Interview mit Schumi-Manager Willi Weber

Interview mit Willi Weber Interview mit Willi Weber

Interview mit Willi Weber

— 09.11.2005

"Er muß nicht als Weltmeister abtreten"

Willi Weber betreut Michael Schumacher bereits seit 1989. Doch er denkt schon an die Zeit danach. Und er hat einen neuen Star im Visier: den Papst.

Reifenproblem war nicht mehr zu beseitigen

AUTO BILD MOTORSPORT: Herr Weber, Sie wirken richtig gut gelaunt. Obwohl Michael Schumacher nach fünf Titeln hintereinander nicht Formel-1-Weltmeister geworden ist und Sie jetzt gar keine neuen Champion-Kappen oder ähnliche Fan-Artikel verkaufen können. Willi Weber: Die gute Laune kommt natürlich nicht vom fehlenden Erfolg, sondern von meinem Pragmatismus. Wir sind froh, daß die Saison vorbei ist und wir uns mit aller Kraft aufs kommende Jahr stürzen können.

Wie haben Sie selbst dieses Jahr des Schumi-Absturzes verkraftet? Am Anfang ging es eigentlich ganz gut. Weil ich immer in der Hoffnung gelebt habe: Das nächste Rennen wird besser, jetzt platzt der Knoten. Erst im letzten Drittel habe ich – und auch Michael – realisiert, daß es nicht mehr besser werden kann.

Warum nicht? Wenn die Reifen nicht den Speed bringen, kann diese Aufgabe das Chassis nicht ausgleichen. Das Reifenproblem war – und das hat uns alle überrascht – in der gesamten Saison nicht mehr zu bereinigen. Doch es sieht so aus, daß es 2006 anders läuft und wir wieder vorn mitfahren.

Was macht Sie da so zuversichtlich? Unser Reifenpartner Bridgestone arbeitet wie noch nie. Die haben sogar den Winterurlaub gestrichen. Und Ferrari hat nach wie vor die größten Ressourcen und besten Strukturen aller Formel-1-Teams. Bis hin zur Putzfrau will dort jeder nur den Erfolg und wieder zurück an die Spitze.

Doch eine ganze Reihe der Ferrari-Schlüsselfiguren will Ende 2006 aufhören. Dieses Wissen im Hinterkopf bremst den Laden doch schon jetzt. Grundsätzlich ist jeder Mensch zu ersetzen. Es ist in den letzten 20 Jahren so oft gesagt worden: Wenn der oder der sein Team verläßt, bricht da alles zusammen. Das ist Quatsch! Ein Team ist nicht nur ein Mann. Ferrari hat die größten Ressourcen, die ich je gesehen habe. Damit und mit ihren Strukturen sind sie nach wie vor das beste Team der Formel 1.

Michael arbeitet stets über das Nötige hinaus

Was war die kritischste Phase 2005? Das Erkennen der schwierigen Lage, vor allem aber das Nicht-reagieren-können.

Schumi wirkte nach außen immer sehr gefaßt. War er das wirklich? Michael hat auch in der Hoffnung gelebt, daß das nächste Rennen besser wird. Er hat das alles unheimlich gut weggesteckt. Wer ihn kennt, weiß ja, daß er lieber gewinnt, als Zweiter oder Dritter zu werden.

Wieviel mehr hat ihn diese schlechte Saison verschlissen als ein Erfolgsjahr wie 2004? Ich glaube nicht mehr und nicht weniger unterm Strich. Etwas anstrengender war allerdings, daß zwei Drittel der Testfahrten sich nur auf die Reifen konzentrierten. Da ist einiges an Möglichkeiten bei der Chassis-Arbeit auf der Strecke geblieben.

Welche Verschleißerscheinungen haben Sie bei Schumi über die letzten Jahre festgestellt? (grinst) Wenn ich ganz ehrlich bin: keine! Nicht nur in unserem gemeinsamen Urlaub konnte ich feststellen, daß er immer noch sehr viel und intensiv Fitnesstraining macht. Es ist sogar noch mehr geworden. Er arbeitet über das Nötige hinaus. Immer noch mit Freude, Ehrgeiz und Enthusiasmus – und zwar täglich.

Wie sehr hat sein Marktwert als Fahrer und Werbefigur durch der Verlust des Titels 2005 gelitten? Überhaupt nicht. Ein siebenfacher Weltmeister hat seinen Stellenwert, auch wenn mal eine Saison nicht so läuft. Zwei unserer Partner, die DVAG und Omega, haben sogar dieses Jahr ihre Verträge bis 2010 verlängert.

Hat Schumi 2005 nicht doch manchmal an Rücktritt gedacht? Nein, überhaupt nicht! Im Gegenteil: So eine Saison ist genau dazu geeignet, den Entschluß zu fassen: Jetzt erst recht!

Das ganze Interview lesen Sie in der neuen Ausgabe von AUTO BILD MOTORSPORT (seit 2. November 2005 im Handel) oder unter diesem Link. Darin u.a.: Was Michael Schumacher noch antreibt, was er nach seiner Karriere plant und warum Willi Weber die katholische Kirche vermarkten will.

Autor: Leopold Wieland

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