Interview mit Willi Weber

Interview mit Schumi-Manager Willi Weber Interview mit Schumi-Manager Willi Weber

Interview mit Schumi-Manager Willi Weber

— 02.09.2003

"Michael kriegt jetzt den Extra-Kick"

Selbst in schwierigsten Zeiten bleibt der Manager der Schumis Optimist. Hier verrät er, wieso er an eine erfolgreiche Titelverteidigung glaubt. Er erklärt Montoyas Schwächen und Ralfs Ziele.

"Michael kann nichts mehr umwerfen"

AUTO BILD motorsport: Herr Weber, Michael Schumacher rinnt derzeit der erwartete sechste Titelgewinn durch die Finger. Haben Sie einen Notplan? Willi Weber: Der Ungarn-Grand-Prix lief komplett schief. Wir brauchen jetzt einen kühlen Kopf – keinen Notplan. Wir haben schon genug Notlagen miterlebt. Das nächste Rennen kann ganz anders aussehen. Und kein Titelkampf verläuft wie der andere.

Das sind Durchhalteparolen. Die brauchen wir nicht. Ferrari kann reagieren, hat bereits reagiert und wird weiter reagieren.

Jahrelang dominierte Ferrari, seit Juni geht es nun abwärts. Sie vergessen den Sieg in Kanada. Michael führt die WM immer noch an. Jetzt wird es ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Na und? Ich erinnere mich noch gut an 2002. Da haben alle geschrien, dass es keine Spannung mehr gebe in der Formel 1. Jetzt ist sie da, und wieder schreien alle, reden Krisen herbei. Alles Nonsens.

Moment mal. Schumi sagt selbst, er würde lieber locker gewinnen, als so in den Seilen zu hängen. Aber das heißt nichts. Er gibt nicht auf, bis zur letzten Runde nicht. Ich kenne ihn. Die prekäre Lage gibt ihm sogar einen Extra-Kick. Er liebt den Wettbewerb. Mir war nach der Einführung der neuen Punkteregel klar, dass man nach einem Totalausfall oder zwei schlechten Rennen nur schwer wieder aufschließen kann. Aber dass es so eng zugeht, ist nicht gut für meinen Kreislauf.

Michael hat nicht nur einen Gegner, sondern mindestens zwei. Das ist ihm egal, das motiviert ihn höchstens zusätzlich. Überlegen Sie mal, was er schon alles hinter sich hat: 1994 nach Disqualifikationen Weltmeister mit nur zwölf Rennen, dann mit Ferrari mehrfach knapp gescheitert. Dann der Beinbruch 1999, die Wahnsinns-Saison gegen Mika Häkkinen 2000, der Durchbruch mit Ferrari. Ich glaube nicht, dass ihn noch irgendetwas umwerfen kann.

"Montoya ist gar nicht so gut"

Wurde Ferrari-Partner Bridgestone von Michelin überrascht? Michelin ist schlagbar. Stellen Sie sich mal vor, wir hätten zwei, drei Regenrennen gehabt. Die wären klar an uns gegangen. Dann hätte niemand diesen Michelin-Hype entfacht. Nun verläuft die Saison wetterabhängig. Bei Hitze freue ich mich eben für Ralf.

Der hat's genauso schwer: Ihre beiden Klienten stehen derzeit klar im Schatten von Juan Pablo Montoya. Ist der wirklich so gut? Nein, den fürchten wir nicht. Wenn ich Ralfs Defekte berücksichtige, hat er im teaminternen Duell gegen Montoya die Nase vorn. Ralf holt meistens mehr Punkte, wenn er ins Ziel kommt. Er ist der bessere Fahrer. Bei so viel Vorschusslorbeeren, wie Montoya bekam, müsste er Ralf doch mit links wegfahren. Er ist meines Erachtens schon überbewertet hier angetreten.

Er hat aus den letzten sieben Rennen 56 WM-Punkte geholt. Montoya hatte keine Defekte. Und dass er Talent hat, bestreite ich ja gar nicht.

Er holt aus einem schlechten Auto mehr raus als Ralf. Und aus einem guten weniger.

Warum angelt sich dann McLaren-Mercedes nicht Ralf Schumacher für 2005, sondern Montoya? Die Philosophie ist dort anders als üblich. Die wollen die Marke Mercedes im Vordergrund haben und nicht die Marke Schumacher.

Ralf bleibt bei BMW-Williams? Gehen Sie mal davon aus! Frank Williams will, dass er bis 2006 bleibt. Es geht nicht mehr um Eckdaten, nur noch um Details. Von 100 Vertragspunkten sind noch eine Hand voll offen, alles Kleinigkeiten.

