Interview mit VW-Boss Pischetsrieder

Interview mit VW-Boss Bernd Pischetsrieder Interview mit VW-Boss Bernd Pischetsrieder

Interview mit VW-Boss Pischetsrieder

— 22.08.2003

"Autofahrer werden gezielt gegängelt"

Was denkt die Autobranche über die Politik der Bundesregierug? VW-Konzernlenker Bernd Pischetsrieder im Gespräch.

Die Diskussion um die Kürzung der Pendlerpauschale erregt die deutschen Gemüter. Werden die Autofahrer benachteiligt, dann leidet auch die Autoindustrie: Volkswagen-Chef Bernd Pischetsrieder über die rot-grüne Steuerpolitik, die Einführung des Diesel-Rußfilters und die größte VW-Hoffnung auf der IAA – den neuen Golf.

BILD: Herr Pischetsrieder, Rot-Grün will die Pendlerpauschale kürzen. Ärgert Sie das? Pischetsrieder: Ja, denn jede zusätzliche Belastung wirkt als Konjunkturbremse! Autofahren muss im Gegenteil billiger werden. Wer das Auto nutzt, musste in den letzten zehn Jahren dramatisch gestiegene Betriebskosten in Kauf nehmen.

Werden Autofahrer in Deutschland gezielt gegängelt? Ja! Ich erwarte, dass das Auto nicht ständig als Verkehrsträger diskriminiert wird! Es ist erfolgreich, weil es bei der Mobilität allen Konkurrenten haushoch überlegen ist. Das kann man nicht dadurch ändern, indem man die Autofahrer durch immer höhere Steuern und Abgaben immer mehr bestraft.

Bekommt der Autofahrer eine angemessene Gegenleistung für seine Steuern? Nein! Das Steueraufkommen aus dem Automobil ist erheblich höher als die Investitionen in den Straßenbau. Wenn Sie auf einer dreispurigen Autobahn fahren und ein bis zwei Spuren von Lkw blockiert sind, stimmt was nicht mit der Verkehrsplanung.

Wann bauen Sie endlich Rußfilter in die Diesel, wie Umweltminister Trittin es fordert? Im nächsten Jahr, aber gegen Aufpreis. Herr Trittin hätte seine Vorstellungen früher äußern sollen, jetzt haben wir die Abgaswerte mit sehr viel Geld durch verbesserte Motoren gesenkt. Über die Hälfte aller Diesel-VW erfüllen heute schon die Abgasnorm EU4, die erst ab 2005 gilt. Aber wenn man von der Umweltpolitik Verlässlichkeit erwartet, ist man wohl ohnehin schief gewickelt...

Kommen wir zum traurigen Thema Arbeitsmarkt. Tut der Kanzler genug für den Aufschwung? Nein – und vor allem dauert alles zu lange! Die Regierung will den Abbau der Arbeitslosigkeit, packt das Problem aber nicht bei den Wurzeln. Sie muss unbedingt Anreize dafür geben, dass neue Jobs entstehen. Unser Personalchef Peter Hartz hat Ideen dafür auf den Tisch gelegt!

Was raten Sie Wirtschaftsminister Clement? Er soll sich nicht beirren lassen und gemeinsam mit Finanzminister Eichel die Steuern wie geplant weiter senken! Die Menschen müssen stärker selber entscheiden können, wofür sie ihr Geld ausgeben. Wenn sie wieder Vertrauen in die Politik haben, steigt auch ihr Vertrauen in die Zukunft.

Ab Oktober wird der neue Golf verkauft. Was bedeutet dieses Modell für VW? Der Golf wird ein Renner, unsere Kunden bekommen für vergleichbare Preise ein noch besseres Auto. Da wir mehr Modellvarianten bringen und ihn kostengünstiger produzieren können, ist der Golf betriebswirtschaftlich das wichtigste Auto im Konzern.

Das Gespräch führten Stefan Ernst und Jörg Quoos.

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