Robert Rademacher

Interview mit ZDK-Präsident Rademacher

— 14.12.2009

"Nicht akzeptable Situation"

Robert Rademacher (70), Präsident des Zentralverbandes Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), im AUTO BILD-Interview über Händlersterben, Rabattschlachten und das moderne Autohaus.

AUTO BILD: Herr Rademacher, der ZDK feiert in diesem Jahr 100. Geburtstag. Steht das Kfz-Gewerbe vor seiner größten Krise, seiner größten Herausforderung oder gar vor einem kompletten Neuanfang? Rademacher: Wir haben im Laufe dieser 100 Jahre eine ganze Reihe großer Herausforderungen erlebt, die sich mit der Zeit verklärt haben und dann nicht mehr so dramatisch waren. Wenn wir den Boom durch die Umweltprämie außer Acht lassen, stehen wir da, wo wir Ende 2008 waren. Das ist ohne Zweifel eine Herausforderung. Wie viele Händler werden 2010 Pleite machen? Nach ungefähr jeweils 1000 Insolvenzen in den vergangenen beiden Jahren werden es 2010 etwas mehr werden, aber ich erwarte keine dramatische Zunahme. Davon abgesehen bedeutet eine Insolvenz heutzutage ja auch nicht gleich den Exitus des Unternehmens.

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Insidern zufolge schreiben allein 60 Prozent der VW-Händler rote Zahlen. Es stimmt, dass ungefähr die Hälfte der Betriebe rote Zahlen schreibt. Das liegt in erster Linie an den Verlusten beim Rückkauf von Leasingfahrzeugen. Da werden bei Mittel- und Oberklassemodellen Verluste von teilweise über 10.000 Euro pro Auto gemacht, weil die Hersteller vor zwei, drei Jahren die Restwerte zu optimistisch berechneten. Hinzu kommt, dass die Rabattschlacht nach dem Ende der Umweltprämie schon in vollem Gange ... ... na ja, es gab ja schon eine Rabattschlacht während der Umweltprämie. Von der haben aber die Autohäuser nicht profitiert. Die Rabatte – und nicht nur die staatlichen – sind voll an den Kunden durchgereicht worden. Wie viel Rendite bleibt einem Händler denn überhaupt noch, wenn er 20 Prozent Nachlass gibt? Unter einem Prozent. Das ist total unzureichend. Und diese Mini-Marge ergibt sich auch noch aus dem Service-Geschäft. Sonst würden die meisten Händler rote Zahlen schreiben. Aber auch der Verdienst beim Service liegt unterhalb dessen, was wünschenswert ist und vor einigen Jahren noch normal war. Das ist eine nicht akzeptable Situation, die radikal geändert werden muss. Wir brauchen Hilfen bei den Verlusten mit Leasinggeschäften.

Falsche Erwartungen des Importeurs

Der ZDK rechnet für das Jahr 2010 mit 2,7 bis 2,8 Millionen Neuzulassungen in Deutschland.

Wie beurteilen Sie die Unstimmigkeiten zwischen Händlern und Hersteller, wie sie jüngst im Falle Fiat zu beobachten waren, wo der Importeur extrem günstige Einführungspreise für ein Modell vorgab?
Die Erwartungen des Importeurs an die Händler, einen ganz großen Teil ihrer Marge in diese Verkaufsförderung zu stecken, sodass nur noch ein vollkommen unzureichender Rest an Verdienst übrig bleibt, ist der absolut falsche Weg. Hier hätte Fiat in jedem Falle vorher den Händlerverband informieren müssen. Auch die Neuwagenverkäufe drohen einzubrechen. Was erwarten Sie für 2010? Wir rechnen mit 2,7 bis 2,8 Millionen Neuzulassungen. Bei dem derzeit gesättigten Markt wären drei Millionen Verkäufe normal. Wir lägen damit etwa zehn Prozent unter dem Wert von 2008. Das wäre nicht dramatisch, das muss ein gut geführter Händlerbetrieb aushalten können. Ist denn ein Betrieb bald nur noch dann gut geführt, wenn er ein Dutzend Marken unter einem Dach vereint? Ich finde: So wenig Marken wie möglich in einem Betrieb, aber so viele wie nötig. Wer sich zehn Marken in sein Haus holt, hat in diesen Tagen ein zehnmal schwierigeres Geschäft.

Chance für die Werkstätten

Was bedeutet der Boom bei den Neuwagenkäufen aufgrund der Umweltprämie für die Werkstätten? Weniger zu tun, weil es weniger Altautos gibt? Oder die Chance, über Inspektionen neue Kunden zu gewinnen? Diese Situation begreife ich eindeutig als Chance für die Werkstätten. Wir haben durch die Umweltprämie schon jetzt zwei Millionen neue Autos im Markt. Davon sind eine Million jetzt Neukunden eines Autohauses. Das sind eine Million Möglichkeiten, diesen Kunden langfristig zu halten. Wie reagiert das Gewerbe auf die wachsende Zahl von Hybridfahrzeugen auf dem Markt? Indem die besten Mechatroniker, die eine Werkstatt hat, auf Schulungen geschickt werden, um an den Hybridfahrzeugen arbeiten zu können. Die wissen dann schon nach einigen Tagen, was zu tun ist. Eine letzte Prognose bitte: Wie wird sich das Gebrauchtwagengeschäft im kommenden Jahr entwickeln? Das wird sich auf Vorjahresniveau stabilisieren, also bei rund sechs Millionen Verkäufen.

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