Sie wollten Abstriche bei Ralfs Gehalt machen (13 Millionen Euro; die Red.), Ralf nicht. Ralf bringt super Leistungen und hat Anspruch auf gute Bezahlung. Aber als Manager, der mehr in die Zukunft denkt, wäre ich eher zu Kompromissen bereit gewesen als er. Wir sind in schwierigen Zeiten. Man muss mit einem langfristigen, potenten Vertragspartner zufrieden sein, wenn man mit ihm Rennen und Titel gewinnen kann.

Aber Sie verzichten auf das Verhandlungs-Pfund eines WM-Titels. BMW-Williams weiß, dass er Weltmeister-Qualitäten hat. Das kalkulieren wir in unseren Forderungen durchaus mit ein. Wenn Ralf dann 2006 einmal Weltmeister war, ist sein Marktwert für den nächsten Partner natürlich höher. Außerdem soll es ja die Möglichkeit geben, eine Titel-Prämie auszuhandeln ...

"Ein 6. WM-Titel bringt keinen Cent"

Wie wichtig sind Titel für die Vermarktung? Michaels sechster würde keinen Cent bringen, nur die statistische Gewissheit, dass er der erfolgreichste Fahrer aller Zeiten wäre. Mit Ralf wäre das anders. Ein Weltmeister ist ein Weltmeister.

Trotzdem: Warum lassen Sie sich so früh auf Verhandlungen ein, wenn Ralf doch so gut ist, wie Sie sagen? Weil Vertragssicherheit wichtig ist. Diese Langfristigkeit stabilisiert alles. Das sieht man an Michael und Ferrari. Das ist eine Familie. Das will ich auch für Ralf. Und bei BMW-Williams fühlt er sich ja schon so.

Noch unlängst warfen Sie dem Team Ungleichbehandlung vor. Na und? Ich bin doch nicht dazu hier, die Blumen zu gießen. Es ist meine Aufgabe, für meine Fahrer einzutreten. Aber das Team hat fantastisch reagiert und ein Gleichgewicht geschaffen, in dem beide Fahrer gut klarkommen.

Wenn Montoya abwandert ... ... dann hoffe ich, dass ein guter Nachfolger kommt. Es wäre aber kein Nachteil, wenn Ralf dann entsprechend seiner Resultate die dominante Rolle im Team spielte und entsprechend unterstützt würde.

Stimmt sein Ehrgeiz? Ralf hatte immer Ehrgeiz. Da ist er keinen Deut anders als Michael. Auch er ist in die Formel 1 gekommen, um Titel zu holen. Und ich kenne Aussagen von ihm, die lauten: "Ich will erfolgreicher werden als Michael, noch mehr gewinnen als er." Diesen Ehrgeiz muss er haben, auch wenn er weiß, dass Michaels Rekorde ewig halten.

Willi Weber, der Goldsucher

Willi Weber im Kurzporträt • Geboren: 11. März 1942 • Geburtsort: Regensburg • Wohnort: Stuttgart • Nationalität: Deutschland • Familienstand: verheiratet mit Heidemarie, Tochter Christina • Erlernter Beruf: Hotelkaufmann, Gastronom • Hobbys: sein Gourmet-Restaurant in Stuttgart, Uhren, Autos

Der Goldsucher Seiner erste Million verdiente der findige Schumi-Manager im Gebrauchtwagenhandel – mit 25 Jahren. Später lernte er als mäßig talentierter Hobbyrennfahrer die Formel 3 kennen, gründete 1984 das WTS-Team. 1989 fiel der Startschuss für die Goldmine Michael Schumacher.

Einen F3-Renner und ein monatliches Taschengeld investierte Weber damals in den namenlosen Nachwuchspiloten. Gegenleistung: ein Zehnjahresvertrag, der Weber 20 Prozent aus allen Schumi-Einnahmen zusicherte. 1991 hievte Weber seinen Schützling mit Hilfe von Mercedes-Benz – und einer kleinen Notlüge – in die Formel 1 (Jordan-Team). Auf die Frage, ob Michael schon einmal in Spa gefahren sei, antwortete Weber mit Ja. Er verschwieg aber, dass er Fahrrad-Runden meinte.

1993 folgte Schumi II in Webers Pool. Durchbruch: Ferrarivertrag 1995 (20 Millionen DM Jahresgage für Michael). Ab 1996 schwunghafter Fanartikel-Verkauf und Betreuung weiter Kunden (Motorrad-Champion Doohan, Rallye-Ass Jutta Kleinschmidt).

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