Iranische Billig-Autos für Europa

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Iranische Billig-Autos für Europa

— 10.03.2009

Blech aus dem Morgenland

Neuwagen aus dem Iran? Doch, das gibt es wirklich. Der Staatsbetrieb Iran Khodro baut seit 1962 Autos, die meisten davon auf Basis europäischer Altmodelle. Den "Samand" kann man sogar in Europa kaufen – mit Technik und Design von gestern.

Ein Auto, das die magische Grenze von neun Jahren überschritten hat, gilt in Deutschland schon als alt – und seit Einführung der Abwrackprämie sogar als potenzieller Kandidat für die Schrottpresse. Im Iran dagegen würde die deutsche Wegwerfmentalität wahrscheinlich nur ungläubiges Kopfschütteln auslösen. Ein neun Jahre altes Auto? Der ist doch gerade erst eingefahren! Im Iran fahren Kisten herum, die nur noch von ein bisschen Farbe und der Gnade Allahs zusammengehalten werden. Wer es im Iran zu etwas gebracht hat, kauft sich aber einen Neuwagen – aus iranischer Produktion. Der staatseigene Betrieb Iran Khodro (IKCO) mit Sitz in Teheran baut seit 1962 Autos für alle, die sich kein teures Importprodukt leisten können. Zum Beispiel den Samand, der seit 2002 vom Band läuft. Die Mittelklasselimousine steht auf dem Genfer Salon 2009 und wird seit 2006 auch nach Russland und Bulgarien importiert. Nächstes Europa-Ziel für das Billig-Auto ist Polen. Auch eine Autogas-Variante ist vefügbar.

Moderne Sicherheitstechnik gibt's nicht mal gegen Bakschisch

Zeitreise in die Achtziger: Das Cockpit der "Luxusversion" Samand Sarir mit verlängertem Radstand.

Naht da etwa ein neuer Dacia-Konkurrent? Technisch basiert der Samand (persisch: "schnelles Pferd"), der im Iran als "Nationalauto" verkauft wird, auf dem Peugeot 405. Vom alten Mitteklasse-Franzosen, gebaut von 1988 bis 1996, stammt auch der einzig verfügbare Motor, ein schlichter Zweiventiler-Benziner mit 1,8 Litern Hubraum und 100 PS. Ausstattung und Technik ensprechen den späten Achtziger Jahren. Hinten gibt es nur Trommelbremsen, Airbags und ESP nicht mal gegen Bakschisch und gute Worte. Ebenso befremdlich auch die Tatsache, dass Hersteller ICKO auf seiner Website derart Banales wie Sicherheitsgurte und Bremsleuchten stolz als Teil der Sicherheitsausstattung anpreist. Okay, im Iran gehen die Uhren eben anders. Immerhin: Servolenkung, Zentralverriegelung, elektrische Fensterheber und eine Klimaanlage sind serienmäßig an Bord, ABS kostet aber extra. Den Samand bieten die Iraner außerdem in einer verlängerten Version "Sarir" an, die im Innenraum mit Leder und Holzfurnier protzt – bei der Verarbeitungsqualität scheiden sich allerdings die Geister.

Von Uralt-Modellen bis zu modernen Trucks

Robuster Lastesel mit Uralt-Optik: Das Pickup-Modell "Bardo" leistet bescheidene 66 PS und schlürft zehn Liter Normal.

Neben dem Samand hat IKCO aber noch mehr auf Lager: Diverse ausrangierte Altmodelle werden in Lizenz nachgebaut, darunter der Peugeot 206+ und 405. Auch am Nutzfahrzeug-Markt ist der Hersteller aktiv und hat sich die Rechte für verschiedene Busse, Kleinlaster und Lkw von Mercedes, Hyundai und MAN gesichert. Das Angebot reicht von Uralt-Modellen, die bei uns seit 30 Jahren vom Markt sind, bis zu modernen Trucks wie dem Mercedes-Benz Actros. Auch der Dacia Logan läuft in Teheran vom Band. Optisch ist kein Unterschied zum rumänischen Original erkennbar – bis auf das Renault-Logo an Kühler und Heckklappe. Im Iran werden Kombi und Limousine allerdings unter dem Namen "Tondar" vermarktet. Kommt Iran Khodro jetzt auch nach Deutschland? Vorerst wohl nicht, denn bis auf den Logan-Klon erfüllt keins der Pkw-Modelle die nötige Euro-IV-Norm, von der Sicherheit mal ganz zu schweigen. Und den Rumänen kriegt man bei uns ja schon. Mehr exotisches Blech aus dem Morgenland sehen Sie oben in der Bildergalerie.

Autor: Jan Kretzmann

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