paar Kleinigkeiten, etwas Leistung, eine bessere Traktionskontrolle.

Was stimmt da nicht? Bei Ferrari konnte ich am Kurvenausgang voll aufs Gaspedal steigen, den Rest erledigte die Traktionskontrolle. Jetzt muss ich das Auto richtig aus der Kurve herausfahren. Ich muss mit dem Gas spielen, und dabei verliere ich Zeit. Viele Leute sagen, heute könnte ein Affe ein F1-Auto fahren. So ist das nicht. Ein guter Fahrer muss noch dieses spezielle Gefühl im Fuß haben.

Was können Sie 2006 angesichts dieser Probleme noch erreichen? Ich dachte, daß es sehr viel einfacher sein würde, ein Rennen zu gewinnen. Aber das wird schwierig. Siegen können wir nur mit ganz viel Glück.

Was ist bei Honda anders im Vergleich zu Ferrari? Die Arbei mit Honda ist entspannter. Bei Ferrari war der Druck enorm. Oft wurde mir sogar vorgeschrieben, was ich in Interviews zu sagen hatte. Ich will Ferrari nicht kritisieren. Ich habe meine sechs Jahre dort genossen, aber manchmal fühlte ich mich zu sehr unter Druck gesetzt.

Hat Sie auch Ihre Rolle als Nummer zwei eingeschränkt? Michael und ich hatten immer das gleiche Auto. Aber die ganze Mannschaft war um Michael herum aufgebaut.

Da war er ganz oben: Barrichello vor Schumi und Button (GP in Monza 2004).

Ich konnte oft nicht das tun, was ich wollte. Ich habe immer geglaubt, daß ich dort Erfolg haben könnte. Aber besonders 2005, als es nicht so gut lief, sprangen sie zu hart mit mir um. Und ich kann Ihnen sagen: Felipe Massa hat im Moment einen harten Job. Er muss Michael helfen, den Titel zu gewinnen, um überhaupt eine Zukunft im Team zu haben.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Ihrem Honda-Teamkollegen Button? Sehr gut. Wir liegen auf einer Wellenlänge. Sicher wollen wir uns gegenseitig schlagen, aber wir beide haben ein gutes Herz. Er freut sich, wenn ich Erfolg habe und umgekehrt. Ich hatte nie Probleme mit Teamkollegen. Das liegt an meiner Persönlichkeit. Ich streite nicht gern.

Sind Ihre Söhne schon vom Motorsportvirus befallen? Der Große fährt Kart, seit er vier Jahre alt ist. Und auch wenn wir Golf spielen – das kann er übrigens schon sehr gut –, fährt er den Caddy. Er kann zwar nicht einmal die Pedale vernünftig erreichen, trotzdem lässt er mich nicht mehr ans Steuer – sehr lustig.

Denken Sie an Rücktritt? Der ist jetzt näher als je zuvor. Und es wird eine der traurigsten Entscheidungen meines Lebens. Ich liebe diesen Sport, aber Patreses Rekord (256 Rennen, Barrichello 226; d. Red.) will ich nicht brechen.

Vom Helfer zum Hoffnungsträger: Rubens Barrichello trägt jetzt weiß.

Kurzvita von Rubens Barrichello Geboren: 23. Mai 1972 • Geburtsort: São Paulo (Brasilien) • Wohnorte: Monaco, São Paulo • Nationalität: Brasilianer • Familienstand: verheiratet mit Silvana, zwei Söhne, Eduardo (4), Fernando (10 Monate) • Erlernter Beruf: Rennfahrer • Hobbys: Golf, Kart, PC-Spiele • Karriere: 1991 Britischer F3-Champion, 1992 Dritter der F3000-EM, F1-Einstieg 1993 mit Jordan, 1997 Wechsel zu Stewart, 2000 bis 2005 bei Ferrari, F1-Vizeweltmeister (2002, 2004), jetzt bei Honda

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