Interview Tom Kristensen und Christian Bakkerud

Interview Tom Kristensen und Christian Bakkerud

— 20.05.2009

Danish Duo in der DTM

Erfahrener Hase gegen Jungspund, Titelanwärter gegen Serien-Neuling. Aber Tom Kristensen und Christian Bakkerud haben auch etwas gemeinsam: ihren typisch dänischen Humor und einen Audi A4 DTM als Arbeitsplatz.

AUTO BILD MOTORSPORT: Haben Sie sich schon vor dem Interview heute gekannt?
Kristensen: Das erste Mal haben wir uns auf Lanzarote getroffen, bei einem Trainings-Camp. Damals fuhr er noch Kart. Bevor er dann aufstieg – ich glaube, in die Formel BMW?
Bakkerud: Ja, ich fuhr dann Formel BMW.
Kristensen: Ich hatte dort also dieses Camp, in dem ich die Jungs trainierte. Ich habe das glaube ich über fünf bis sechs Jahre gemacht. Es gehörte zur "Danish Federations" (ein Förderprojekt für junge Motorsportler, Anm. der Redaktion). Die haben damals einige junge Fahrer ausgewählt, die dann ins Camp durften. Müsste 2002 gewesen sein...
Bakkerud: Stimmt, das war 2002. Wenn du den Schritt vom Kart in einen Rennwagen wagst, musst du wirklich anfangen, an deinem Körper zu arbeiten. Er brachte uns auch dazu, über unsere geistige Verfassung nachzudenken, professioneller zu denken. Intensiver zu trainieren. Ernst zu nehmen, wie du dich ernährst und all diese Dinge. Für uns Jugendliche war es super, mit einem so professionellen Rennfahrer zusammen zu arbeiten.

Wie sehen Ihre Saisonziele aus? Und was glauben sie, was der andere erreicht?

In Englisch, please: Beim Interview mussten beide Dänen dem Reporter zuliebe auf Ihre Muttersprache verzichten.

Kristensen: Ich bin lange genug im Geschäft, um nicht zu viel vorauszusagen. Nur, dass ich mein Bestes geben werde. Das Beste am Anfang einer Saison ist, Rennen zu gewinnen. Wenn ich das schaffe, werden Sie mir eh die nächsten Fragen stellen. Die Saison hat für Audi und mich schon sehr erfolgreich angefangen. Mit dem Sport-Prototypen R15 TDI haben wir die zwölf Stunden von Sebring gewonnen. Was Christian betrifft: Er ist ein junger Pilot mit einer Menge Potenzial. Er sollte sich selbst nicht zu sehr unter Druck setzen. Es ist immer schwierig, wenn du eine neue Sache anfängst. Er hat bisher in Formel-Autos seine Erfahrungen gemacht. Jetzt steigt er um in einen Prototypen, den Audi R10 TDI, den auch ich einige Jahre gefahren bin. Und gleichzeitig in die DTM. Er schlägt also einen vielseitigen Weg ein. Ich halte das für großartig, auch wenn er damit sein Hauptaugenmerk von der Formel 1 nimmt. Er weiß, dass er sich nun als Persönlichkeit und Rennfahrer voll in eine andere Umgebung integrieren muss. Diese Erfahrung wird sicher gut für ihn sein. Motorsport besteht eben aus mehr als nur Formel 1. Aus meiner Sicht hat er die Herausforderung angenommen, den Übergang bis jetzt gut gemeistert.

Der Rookie: Christian Bakkerud (24) hat's nicht leicht, startet 2009 mit einem zwei Jahre alten DTM-Auto.

Bakkerud: In der DTM starte ich mit einem zwei Jahre alten Auto natürlich etwas aus dem Hintertreffen. Ich sollte bei Prognosen also sehr realistisch sein. Ein Rennen in diesem Wagen zu gewinnen wird sehr schwierig sein. Selbst ein Podiumsplatz oder unter die ersten Zehn zu fahren wird hart, wenn es nicht gerade regnet oder etwas Außergewöhnliches passiert. Ich versuche, mein Bestes zu geben und mit meiner Aufgabe zu wachsen. Das gilt auch für die Le-Mans-Serie. Dort haben wir ein bewährtes Auto, das haben Tom und die anderen Jungs in den vergangenen Jahren bewiesen. Aber wie er schon sagte: Für mich ist der Umstieg ein großer Schritt, eine ganz andere Art des Rennfahrens. Ich nehme damit aber nicht nur meinen Fokus von der Formel 1. Auch der Druck, dieses hohe Ziel zu erreichen, ja ständig daran zu denken, ist gewichen. Wenn ich mir die zahlreichen Erfolge von Tom anschaue kann ich nur sagen: Der ist nicht hier, um Zweiter zu werden. Er will gewinnen.

Würden Sie ihn um Hilfe bitten?
Bakkerud: Auf jeden Fall! Ich habe mich bereits mit einigen Fragen an ihn gewandt. Er ist sehr hilfsbereit, wirklich kein Geheimniskrämer. Er hat mir gesagt: "Wenn was ist, ruf mich an oder schreib' mir eine Mail."
Kristensen: Aber das ist doch normal! Ich müsste das nicht tun. Aber ich versuche ihm gerne zu helfen, wenn er Fragen hat. Aber Christian macht selbst einen super Job. Es gibt keinen Grund, ihn anzustoßen. Oder ihm zu sagen, was er braucht. Das kann er selbst. Alle Audi-Fahrer tauschen sich grundsätzlich ziemlich offen aus. Natürlich ist es einfacher, wenn jemand die selbe Muttersprache spricht.

ABMS: Beschreiben Sie in drei Sätzen, was DTM für Sie bedeutet...
Bakkerud: Erst einmal gibt's tolle Fans, dazu eine super Atmosphäre und packenden Rennsport.
Kristensen: Unglaubliches Feintuning, das zum Erfolg führt. Du musst immer 100 Prozent geben. Zehn Prozent darunter geht nicht, dann bist du zu langsam. Es ist ein Sprint, ein Riesen-Spektakel. Wir haben eine große Bühne, hauptsächlich in Deutschland. Es gibt viele Zuschauer und das Interesse wächst auch in Europa. Ich wünsche mir noch ein Rennen in Kopenhagen. Da würden sicher viele Dänen kommen. Das ist das Einzige, was mir an dieser großartigen Meisterschaft noch fehlt.
Bakkerud: Ich glaube, dass es mehr dänische Motorsport-Fans gibt, als viele denken. Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich mal in Le Mans war, um Tom zu sehen. Er fragte über den Streckenlautsprecher: "Sind auch ein paar Dänen da?". Da ging es auf einmal richtig ab auf den Tribünen, da waren echt viele unserer Landsleute. Es war unglaublich.
Kristensen: Fantastisch war das! Da waren vielleicht 3000 Dänen, und das nur in Le Mans.

ABMS: Woran denken Sie, wenn Sie an Deutschland denken?

Der Routinier: Tom Kristensen beim Training zum DTM-Lauf am Hockenheimring.

Bakkerud: Ich mag Deutschland. Ich habe hier schon eine Menge Zeit verbracht, als ich Formel BMW fuhr. Damit verbinde ich viele schöne Erinnerungen. Die DTM habe ich auch verfolgt. Ich lebe jetzt seit drei Monaten in Hamburg, um ein bisschen Deutsch zu lernen (wechselt mitten im Satz von Englisch auf Deutsch und lacht).
Kristensen: Das musst du unbedingt!
Bakkerud: Ich weiß. Ich bin ein Deutschland-Fan und mag es, hier zu sein. Außerdem gibt es fantastische Rennstrecken.
Kristensen: Über Deutschland könnte ich sehr viel erzählen. Angefangen bei "Ochsenschwanzsuppe". Ich erinnere mich gut daran, dass ich sie probieren musste. Da war ich noch ein kleiner Junge. Mein Vater nahm mich damals mit hierher und ich musste solche Sachen kennen lernen. Aber auch meine Rennfahrerkarriere fand hier zum Großteil statt. Angefangen beim Kartsport. Dann holte mich Bertram Schäfer 1991 in die Deutsche Formel 3, sein erstes Jahr mit VW Motorsport. Und wir gewannen prompt die Meisterschaft! Das war der Startschuss meiner Karriere. Später bin ich dann zur Konzernfamilie zurückgekehrt, zu Audi. Deshalb dreht und drehte sich bei mir alles um Deutschland. Auch wenn man bedenkt, dass ich saisonweise in Japan, England und Amerika gefahren bin. Aber mein Zentrum war Deutschland, das Zuhause des Motorsports.

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